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Buschrodt: Durchsuchung bei den Hells Angels
Lokales 6 11.08.2016

Buschrodt: Durchsuchung bei den Hells Angels

Michel THIEL
Michel THIEL
Am Mittwochmorgen wurde ein Clublokal der Rockerbande in Buschrodt von der Kriminalpolizei durchsucht. Die Hausdurchsuchung geschah auf Anordnung deutscher Ermittlungsbehörden.

(mth) -  Die luxemburgische Kriminalpolizei hat am frühen Mittwochmorgen eine Hausdurchsuchung in einem Clublokal in der Rue  Principale in Buschrodt in der Gemeinde Wahl durchgeführt, das von der Rockerbande "Hells Angels" genutzt wird.

Die Aktion sei aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der Staatsanwaltschaft Saarbrücken durchgeführt worden, wie ein Sprecher der luxemburgischen Justiz mitteilte. Offenbar verlief die Hausdurchsuchung ohne Probleme, Festnahmen gab es keine.

In Saarbrücken herrscht derzeit ein Bandenkrieg zwischen rivalisierenden Rockerbanden, bei dem am vergangenen 5. Mai zwei Personen bei einer Schießerei lebensgefährlich verletzt wurden. In Saarbrücken nahm die Polizei am Mittwoch einen 24 Jahre alten Frankfurter fest. Zudem durchsuchten Polizeibeamte in Hessen am Mittwochmorgen sechs Wohnungen und Vereinsheime der "Hells Angels" in Frankfurt am Main und in Wölfersheim zwischen Frankfurt und Gießen.

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den Polizeiaktionen in Deutschland und der Durchsuchung in Luxemburg gibt, war von der Staatsanwaltschaft nicht zu erfahren.

Kein normaler Motorradclub

Die "Hells Angels" gelten internationalen Strafverfolgungsbehörden zufolge als kriminelle Organisation, zu deren Kerngeschäft der Drogen- und Menschenhandel sowie Prostitution und Schutzgelderpressung zählen.

In den vergangenen Jahren kam es in diesem Zusammenhang immer wieder zu Verhaftungen sowie zu Auseinandersatzungen zwischen rivalisierenden Bandenmitgliedern, bei denen es Tote und Verletzte gab. Die Organisation ist in verschiedene regionale Gruppen unterteilt, so genannte "Charter", die teilweise miteinander konkurrieren.

Luxemburg als Rückzugsgebiet

Nachdem es 2013 zu einem regelrechten Bandenkrieg unter deutschen "Hells Angels" gekommen war, galt Luxemburg zeitweise als Rückzuggebiet für die aufstrebende "New School"-Fraktion innerhalb der Bande, die mit den traditionellen Gruppen in Deutschland konkurrierten.

Bis Ende 2015 gab es acht "Hells Angels"-Chapter in Luxemburg. Nach Streitigkeiten innerhalb der Organisation wurden im vergangenen Dezember die sechs verbleibenden Gruppen aufgelöst und durch eine neu gegründete Gruppe ersetzt. Ein Clublokal in Wasserbillig wurde ebenfalls aufgegeben.

Die Aktivitäten der "Hells Angels" in Luxemburg werden seit Jahren von den Behörden beobachtet. Zwischen 2011 und 2013 kam es immer wieder zu Versuchen der Bande, im Luxemburger Rotlichtmilieu Fuß zu fassen. Zudem kam es in den vergangenen Jahren mehrmals zu internationalen Treffen führender Mitglieder aus mehreren europäischen Ländern, wie etwa im September 2010 in Contern oder im Februar 2014 in einem Hotel in Dommeldingen sowie im Clubhaus der Rockerbande in Buschrodt, in dem am Mittwoch die Hausdurchsuchung stattfand.


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