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Bommeleeër-Zeuge Berscheid: „Hei leeft eppes gewalteg schif“
Lokales 3 Min. 28.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Zeuge Berscheid: „Hei leeft eppes gewalteg schif“

Jean-Claude Berscheid nahm im Zeugenstand kein Blatt vor den Mund.

Bommeleeër-Zeuge Berscheid: „Hei leeft eppes gewalteg schif“

Jean-Claude Berscheid nahm im Zeugenstand kein Blatt vor den Mund.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 28.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Zeuge Berscheid: „Hei leeft eppes gewalteg schif“

Mit Jean-Claude Berscheid stand am Dienstag ein Ex-Gendarm im Zeugenstand, der Mitglied im Sondereinsatzkommando BMG war, zur GOR-Observierungsgruppe gehörte und schließlich bis 2008 zur Bommeleeër-Ermittlergruppe.

(str) - Mit Jean-Claude Berscheid stand am Dienstag ein Ex-Gendarm im Zeugenstand, der Mitglied im Sondereinsatzkommando BMG war, zur GOR-Observierungsgruppe gehörte und schließlich bis 2008 zur Bommeleeër-Ermittlergruppe.

Mit dem Zeugen vom Vortag, Armand Stieber, verbinden ihn auf den ersten Blick drei Dinge: Beide haben ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen, beide zeichnen ein von Inkompetenz geprägtes Bild der Gendarmerie-Offiziere und beide nehmen kein Blatt vor den Mund. „D'Uerderen si bei mir emmer duerch de Filter vum Gesetzestext gangen", so Berscheid. „Mäin Job war net, zu allem Jo an Amen ze soen.“

Mit Offizieren aber ohne U-Richter

Die Bommeleeër-Attentatsserie sei die einzige Ermittlung gewesen, bei der man einfach nicht auf einen grünen Zweig gekommen sei. Der Bommeleeër-Fall sei zudem der einzige Fall, den er zwischen 1973 und 2008 erlebt habe, bei dem Offiziere sich an einer Ermittlung beteiligten - und in der man den Untersuchungrichter nie zu Gesicht bekommen habe. Erst viel zu spät sei er zur Erkenntnis gelangt: „Hei leeft eppes gewalteg schif“.

Entgegen dem, was Offiziere vor Gericht erklärt hätten, sei der GOR keine bunt zusammengewürfelte Chaostruppe gewesen. Ständig habe man Vorschläge unterbreitet, neue Ermittlungsansätze ausgearbeitet und Initiativen ergriffen. Das alles sei aber fast ausnahmslos von der Hierarchie niedergeschmettert worden. Man habe einfach nie wieder etwas davon gehört. „Dat war einfach esou“, meinte Berscheid.

In einer GOR-Besprechung habe der Ermittler Raymond Wagner einmal gesagt, wenn er der Bommeleeër wäre, dann würde er einen Anschlag auf den Justizpalast verüben. Daraufhin wurden sich Gedanken gemacht, wie der Anschlag verhindert werden könnte. Herausgekommen sei aber nichts.

„Gitt Dir raus a sicht e Verdächtigen.“

Am Abend des Anschlags im Justizpalast habe er Zovilé dabei beobachtet, wie er Journalisten durch den Tatort führte. Er habe den Offizier zur Rede gestellt, ihn auf die möglichen Spuren hingewiesen, doch der habe nur gemeint: „Gitt Dir raus a sicht e Verdächtigen.“

Der Justizpalast sei aber nur eines von acht möglichen Terrorzielen, die der GOR ins Auge gefasst habe und die man unter Beobachtung stellen wollte. Bei drei von den acht Gebäuden gingen schließlich Bomben hoch: Am Justizpalast, am Findel und beim Gipfeltreffen auf dem Kirchberg.

Interessant ist aber auch eine Aussage, die Jos Steil im Jahr 1998 Berscheid gegenüber gemacht haben soll: „Siew frou dats du net alles wees“. Dass Steil tatsächlich mehr wusste, habe er allerdings nicht geglaubt.

Fragen wirft aber auch eine Überlegung Berscheids zum Tatmotiv auf: Zur Zeit der Attentate seien viele Gerüchte über die Schaffung eines Posten des Gendarmerie-Generals zirkuliert. Es habe geheißen, sogar die Uniform sei bis auf Kepi fertig. Ein General hätte mehr als 800 Männer unter sich gehabt - mehr als die Armee. Wer sich Gedanken über ein Motiv mache, müsse dies in die Überlegungen einbeziehen, unterstrich Berscheid.

Verhandlung am Mittwoch ab 14 Uhr

  • Da am Dienstag auschließlich Jean-Claude Berscheid zu Wort kam, sind alle anderen  Zeugen, die bestellt worden waren, nun für Mittwoch vorgeladen.  Somit wird es voraussichtlich dann am Mittwoch zu einer Konfrontation der Aussagen von Charles Bourg, Armand Schockweiler und Aloyse Harpes kommen. Die Sitzung wird bereits um 14 Uhr beginnen, da Prosper Klein, der ebenfalls einer Kriminalkammer vorsitzt, ab 15 Uhr selbst eine Verhandlung zu leiten hat. Zudem ist auch Srel-Chef Patrick Heck vorgeladen.
  • Für Donnerstag ist eine Konfrontation der Aussagen von Armand Kaudé, Georges Zenners und Pierre Reuland geplant.

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