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Brandserie im Raum Schengen: „Wir haben uns hier so wohl gefühlt“
Lokales 7 2 Min. 08.08.2017

Brandserie im Raum Schengen: „Wir haben uns hier so wohl gefühlt“

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Durch den Brand am Sonntag haben die Jugendlichen von Remerschen ihr Vereinshaus und wertvolle Geräte verloren. Ob das Gebäude wieder aufgebaut wird, ist ungewiss.

Über den verkohlten Resten des Jugendhauses auf dem Kräizbierg, hoch oben über Remerschen, schwebt immer noch der Geruch von Rauch und Asche. Ein Dutzend Jugendliche sind gekommen, um die Ruine des Hauses zu besichtigen, das bis zum Sonntag ihr Treffpunkt war und wo sie viele fröhliche Stunden miteinander verbracht haben.

Am Sonntag ist das Jugendhaus auf dem Kräizbierg unterhalb des Windrads, früher ein Zentrum für Energieberatung, ein Opfer der Flammen geworden. Nur das Untergeschoss steht noch, im Erdgeschoss ragen nur noch verkohlte Holzlatten in die Höhe. Das Dach ist komplett eingestürzt.

Ein Schock für den „Club des Jeunes“ von Remerschen, denn das Feuer kam mit Vorwarnung: Bereits am Freitagabend hatten Jugendliche Flammen an der Holzwand neben der Eingangstür bemerkt. „Wir waren etwa zehn Leute und haben Fußball geschaut. Zum Glück haben wir das Geräusch der Flammen gehört und konnten mit einem Feuerlöscher Schlimmeres verhindern“, erzählt Ranjit, der am Freitag selbst dabei war.

Am Sonntag dann brannte es wieder, diesmal wurde das Jugendhaus komplett zerstört. Der Schengener Bürgermeister Ben Homan glaubt nicht an einen Zufall: „Zuerst brannten die Strohballen hier in der Gegend, jetzt zwei Mal das Jugendhaus. Für mich sieht das ganz klar nach Brandstiftung aus.“ Homan ist froh, dass am Sonntag keine Feuerwehrleute verletzt wurden.

Feuerwehr mit Atemschutzgeräten

Die Löscharbeiten gestalteten sich nämlich ziemlich schwierig, berichtet Tom Konsbrück, Leiter des Rettungszentrums Schengen. „Unsere Leute sind mit Atemschutz hineingegangen. Als Teile des Daches herabfielen, mussten sie sich zurückziehen, weil es zu gefährlich wurde. Zum Glück wussten wir, dass sich keine Jugendlichen im Gebäude aufhielten.“

Da das Jugendhaus einen halben Kilometer vom Ortszentrum steht und von dort aus nicht zu sehen ist, dauerte es eine Zeit lang, bis Touristen den Rauch aufsteigen sahen und die Feuerwehr verständigten. Unter den jungen Leuten aus Remerschen herrscht nun Enttäuschung darüber, dass ihr geräumiger Treffpunkt mit dem malerischen Ausblick ins Moseltal zerstört ist. „Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt“, sagt Julie Kohll, Präsidentin des „Club des Jeunes“. „Wir konnten hier ungestört feiern, die Musik aufdrehen und haben niemanden gestört.“ Für die Jugendlichen ist nicht nur ihr Zentrum für viele Monate verloren, ihnen ist auch hoher Sachschaden entstanden. Der „Club des Jeunes“ hatte zum Beispiel in dem Gebäude Material für den Karnevalsball „Musel am Dusel“ in Schwebsingen gelagert. „Dekoration, Kühlschränke, Elektrokabel, die Musikanlage – alles ist jetzt zerstört“, bedauert Julie Kohll. Wie der Club den Schaden finanziell tragen soll, steht noch in den Sternen.

Ungewisse Zukunft

Auch die Zukunft des Gebäudes aus dem Jahr 1999 ist noch unklar. Das Haus gehört der Energieagence, die dort früher Schulungen für Bauherren und Schulklassen abhielt. Als die eingebaute Technik zunehmend veraltete, wurde es für Seminare uninteressant und die Gemeinde mietete das Gebäude Anfang 2016 für den „Club des Jeunes“ an. Wie es jetzt weitergeht, ist noch nicht entschieden. „Zwei Alternativen liegen auf dem Tisch: entweder abreißen oder neu bauen“, sagt Pascal Worré, Direktor der Energieagence. Eine Entscheidung werde erst in ein bis zwei Monaten fallen. Im Falle eines Neubaus würden Baupläne und eine neue Genehmigung einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Gemeinde Schengen will jetzt für die Jugendlichen eine provisorische Unterkunft suchen. Als endgültige Lösung würde Bürgermeister Homan einen Neubau begrüßen: „Unsere Idee ist es, das Haus neu aufzubauen“, sagte er den Jugendlichen.


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