Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Brandstiftungen: Tatverdächtiger ist vorbestraft

Brandstiftungen: Tatverdächtiger ist vorbestraft

Foto: Steve Remesch
Lokales 3 Min. 15.04.2019

Brandstiftungen: Tatverdächtiger ist vorbestraft

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Der inhaftierte Tatverdächtige bei den Bränden zum Jahreswechsel im Südosten der Hauptstadt ist bereits wegen 21-facher Brandstiftung vorbestraft.

Zweimal brannten an diesem Wochenende in Hesperingen Fahrzeuge. In beiden Fällen ist von Brandstiftung auszugehen. Interessanterweise ist eine kurzzeitig abgeflaute Serie von verdächtigen Bränden nun wieder aufgeflammt – nachdem bekannt wurde, dass sich ein Tatverdächtiger in Haft befindet. Letzteres hatte die Staatsanwaltschaft vergangene Woche nach Presseberichten offiziell bestätigt.


Mehrere Serienbrandstifter am Werk
Zehn Autos sind seit dem 30. Dezember im Großraum Hesperingen in Flammen aufgegangen. Es ist klar: Hier ist ein Feuerteufel unterwegs. Und es scheint nicht der einzige zu sein.

LW-Informationen zufolge handelt es sich bei dem Tatverdächtigen, der sich seit Ende März in Untersuchungshaft befindet, um einen jungen Mann, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Der ehemalige Berufsfeuerwehrmann und Freiwilliger beim Rettungsdienst war am 16. Juni 2016 von einer Strafkammer wegen Brandstiftung in 21 Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren, davon zwei auf Bewährung, verurteilt worden.

Im Prozess hatte der heute 28-Jährige angegeben, teilweise aus Langeweile und teilweise unter starkem Alkoholeinfluss gehandelt zu haben. Zudem hob er mehrfach hervor, stets darauf geachtet zu haben, keine Menschen zu gefährden.

„Kein Pyromane“

Ein psychiatrischer Gutachter hatte im Prozess festgehalten, dass es sich beim Beschuldigten nicht um einen krankhaften Pyromanen handele – auch wenn sein Verhalten einem solchen ähnele. Hintergrund seien Frustration und zum Teil daraus hervorgehende Rachegelüste gewesen. Ein zweiter Gutachter hatte hervorgehoben, dass es für den Beschuldigten eine unsichere Prognose zu möglichen Rückfällen gebe.


Auto Brand
Autobrände: Verdächtiger in Untersuchungshaft
Im Raum Hesperingen hatten sich in den vergangenen Monaten die Autobrände gehäuft. Nun befindet sich ein Verdächtiger in Untersuchungshaft.

Zwischen der ersten Serie von Brandstiftungen zwischen Juli 2014 und März 2015 und jener zwischen Oktober 2018 und Januar 2019, wegen der sich der 28-jährige Tatverdächtige nun in Haft befindet, gibt es aber auch bemerkenswerte Unterschiede.

Bei den Brandstiftungen, die 2016 vor Gericht verhandelt wurden, gab es eine deutliche Steigerung: Von Mülltonnen, Abfällen, einem Dixi-Klo bis hin zu Strohballen und der Jagdhütte von Andy Schleck. Zudem waren die Brandorte weit verstreut und die Tatzeiten sehr unterschiedlich. Die Taten, die dem tatverdächtigen Mann nun vorgeworfen werden, erfolgten mehrheitlich zwischen 1 und 4 Uhr nachts. Siebenmal hatte der Täter es auf Fahrzeuge abgesehen, vorrangig auf Firmenwagen und mindestens zweimal auf Autos von privaten Pflegediensten: einer Branche, in welcher der Beschuldigte auch bis zu seiner Festnahme tätig war.

Kurz nachdem sich die Festnahme des Verdächtigen in Hesperingen herumgesprochen hatte, kam es überraschend zu weiteren Brandstiftungen – nach gleichem Schema und Tatmuster. Wie es scheint, wurden immer Fahrzeuge auf öffentlichen Parkplätzen angezündet und stets, indem zunächst ein Reifen in Brand gesetzt wurde.

Alibi verpflichtet

In Itzig brannte so gegen 2.30 Uhr am 2. April ein Auto vor dem ehemaligen Feuerwehrbau in der Rue de Contern. Am vergangenen Freitag, am 12. April, setzte ein Täter in der Allée de la jeunesse sacrifiée in Hesperingen den Hinterreifen eines Lieferwagens in Brand. Das Feuer konnte sich allerdings nicht weiter ausbreiten. 

Es ist allerdings eine regelrechte Provokation: der Tatort liegt nur 450 Meter von der neuen Feuerwehrkaserne entfernt. In der Nacht zum Montag brannte dann ebenfalls um 2.30 Uhr ein Auto in der Cité um Schlass in Hesperingen.


Der Angeklagte hatte unter anderem die Jagdhütte von Fränk und Andy Schleck in Brand gesetzt.
Brandstiftung in 20 Fällen: Zündelnder Feuerwehrmann zu Haftstrafe verurteilt
Wegen Brandstiftung in 20 Fällen ist der ehemalige Feuerwehrmann Philippe Z. zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Davon wurden zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Da sich der Verdächtige seit Ende März in Untersuchungshaft befindet, kommt er für die drei jüngsten Brände nicht infrage. Klar ist aber auch, dass dem Untersuchungsrichter deutliche Hinweise zu einer Täterschaft des Verdächtigen bei der Brandserie zum Jahreswechsel vorgelegen haben müssen, um eine Inhaftierung anzuordnen. 

Das lässt für die gesamte Serie von Brandstiftungen vier Tathypothesen zu: 

  • Der Beschuldigte könnte auf ganzer Linie unschuldig sein. 
  • Es könnte aber auch sein, dass ein möglicher Mittäter mit den neuen Bränden versucht, die Unschuld des Verdächtigen zu untermauern. 
  • Drittens ist es ebenso möglich, dass zwei Täter unabhängig voneinander vorgehen. 
  • Darüber hinaus könnte es auch einen Trittbrettfahrer geben, der einen ersten Täter imitiert. 

Kein Zweifel besteht indes darin, dass die Ermittlungen sich in beiden Serien in einer sehr heißen Phase befinden und diese womöglich schnelle Ergebnisse bringen können. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Mehrere Serienbrandstifter am Werk
Zehn Autos sind seit dem 30. Dezember im Großraum Hesperingen in Flammen aufgegangen. Es ist klar: Hier ist ein Feuerteufel unterwegs. Und es scheint nicht der einzige zu sein.
Autobrände in Howald
In der Nacht zum Samstag brannten mehrere Autos in Howald. Zwei davon wurden vollständig zerstört.
Lokales, Brand, Autos, Parking Autos verbrannt, auf dem Parking bei rue Joseph Pfeffer Howald photo Anouk Antony
Mehr als ein Dummejungenstreich
Dass er sich mit seiner Tat unter Umständen eine mehrjährige Haftstrafe einhandeln könnte, war einem unbekannten Täter in Hesperingen wohl nicht bewußt. Die Polizei fahndet.