Bommeleeër: „Wat ass dat hei peinlech“

Angeblicher Augenzeuge verstrickt sich in Widersprüche und wird als Lügner entlarvt

Johny Michels' Glaubwürdigkeit hielt am Dienstag nur wenigen Fragen stand.
Johny Michels' Glaubwürdigkeit hielt am Dienstag nur wenigen Fragen stand.
Foto: Gerry Huberty

(str) - Seinen bisherigen Tiefpunkt erreichte der Bommeleeër-Prozess am Dienstag mit der Zeugenanhörung von Johny Michels. Nach knapp 40 Minuten setzte die vorsitzende Richterin dem Auftritt von Michels ein Ende. Es war offensichtlich, dass Michels versuchte, der Kriminalkammer Lügengeschichten aufzutischen.

So hatte Johny Michels sich seinen großen Tag im Bommeleeër-Prozess sicher nicht vorgestellt: vom Gericht der Lüge überführt, von der Staatsanwaltschaft gedemütigt und von der Verteidigung ignoriert. Einen gut gefüllten roten Ordner hatte Michels zum Beginn seiner Anhörung vor sich gelegt, einen Stapel Papier, handschriftliche Notizen und gedruckte Seiten, die wichtigen Stellen bunt markiert. Er hatte sich offensichtlich ein Szenario mitsamt dramaturgischem Spannungsbogen zurechtgelegt. Doch dann ging alles sehr schnell.

Vor dessen Tod habe er einen sehr engen Kontakt zum Waffenmeister der Polizei Henri Flammang gepflegt, erklärte Michels. Der habe ihm anvertraut, seine Situation sei ganz prekär, er habe kein Vertrauen mehr in die Polizei, er vertraue sich Michels an, weil er wolle, dass das ganze Land die Wahrheit über die Bommeleeër erfahre. Dann übertrumpfte Michels alle seine bisherigen Aussagen, indem er erklärte: „De Flammang gouf vun de Leit vum belsche Stay Behind gezwongen, Selbstmord ze begoen“.

2005, 1989, 1986, 1985...

2005 hatte Michels sich freiwillig bei der Bommeleeër-Ermittlergruppe gemeldet – um nicht als Verdächtiger zu gelten. Angeblich hatte er der Waffenmeisterei der Gendarmerie nämlich 1985 Sprengstoff übergeben. Diesen hätten die Polizisten Flammang und Olinger verloren, als sie von Michels bei der Vorbereitung eines Attentats auf einen Strommast am Staffelter gestört wurden, so Michels.

2005 datierte Michels den Vorfall 1989, 2012 auf 1986 und in der Sitzung am Dienstag auf 1985. Als Erklärung meinte er, dann sei wohl etwas mit den Daten schief gelaufen. 2012 sagte Michels, Olinger und Flammang hätten den Sprengstoff auf der Flucht verloren. 2005 hatte er hingegen berichtet, er habe zunächst einen Draht entdeckt, der ihn zu einer vergrabenen Sprengladung – Dynamit – geführt habe. Schuld an den Widersprüchen seien die Ermittler. „Sot dir dann elo, datt d'Enquêteuren dat vun 2005 erfonnt hunn?“, hielt dem Sylvie Conter entgegen. „Genau dat soen ech dann“, bekräftigte Michels.

Seiner Meinung nach hätten Olinger und Flammang das Attentat nur vorbereitet, andere Täter sollten am Tag danach sprengen. „Firwat en Attentat mat Dynamit virbereeden, fir da mat Luxite ze sprengen?“, wandt Sylvie Conter ein.

Michels und Flammang seien gemeinsam drei Jahre bei der Armee gewesen, stellte der beigeordnete Staatsanwalt Oswald fest. „1989, 1986, 1985, dat kënne mer eis dann eraussichen, erkennt der en dann eréischt Joeren, nodeems der e gesinn hutt erëm“, meinte Oswald. Michels mauerte: „Ech hunn den Här Flammang an der Arméi net kannt“. – „Mäi Gott, wat ass dat hei peinlech“, entfuhr es Oswald.

„Keng Kugel an de Kapp“

Er habe die unter dem Hochspannungsmast gefundenen Zünder erst 2005 abgegeben, weil er vorher keinen Grund gehabt habe, meinte Michels weiter. Bei der Polizei habe er sich nicht früher gemeldet, „well ech keng Kugel an de Kapp kréie wollt“. Dann, auf einmal, sagte Michels, er habe sich sehr wohl zwei Tage nach dem Anschlag gemeldet, man habe ihn aber abgewiesen. „Sidd der sécher, datt der dat net elo just erfonnt hutt?“, entgegnete Sylvie Conter, inzwischen deutlich von Michels genervt.

Endgültig riss ihr der Geduldsfaden, als Michels erklärte, Olinger habe auf ihn geschossen, nachdem er RTL ein Interview gegeben habe. Das Interview wurde im Februar 2011 ausgestrahlt. Olinger verstarb allerdings bereits 2007. „Här Michels, Dir musst Iech heiansdo awer och selwer nolauschteren“, ermahnte ihn die Richterin. „Dann hunn ech mech alt mat den Datumer geiert“, seufzte Michels kleinlaut, das sei dann wohl doch 1995 gewesen, kurz nach Flammangs Tod.

„Den Dossier ass verfuebelt genuch“, ärgerte sich Sylvie Conter. „Mir brauche net nach Leit, déi eis nach méi verfuebele kommen.“ Dann gab sie der Michels-Show den Gnadenstoß: „Ech maachen dat do keng dräi Stonne mat“. Die Sitzung wurde aufgehoben, Michels als Zeuge entlassen.