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Brücke in Grevenmacher ist offen
In den letzten Tagen vor der Eröffnung liefen die Arbeiten auf der Brücke noch auf Hochtouren.

Brücke in Grevenmacher ist offen

Foto: Gerry Huberty
In den letzten Tagen vor der Eröffnung liefen die Arbeiten auf der Brücke noch auf Hochtouren.
Lokales 4 Min. 15.10.2013

Brücke in Grevenmacher ist offen

Viele Autofahrer können aufatmen: Am Dienstagnachmittag wurde die neue Moselbrücke, die Grevenmacher und Wellen (D) miteinander verbindet, für den Verkehr freigegeben. 

(nas) - Nach fünf Monaten Bauzeit und vielen spektakulären Phasen neigt sich ein besonderes Projekt dem Ende zu und gleichzeitig können damit auch viele Autofahrer aufatmen: Am späten Dienstagnachmittag konnte die neue Moselbrücke, die die beiden Ortschaften Grevenmacher und Wellen (D) miteinander verbindet, wieder für den Verkehr geöffnet werden. 

„Der Brückenschlag mit einem einzigen Bogen über die Mosel wird wesentliche Vorteile für die Schifffahrt bringen“, wird Nachhaltigkeitsminister Claude Wiseler in einer am Montagabend verschickten Pressemitteilung seines Ministeriums zitiert. „Der grenzüberschreitende Verkehr für PKW, LKW und Busse ist dann wieder in vollen Umfang gewährleistet und die breit angelegten Bürgersteige werden die regionale Straßenverbindung für Fußgänger und Radfahrer deutlich verbessern. Unser Dank gilt allen am Projekt Beteiligten, sowie den Anrainern und Verkehrsteilnehmern für ihr Verständnis während der Sperrung der Moselbrücke.“

Der Bau der neuen Moselbrücke hatte für viel Gesprächsstoff gesorgt. Durch die damit verbundene Brückensperre während viereinhalb Monaten hatten gerade die Bürger der Nachbargemeinden die Befürchtung, dass ihre Ortschaften durch weitaus mehr Verkehr betroffen seien, als dies bis dato der Fall war – was sich dann auch zum Teil bewahrheitete.

Nachdem man zeitweilig den Eindruck hatte, dass das Verkehrsaufkommen zwar höher, aber nicht extrem war, spitzte sich die Situation in den vergangenen Wochen zu. Wer durch Wasserbillig fahren wollte, musste an manchen Tagen 20 Minuten und mehr einplanen, Pendler aus Konz (D) benötigten für den Weg in die Hauptstadt 1,5 Stunden, während man von Wellen (D) aus eine Stunde bis nach Luxemburg-Stadt einrechnen musste.

Weniger Verkehr in der Moselmetropole

Durchaus positiver betrachteten die Einwohner aus Grevenmacher die Situation. Denn nachdem üblicherweise 15 000 Fahrzeuge pro Tag die Moselmetropole durchquert hatten, ist es deutlich ruhiger geworden auf den Straßen des Städtchens. Die Erfahrungen bei der Geschäftswelt in Grevenmacher und Temmels sind unterschiedlich. In einem Gastronomiebetrieb, der üblicherweise gerade in der Mittagspause zahlreiche Gäste aus Luxemburg hat, wurden gleich mehrere Personen entlassen. Auf Luxemburger Seite hingegen profitierten die Restaurants und Tankstellen von der Sperre.

Laut der Präsidentin des Grevenmacher Geschäftsverbandes, Tess Burton, hätten die Geschäftsleute genügend Zeit gehabt, um sich auf die Sperre vorzubereiten. Einige hätten die Gelegenheit genutzt, ihre Räumlichkeiten zu renovieren oder den Angestellten Urlaub anzubieten. Es sei von vornherein gewusst gewesen, dass weniger Kunden nach Grevenmacher kämen. Hauptsächlich die Geschäfte mit einem deutschen Kundenstamm hätten unter dieser Situation gelitten, so die Vorsitzende. Positiv sei aber, dass dieses Großprojekt innerhalb einer so kurzen Zeit umgesetzt werden konnte.

Nichtsdestotrotz wurde der Brückenbau von allen Betroffenen mit großer Spannung verfolgt. Allein als das mittlere Bogenfeld am 8. August mit einer Länge von 114 Metern aus dem Hafen in Mertert an seinen künftigen Standort in Grevenmacher transportiert wurde, verfolgten tausende Schaulustige auf beiden Seiten des Grenzflusses das Spektakel. Die Brücke verfügt über eine Länge von 213 Metern. Insgesamt wurden rund 1 900 Tonnen Stahl verarbeitet.

Sprengung war nicht möglich

Ab dem 21. Mai war die alte Moselbrücke für den Verkehr gesperrt worden. Eigentlich sollte diese am 8. Juni gesprengt werden. An diesem Tag sollten die beiden Brückenpfeiler, die sich in der Mosel befinden, gesprengt und zum Schutz der Anrainer sollten während der Sprengung insgesamt 142 Haushalte mit 398 Personen, die in einem Umkreis von 150 Metern um die Brücke wohnen, ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Doch die Natur machte den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund des zu hohen Wasserpegels konnte die Brücke nicht gesprengt werden, sondern musste normal abgetragen werden. Währenddessen und in den folgenden Wochen wurden tonnenschwere Brückenelemente demontiert und per Schiff in den Hafen nach Mertert gebracht, wo die Teile dann endgültig zerstört wurden.

Gleichzeitig nahm auch die neue Brücke im Hafen deutliche Formen an. Die einzelnen Brückenteile wurden dort nach und nach vom zuständigen Betrieb in den Ardennen auf das Hafengelände gebracht. Die Elemente wurden von einer spezialisierten Firma aus Italien zusammengeschweißt.

Nun wurde die Brücke  am späten Dienstagnachmittag wieder  für den Verkehr geöffnet. Bis zum Ende des laufenden Jahres sollen Straßenarbeiten, wie der Belag, die Beleuchtung und die Gehwege, fertiggestellt sein.


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