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Bommeleeër: Wer lügt? Wer irrt?
Lokales 5 Min. 14.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Wer lügt? Wer irrt?

Charles Bourg hat keine guten Karten vor Gericht: Seine Geschichte sei zusammengebastelt, so der Vorwurd der Richterin. Am Dienstag wird Bourg mit Armand Schockweiler und Aloyse Harpes konfrontiert.

Bommeleeër: Wer lügt? Wer irrt?

Charles Bourg hat keine guten Karten vor Gericht: Seine Geschichte sei zusammengebastelt, so der Vorwurd der Richterin. Am Dienstag wird Bourg mit Armand Schockweiler und Aloyse Harpes konfrontiert.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 5 Min. 14.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Wer lügt? Wer irrt?

Nach 103 Sitzungen stehen in der kommenden Woche wohl die interessantesten Sitzungen bevor. Die Kriminalkammer hat sich die Gendarmerie-Offiziere zur Brust genommen. Und ihre Taktik, sich auf das ominöse Attentat auf den Justizpalast zu konzentrieren, sollte aufgehen.

(ham) - Nach 103 Sitzungen stehen in der kommenden Woche wohl die interessantesten Sitzungen bevor. Die Kriminalkammer hat zuletzt sich die Gendarmerie-Offiziere zur Brust genommen. Und ihre Taktik, sich vorerst auf das ominöse Attentat auf den Justizpalast zu konzentrieren, sollte aufgehen: Von sechs vernommenen Offizieren stehen deren vier auf wackeligen Beinen.

Hier der erste Teil unserer Analyse, mit den Aussagen von Charles Bourg und Pierre Reuland.

Pierre Reuland, Aloyse Harpes, Armand Schockweiler und Charles Bourg müssen ab Dienstag wieder in den Zeugenstand. Während Pierre Reuland am Mittwoch mit den Ermittlern Alain Thill und Georges Zenners sowie dem Srel-Agent Armand Kaudé konfrontiert wird, sollen die Herren Bourg, Harpes und Schockweiler bereits am Dienstag antreten. 

Unterschiedliche Aussagen vor Gericht

Dabei will sich doch niemand so recht um die Ermittlungen gekümmert haben. „Ich war nicht mit den Ermittlungen betraut“, „Ich wollte mich nicht einmischen“ oder „Ich erhielt keine Informationen“, das waren die Standard-Antworten der Befragten. Und die „Spur Ben Geiben“? Auch in diesem Punkt sollte es zu unterschiedlichen Aussagen kommen, die das Gericht nicht auf einen grünen Zweig brachte. Insbesondere in puncto Beschattung: Während der damalige GOR-Chef und späterer Polizei-Generalsekretär Guy Stebens zumindest noch zugab, die Observierung Geibens vorbereitet zu haben, war nur noch Bourg in der Lage, zuzugeben, zumindest im Voraus davon gewusst zu haben.

Reuland, Schockweiler und Harpes wussten nicht Bescheid. Während der ehemalige Polizeidirektor Pierre Reuland sich noch vornehm mit Schuldzuweisungen zurückhielt, schoben sich Schockweiler und Harpes in den letzten Wochen gegenseitig den schwarzen Peter - und die Verantwortung zu. Eine Erklärung dafür, dass die Spur Geiben nach dem Attentat auf den Justizpalast fallen gelassen wurde, hatte aber niemand.

Charles Bourg, der zweite Mann

Colonel Charles Bourg war während der Attentate Operationsleiter und beigeordneter Gendarmerie-Kommandant. Nach der Fusion wurde Bourg Generaldirektor der Polizei. Als hoher Offizier hatte der Rentner eigenen Aussagen zufolge aber recht wenig Interesse an der Affäre. Dabei konnte er anders: Zeitzeugen beschreiben ihn als verbissen und pflichtbewusst. Sogar in seiner Freizeit stellte er Temposündern nach und er war die treibende Kraft hinter den Ermittlungen zur Jahrhundertaffäre und zur Waldbilliger Affäre. Was aber den Bommeleeër angeht, so betonte Bourg vor Gericht mehrmals, dass es für ihn wichtigere Aufgaben gegeben habe.

Was Geiben als Verdächtigen angeht, so habe er dies irgendwann mitbekommen. Wann und von wem wisse er nicht mehr. Von der Beschattung hatte er gewusst, da einige Ermittler (inklusive Steil) ihn im Vorfeld aufgesucht hatten, um die Hilfe des Srel anzufragen. Dem gegenüber steht die Aussage von Ex-Srel-Chef Charles Hoffmann: Dieser sei nicht von Bourg, sondern von seinem Mitarbeiter Kaudé selbst darauf angesprochen worden. „Auf dem kleinen Dienstweg“ und nicht von Offizier zu Offizier.

Bereits am Freitag, einen Tag vor der eigentlichen Beschattung, habe Steil ihm mitgeteilt, dass Geiben nicht kommt, so Bourg. Warum er die Beschattung einen Tag später nicht abgelasen habe, wollte die Richterin wissen. „Ich war der Meinung, dass die Aktion nicht stattfindet“, so der „Colonel“. Es schien ihn auch nicht gestört zu haben, dass der Rifo ihm in der Nacht nach dem Attentat per Telefon mitteilte, dass Geiben nun aber aufgetaucht sei und sich im Holiday Inn befinde. Er habe erwidert, man solle den GOR verständigen und habe weitergeschlafen. Von einer „Spur Geiben“ hingegen habe er nichts gewusst. Deshalb hat er auch nie wieder nachgehakt. Warum gerade er (und nicht der diensthabende Offizier Marc Zovilé oder die Offiziere der Spezialeinheiten, Pierre Reuland und Guy Stebens) angerufen wurden, wusste Bourg nicht zu beantworten.

Und dann wäre da noch die Geschichte um Jos Steil. Dieser soll seinem späteren Freund Charles Bourg 2003 mitgeteilt haben, dass er wisse, wer der Bommeleeër sei. Und Bourg versuchte dem Gericht klarzumachen, dass er nicht nachgefragt habe. Später sagte er dann: „Ich habe wohl nachgefragt, doch ich erhielt keine Antwort“. Und damit hatte es sich für Bourg. Doch nicht für das Gericht: Der Colonel hatte selbst zugegeben, dass er von den Gerüchten um Steil wusste und ihn dennoch bei sich auf dem Gendarmerie-Kommando als rechte Hand willkommen hieß. Warum sollte er denn auch nachfragen, es waren doch nur Gerüchte und außerdem wollte er nicht in der Sache herumwühlen, so Bourg.

Ganz interessant: Laut Aloyse Harpes war eben dieser Charles Bourg auch zusammen mit den Armee-Offizieren Armand Bruck und Willy Bourg (Bruder) für den Lauschangriff auf dessen Person im Jahr 1985 verantwortlich. Widersprüchlich sind auch die Aussagen von Bourg und Aloyse Harpes, was Steils Versetzung in Bourgs Abteilung angeht. Bourg behauptet, Adjutant Steil sei ihm zugeordnet worden. Er sei noch unzufrieden gewesen, weil er sich Stebens erhofft hatte. „De Bourg wor oft onzefridden“, hatte Ex-Kommandant Aloyse Harpes aber am Donnerstag gemeint. Steil sei auf Bourgs Betreiben hin in dessen Abteilung versetzt worden: „Heen wollt de Steil“, so der „Chef“.

Pierre Reuland

Neben den zwei Angeklagten ist Pierre Reuland eine jener Personen, die bislang am schwersten an den Folgen der Affäre zu tragen haben, wurde er doch 2008 im Zuge seiner Aussagen bei der Untersuchungsrichterin von seinem Posten als Generaldirektor abgesetzt. Und er ist der Zeuge, der bislang am meisten vor Gericht erscheinen musste. Angesichts dieser Routine gab sich Reuland in seinen Aussagen zur Justizpalast-Episode auch souverän. Er deutete nicht mit dem Finger auf andere Personen, sondern beschäftigte sich ganz allein nur mit der eigenen Angelegenheit. Nur dass diese nicht mit den Aussagen von fünf anderen Zeugen übereinander stimmt. Er selbst gab an, gar nicht in die Geiben-Beschattung involviert gewesen zu sein und auch nichts von den Ermittlungen gegen Geiben gewusst zu haben. Man habe ihn bewusst nicht mit eingebunden, da er gut mit Geiben befreundet war, so Reuland. Und in Kaudés Observations-Bericht sei er nicht erwähnt worden.

Doch da wäre eben dieser Srel-Mann Armand Kaudé, der Reuland beim Briefing vor der „Obs“ gesehen habe und später von Reuland angerufen worden sei, um die Beschattung wieder aufzunehmen. Da wären die Polizisten Georges Zenners und Alain Thill, die Reuland nach dem Abbruch der Beschattung angerufen hatten und von ihm den Befehl erhielten, die ganze Sache abzublasen. Und da wären die Geheimdienstmitarbeiter Even und Peschong, die von Reuland nachts in den Räumen der BMG bezüglich einer Wiederaufnahme der Observation gebrieft worden seien.

Am Montag folgt Teil 2 der Analyse der Aussagen von Aloyse Harpes und Armand Schockweiler.


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