Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bus, Zug und Tram schalten zurück
Lokales 8 5 Min. 20.03.2020

Bus, Zug und Tram schalten zurück

Die Menschen sollen zu Hause bleiben - das wirkt sich auch auf Bus-, Zug- und Tramverkehr aus.

Bus, Zug und Tram schalten zurück

Die Menschen sollen zu Hause bleiben - das wirkt sich auch auf Bus-, Zug- und Tramverkehr aus.
Foto: Chris Karaba
Lokales 8 5 Min. 20.03.2020

Bus, Zug und Tram schalten zurück

Weniger Passagiere, weniger Verbindungen, hygienische Maßnahmen: Die Ausnamesituation ist auch im öffentlichen Transport deutlich spürbar.

Von Jeff Wiltzius und Diane Lecorsais

Die Fahrgastzahl in Bussen, Zügen und der Tram geht deutlich zurück, das Angebot wird erheblich zurückgeschraubt. Parallel dazu werden in den öffentlichen Verkehrsmitteln die hygienischen Maßnahmen verstärkt - ob beim städtischen Busdienst AVL, dem regionalen RGTR-Netz, der Tram oder der CFL.

Herausforderung für städtischen Busdienst

Der öffentliche Transport in Luxemburg-Stadt müsse auch in diesen schweren Zeiten unbedingt gewährleistet sein, betonte die Bürgermeisterin der Hauptstadt Lydie Polfer bei einer Stellungsnahme vergangene Woche

Aus diesem Grund wurden im Kampf gegen das Corona-Virus in den Linienbussen besondere Maßnahmen ergriffen. Für den hauptstädtischen Busbetrieb bedeutet dies viele neue Herausforderungen. Koordiniert wird alles am Hauptsitz der Autobus de la Ville de Luxembourg (AVL) in Hollerich. 

 „Es musste alles sehr schnell gehen“, erklärt AVL-Chef Lex Bentner im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“. Innerhalb von 72 Stunden wurde der gesamte Busbetrieb in der Hauptstadt umgestellt. Zwar habe es keinen Notfallplan aus der Vergangenheit gegeben, doch konnte man auf die Sommerfahrpläne zurückgreifen. „Es ging darum, die Linien zu reduzieren, Fahrpläne anzupassen und Fahrer zu sensibilisieren.“ 

Diese Informationen hängen in jedem hauptstädtischen Bus.
Diese Informationen hängen in jedem hauptstädtischen Bus.
Foto: AVL

Der Wegfall der Schulfahrten, das Reduzieren einzelner Busse und mit dem Annullieren kleinerer Linien konnten bereits 50 Prozent der Fahrten auf dem Gebiet der Hauptstadt eingespart werden. Das Angebot werde noch weiter abgebaut: „Damit wollen wir einen reibungslosen Ablauf sicherstellen“, so der AVL-Chef. In den Stoßzeiten konnte somit die Kapazität und damit auch das Platzangebot für die Passagiere gesteigert werden. 

„Wir achten ganz genau auf die Auslastung der Linienbusse und sind in ständigem Kontakt mit den Fahrern. Im Depot stehen Gelenkbusse bereit, welche sofort eingesetzt werden können.“ Doch man merke natürlich, dass die strengen Maßnahmen der Regierung greifen. Weit weniger Menschen nutzten derzeit den öffentlichen Transport. „Dies entspannt die Lage natürlich etwas“, bekräftigt Bentner. 

Die Leitstelle sei auch mit anderen Städten in der Großregion in Kontakt, um sich gegenseitig über erforderliche Maßnahmen zu beraten und Hilfe anzubieten. 

Ein weiterer Schritt, der zeitgleich in die Wege geleitet wurde, ist die Absperrung des Fahrerbereiches mit einem Band. Das komplette Abkleben mit Folie wie in anderen Städten sei bisher allerdings nicht geplant. Man müsse abwarten, wie sich die ganze Situation entwickelt, betont der AVL-Chef. 

Auch bleibt die vordere Einstiegstür bis auf Weiteres für die Passagiere geschlossen. Es sei wichtig, Passagiere sowie Fahrer vor einer Ansteckung zu schützten. In den städtischen Bussen und an den Haltestellen werden zudem auf den Digitalanzeigen Sensibilisierungsbilder angezeigt. Dazu stünde man im regen Kontakt mit den Fahrern und deren Familien: „Die 550 Mitarbeiter der AVL werden regelmäßig über die getroffenen Maßnahmen informiert. Einige haben Kinder und können nicht fahren, andere melden sich krank. Doch das große Verständnis und die Einsatzbereitschaft im gesamten Team ist außergewöhnlich“, gibt der AVL-Chef voller Stolz zu verstehen. 

Die Linienbusse werden jeden Tag desinfiziert

Seit der Umstellung der Fahrpläne sind auch die Hygienemaßnahmen in den Bussen verstärkt worden. Jeder einzelne Bus, der nach seinem Arbeitsdienst ins Depot in Hollerich kommt, werde komplett desinfiziert. Dabei inbegriffen sei nicht nur das Fahrercockpit, sondern ebenfalls der gesamte Fahrgastraum. „Griffe, Sitze, Knöpfe, alles wird gründlich mit einem Putzmittel eingesprüht.“ 

Seit Kurzem würde die AVL auf ein noch stärkeres Desinfektionsmittel zurückgreifen, der Lagerbestand dafür sei gut aufgefüllt. Darüber hinaus wurde die Mannschaft verstärkt, welche sich rund um die Uhr in drei Schichten um die Desinfektion der Busse kümmert. 

Jeden Tag treten neue Maßnahmen und Vorsorgeverfügungen in Kraft. Für Lex Bentner sind die strengen Regelungen eine Herausforderung: „Doch wir setzen alles Notwendige um, damit der öffentliche Transport in der Hauptstadt für die Bürger sicher ist und gewährleistet bleibt.“

Sowohl der Trambetrieb als auch die RGTR-Verbindungen werden sonntags bis auf Weiteres eingestellt.
Sowohl der Trambetrieb als auch die RGTR-Verbindungen werden sonntags bis auf Weiteres eingestellt.
Foto: Pierre Matgé/LW-Archiv

Auch RGTR, CFL und Luxtram schränken Betrieb ein

Auch beim Angebot von RGTR, der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL sowie Luxtram sind die Auswirkungen erheblich.

Am vergangenen Montag wurden in der Tram noch 8.000 Passagiere gezählt, am Dienstag waren es deren 5.500, am Mittwoch sank die Passagierzahl auf 2.900. Am Donnerstag wurden schließlich nur noch 2.100 Fahrgäste gezählt. Zum Vergleich: Im Februar lag die durchschnittliche Passagierzahl bei 31.000 Personen pro Tag, wie die Trambetreibergesellschaft Luxtram mitteilt. 

RGTR und Tram: Keine Sonntagsfahrten

Seit Wochenbeginn wurde denn auch die Zahl der Verbindungen deutlich reduziert. Lag die Taktfrequenz am Montag noch bei fünf bis sieben Minuten, so verkehrt die Straßenbahn aktuell nur noch alle 15 Minuten. Gestern kam zudem die Mitteilung, dass der Sonntags-Betrieb der Tram eingestellt wird. 

Auch bei dem regionalen Busdienst RGTR sowie der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL kommt es zu Anpassungen. Sonntags fahren keine RGTR-Busse mehr, wochentags wird die Taktfrequenz herabgesetzt. Bei der Bahn wird das Angebot ebenfalls stark reduziert. Mobilitätsminister François Bausch sprach am Donnerstag von 40 Prozent weniger Zugverbindungen. 

Sich vor Fahrtantritt informieren

Da es auch kurzfristig zu Änderungen kommen kann, sollten Reisende sich vor Fahrtantritt im Internet, via App oder im Call-Center der CFL über etwaige Fahrplanänderungen informieren. Die Schalter im Hauptbahnhof und am Bahnhof Belval-Université bleiben zurzeit geschlossen. 

Wie in den städtischen Bussen wird überdies auch Bei Luxtram und der CFL zu verstärkten Hygienemaßnahmen gegriffen. „In den Zügen werden jene Bereiche, mit denen die Kunden oftmals in Berührung kommen, gründlicher und häufiger geputzt, so zum Beispiel Geländer, Türknöpfe, Griffe und die Toiletten“, erklärt Alessandra Nonnweiler, Pressesprecherin der CFL. 

Passagierzählungen werden in den Zügen und Bussen derzeit nicht durchgeführt, doch fest steht: Sie werden nur noch sehr wenig genutzt.
Passagierzählungen werden in den Zügen und Bussen derzeit nicht durchgeführt, doch fest steht: Sie werden nur noch sehr wenig genutzt.
Foto: Pierre Matgé/LW-Archiv

Wartesäle geschlossen 

Auch in den Bussen würden Geländer und Türöffner kontinuierlich gereinigt. Zwischen Fahrer und Passagieren muss zudem ein Sicherheitsabstand eingehalten werden. Aus diesem Grund ist die erste Sitzreihe momentan abgeriegelt. Darüber hinaus werden nur die hinteren Türen geöffnet. In sämtlichen Bahnhöfen wurden ferner die Wartesäle geschlossen. 

Wie viele Passagiere überhaupt noch in den Zug steigen, könne man nicht genau sagen, da Züge und Busse bisher nicht mit einem digitalen Zählsystem ausgestattet sind und zurzeit keine manuellen Zählungen durchgeführt werden. „Wir können aber bestätigen, dass die Züge aktuell nur sehr wenig genutzt werden“, so Alessandra Nonnweiler.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Anschluss verpasst
Ab März 2020 wird der öffentliche Transport kostenlos sein. Dann sollte aber auch das Bus-Angebot stimmen. Derzeit ist das nicht der Fall.
Baustelle Bahnhof Luxemburg, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Ohne Ticket kann es teuer werden
Noch benötigen Passagiere des öffentlichen Transports einen Fahrschein - ansonsten droht ein hohes Bußgeld. Vergangenes Jahr gingen den Kontrolleuren ein paar Tausend Schwarzfahrer ins Netz.
Wer keinen gültigen Fahrschein in Bus, Bahn und Tram vorzeigen kann, riskiert 150 Euro Strafe zu bezahlen. Bis zur Einführung des Gratistransports gilt die Fahrscheinpflicht – und es wird auch weiterhin kontrolliert.