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Brennpunkt Escher Avenue de la Gare
Lokales 3 Min. 25.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Brennpunkt Escher Avenue de la Gare

Viele Einwohner der Rue Ferdinand Nothomb und der Avenue de la Gare in Esch beklagen sich über die Zustände, vor allem nachts, in ihren Straßen.

Brennpunkt Escher Avenue de la Gare

Viele Einwohner der Rue Ferdinand Nothomb und der Avenue de la Gare in Esch beklagen sich über die Zustände, vor allem nachts, in ihren Straßen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 25.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Brennpunkt Escher Avenue de la Gare

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Rund 50 Bürger haben auf die Missstände im Escher Bahnhofsviertel hingewiesen. Die Beschwerdeliste reichte von Glasscherben bis hin zu Drogen.

Spätestens seit der groß angelegten Drogenrazzia im vergangenen Oktober ist bekannt, dass in der Escher Avenue de la Gare, an der Ecke mit der Rue Ferdinand Nothomb, manch dubioses Geschäft getätigt wird. 

Einwohner aus beiden Straßen hatten dies schon länger beobachtet, wurde am Montagabend während einer Informationsversammlung deutlich. Gut 50 Personen saßen Bürgermeister Georges Mischo und mehreren Polizeivertretern gegenüber. 

Trunkenbolde und Glasscherben

Die Rede ging von besagten Drogengeschäften, die laut Einwohnern auch nach der Razzia, wenn auch weniger, wieder stattfinden. Aber auch über nächtliche Unruhen, Trunkenbolde die vor der Haustür schlafen, Flaschen und Glasscherben wurde sich beschwert. Manche berichteten gar von Exkrementen auf Bürgersteig und Fassade. 

Seit der Drogenrazzia im Oktober hat sich die Situation in der Avenue der la Gare verbessert. Ruhig ist es in der Straße dafür aber weiterhin nicht, so die Einwohner.
Seit der Drogenrazzia im Oktober hat sich die Situation in der Avenue der la Gare verbessert. Ruhig ist es in der Straße dafür aber weiterhin nicht, so die Einwohner.
Foto: Lex Kleren

Spritzen im Garten


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Eine Mitarbeiterin der an der Rue Nothomb gelegenen Kindertagesstätte berichtete von weggeworfenen Spritzen, die man im Garten der Tagesstätte regelmäßig fände. Bürgermeister Georges Mischo bot an,  einen dafür zweckbestimmten Mülleimer zur Verfügung zu stellen, wohl wissend, dass damit der Ursprung des Problems nicht gelöst sei. 

Zwei Personen sprachen sogar von Prostitution. Dies sei der Polizei bisher nicht bekannt gewesen, hieß es. 

 „Mir raumen do permanent“  

 Von den Einwohnern wurden mehr Polizeipräsenz und zum Teil auch Kameras verlangt. Zu Letzterem erklärte Georges Mischo, dass es diesbezüglich noch rechtliche Probleme gebe. Zu erwarten sei außerdem höchstens ein Verdrängungseffekt in andere Straßen, hieß es von den Polizeivertretern. Zu der Polizeipräsenz erklärte der Regionaldirektor für die Region Südwesten, Daniel Reiffers: „Mir raumen do permanent“. 

Von den insgesamt 500 Kontrollen, die seit Anfang des Jahres auf Escher Gebiet getätigt wurden, entfallen ein Viertel auf das Bahnhofsviertel. Im Visier der Einwohner waren vor allem zwei Cafés, das Café Chez Nadia und das Café Brazil 2, beziehungsweise deren Kundschaft. 

Dazu erklärte Georges Mischo, dass er letzterem Café eine Terrasse verweigert habe. Laut seinen Informationen, sei ein neues Konzept für dieses Lokal im Gespräch. 

Nicht nur Café-Gäste 


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Wie er weiter erklärte, handle es sich bei den Personen, die sich in der Avenue de la Gare aufhalten, auch nicht immer um Kundschaft dieser Cafés. Manch einer besorge sich sein Getränk in einem Supermarkt und halte sich dann damit vor der Gaststätte auf. Dasselbe Phänomen sei auch in der Rue de la Libération zu beobachten. 

Auf die immer wiederkehrenden Aufforderungen der Einwohner, doch etwas zu unternehmen, antworteten die Polizeivertreter, die Bürger sollten nicht zögern, Anzeige zu erstellen. Seit Jahresbeginn stünden in der Straße sieben nächtliche Ruhestörungen und 19 Einsätze wegen Streitd oder Schlägereien zu Buche, so die Zahlen der Polizei. 

Ein Interessenverein?

Glaubt man den Einwohnern, gab es mehr Zwischenfälle. Aber dem Anschein nach, wurden sie nicht immer gemeldet. „Wir können nur eingreifen, wenn wir gerufen werden. Dann kommen wir auch“, versicherte Daniel Reiffers. Er bot den Einwohnern an, zusammenzuarbeiten und schlug ihnen vor, sich als Interessenverein aufzustellen. Dann könne eine Vertretung auf dem Polizeikommissariat empfangen werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.

Daraufhin schlug Cheryl Hentges von der sozialen Vereinigung Inter-Actions vor, ein Lokal für den Interessenverein zur Verfügung zu stellen. Die Vereinigung ist in der Rue Nothomb tätig. 


Tagsüber ist die Lage in der Avenue de la Gare übersichtlich. Doch es sei vor allem zu später Stunde, dass es Probleme in der Straße gebe, klagen die Einwohner.
Tagsüber ist die Lage in der Avenue de la Gare übersichtlich. Doch es sei vor allem zu später Stunde, dass es Probleme in der Straße gebe, klagen die Einwohner.
Foto: Lex Kleren

Tom Didlinger folgt auf Daniel Reiffers

 Zuvor war zu erfahren gewesen, dass dies womöglich die letzte Informationsversammlung in Esch war, an der Daniel Reiffers als Regionaldirektor teilgenommen hat. Denn in den kommenden Wochen wird er durch Tom Didlinger ersetzt. 

Auch er forderte die Bürger auf, „so oft es geht“ Anzeige zu erstatten. Polizei und Einwohner müssten das Problem „gemeinsam angehen“. Um ein Café schließen zu können, brauche es Beweisstücke, erklärte er noch. 

Zuvor hatte er, wie berichtet, mit den Sorgen der Einwohner der betroffenen Straßen Bekanntschaft gemacht. Aber auch mit den Einwohnern selbst. So fragte eine Frau ihn, ob sie das Recht habe, einem Mann, der gegen ihre Fassade uriniert, von ihrem Fenster aus einen Eimer Wasser über den Kopf zu schütten. Als Tom Didlinger der Frau davon abriet, antwortete sie: „Aber ich bin die, die am Tag danach putzen muss“.   


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