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Bypass Niederkerschen infrage gestellt
Lokales 3 Min. 24.06.2020

Bypass Niederkerschen infrage gestellt

In Weiß ist die Umgehungsstraße Käerjeng zu erkennen, die von der A13 (links) entlang der Schienen und der Industriezone verläuft.

Bypass Niederkerschen infrage gestellt

In Weiß ist die Umgehungsstraße Käerjeng zu erkennen, die von der A13 (links) entlang der Schienen und der Industriezone verläuft.
Illustration: Mobilitätsministerium
Lokales 3 Min. 24.06.2020

Bypass Niederkerschen infrage gestellt

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Die Zahlen, die bei der Abstimmung 2018 vorgelegt wurden, waren nicht aktuell. Das monieren nun Vertreter von drei Vereinigungen.

Es waren alarmierend hohe Stickstoffdioxid-Werte (NO2) in der Avenue de Luxembourg in Niederkerschen, welche die Abgeordneten im Juli 2018 dazu veranlassten, den Bau der Umgehungsstraße Niederkerschen für 139 Millionen Euro zu stimmen. Als unseriös bezeichnen die Vereinigungen Biergerinitiativ Gemeng Suessem, MecoSud und natur&ëmwelt Gemeng Suessem heute den Ablauf der damaligen Sitzung. Bei dieser ging es um das Finanzierungsgesetz zum Bau der Straße. 

Auf der Illustration ist die Umgehungsstrasse zu erkennen, die von der Autobahn A13 aus entlang der Schienen durch die Natura-2000-Zone führt.
Auf der Illustration ist die Umgehungsstrasse zu erkennen, die von der Autobahn A13 aus entlang der Schienen durch die Natura-2000-Zone führt.
Illustration: Mobilitätsministerium

Sowohl Berichterstatterin Josée Lorsché als auch Transportminister François Bausch (beide Déi Gréng) hatten von Stickstoffdioxid-Werten von mehr als 80 Mikrogramm pro Kubikmeter gesprochen. Alarmierend ist dies, da die Weltgesundheitsorganisation Werte von über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter als gesundheitsschädlich einstuft. Die anwesenden Politiker fühlten sich zum Handeln verpflichtet. Selbst die Biergerinitiativ der Gemeinde Sassenheim musste den Sinn einsehen. Die Vereinigung hatte sich 1999/2000 als Protestgruppe gegen die Umgehungsstraße gegründet, die damals auch eine bessere Anbindung an die Industriezone in Käerjeng zum Ziel hatte. 

Naturschutzzone muss Straße weichen

Zum Leidwesen der Vertreter der drei Vereinigungen soll die 4,2 Kilometer lange Umgehungsstraße aber durch eine Natura-2000-Zone führen. Ein solches Unterfangen wird von der EU-Kommission nur bei einem zwingenden Grund des öffentlichen Interesses erstattet. Sprich, bei NO2-Grenzwerten über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. 


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Nun stellte sich aber heraus, dass bei der Rechtfertigung zum Bau der Umgehungsstraße wohl mit falschen Daten hantiert wurde. Denn seit etwa 2018 sind sämtliche Messwerte, auch die der Gemeinde Niederkerschen, auf der Internetseite des Umweltministeriums einzusehen. So lag der NO2-Wert 2016 bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, 2017 bei 38, 2018 bei 42 und 2019 bei 38. Bereits kleinere Anpassungen könnten die Werte in der Gemeinde drücken, erklärt Francis Hengen vom MecoSud. So hatten die Vereinigungen bereits Vorschläge gemacht, wie etwa ein intelligentes Verkehrsampel-System. Eine Idee, die bis heute nicht umgesetzt sei. Auch beim Bau von P&R Parkplätzen in den Grenzgebieten gebe es keinen Fortschritt. 

Fragwürdig sei auch, wieso sich immer auf die Messstation in der Avenue de Luxembourg in Höhe der Brauerei berufen werde. Dort befindet sich eine Verkehrsampel und es herrscht nur wenig Luftzirkulation. Dabei würden sich noch weitere Messanlagen an der Straße befinden, die niedrigere Werte aufweisen. Nicht zu verstehen sei auch, wieso auf eine parlamentarische Frage von Yves Cruchten (LSAP) im Juni geantwortet wurde, die NO2-Werte in der Straße belaufen sich auf 57 Mikrogramm pro Kubikmeter. Diese Zahlen entsprechen dem Jahresmittelwert von 2012. Und auch bereits im Avant-projet sommaire (APS) aus dem Jahr 2016 ist die Rede von einem Jahresmittelwert von 57, der im Jahr 2012 gemessen wurde und nicht von dem Wert von 2015, der bei 48 lag. 

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Nun könnte angenommen werden, dass in Zukunft  mit steigendem Verkehr die Messwerte, welche nahe dem Grenzwert liegen, steigen werden. Doch dem ist nicht so. Durch verbesserte Verbrennungsmotoren und neuen Technologien ist von einer Reduzierung auszugehen. Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) antwortete in einer parlamentarischen Frage von David Wagner (Déi Lénk) im Juli 2019, dass bis 2020 mit einer Reduzierung der NO2-Werte von 22 Prozent im Vergleich zu 2017 zu rechnen sei. Bis 2030 mit 71 Prozent. 

Die Vertreter der Vereinigungen schlussfolgern, dass, beim Bau der Umgehungsstraße ein Naturschutzgebiet, welches als eines der letzten Naherholungsgebiete in der Region dient, ohne rechtliche Grundlage zerstört würde. Dies, da unter Vorlegung falscher Tatsachen abgestimmt worden sei. Sie fordern daher ein Moratorium für die Ausarbeitung des Avant-projet détaillé der geplanten Umgehungsstraße Niederkerschen. Diese Forderung hat die Bürgerinitiative ebenfalls am Mittwoch dem Parlament zukommen lassen. Falls nötig, werden sie auch rechtliche Schritte in die Wege leiten und haben bereits seit einiger Zeit einen Anwalt hinzugezogen.

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