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Bommeleeër: Von jungen Offizieren und hausinternen Bremsen
Lokales 3 Min. 04.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Von jungen Offizieren und hausinternen Bremsen

Armand Schockweiler wird auch am Donnerstag, und damit bereits zum vierten Mal in Folge, vor Gericht aussagen.

Bommeleeër: Von jungen Offizieren und hausinternen Bremsen

Armand Schockweiler wird auch am Donnerstag, und damit bereits zum vierten Mal in Folge, vor Gericht aussagen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 04.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Von jungen Offizieren und hausinternen Bremsen

Im Bommeleeër-Prozess stand am Mittwoch nochmals Ex-Sûreté-Chef Armand Schockweiler im Zeugenstand, der dort zwar vieles annahm, sich nicht an alles erinnern konnte, aber der Gendarmerie auch keinen „bösen Willen“ bei den Ermittlungen nachsagen lassen wollte.

(gs) -„Ich weigere mich zu glauben, dass das Bild, dass die Offiziere hier vor Gericht abgeben, der Wirklichkeit entspricht und dass damals die Gendarmerie von lauter Inkompetenten geleitet wurde. Ich sage Ihnen, dass nach allem, was wir hier gehört haben, dass da etwas nicht gesagt werden soll, etwas nicht herauskommen soll!“, so die vorsitzende Richterin Sylvie Conter zum Zeugen Armand Schockweiler, den sie denn auch konkret fragte: „Was wissen Sie, was Sie uns nicht sagen wollen?“ „Nichts, ich sage Ihnen alles, was ich weiß“, betonte der einstige Sûreté-Chef im Zeugenstand.

Aber das, was Schockweiler vor Gericht aussagt, ist nur sehr schwer nachvollziehbar. Einerseits betonte er, dass er (Wochen) nach dem Attentat auf den Justizpalast am 19. Oktober 1985 den Eindruck gehabt habe, er sei der Einzige, der noch an die Spur „Geiben“ glaubte. Anderseits gibt er aber zu, nach dem Anschlag und der Observierung Geibens in Luxemburg noch nicht einmal das Telefon in die Hand genommen zu haben, um die Beschattung Geibens in Belgien wieder in Kraft zu setzen – wegen der er Tage zuvor eigens nach Brüssel gereist war.

Die scheinbare Untätigkeit aller sowie der Umstand, dass nach dem Attentat am Justizpalast über die Geiben-Spur noch nicht einmal mehr geredet wurde, erklärte Schockweiler mit dem Überfall auf die BIL, durch den die Affäre um die Waldbilliger Bande nochmals an Brisanz gewonnen habe und die Bommeleeër-Serie kurzzeitig nicht mehr als vorrangig betrachtet worden sei.

Eine Nummer zu groß?

Andere Fragen zur teilweise unfassbar unlogischen Vorgehensweise der Gendarmerie versuchte Schockweiler damit zu erklären, dass die Bommeleeër-Affäre vielleicht eine Nummer zu gro und alle Offiziere noch jung gewesen seien sowie die Gendarmerie sich womöglich durch ihre eigene Organisation gebremst habe.

Unverständlich war aber auch ein von Schockweiler angeführtes Treffen des Staatsanwalts Jean-Mary Hary mit Premierminister Jacques Santer, zu dem ihn Schockweiler begleitet haben will. Schockweiler zufolge war man vom Premier bestellt worden, um diesen über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Was aber tatsächlich gesprochen wurde, ging – glaubt man Schockweilers Aussagen – nicht über das hinaus, was in der Presse zu finden war.

„Heute würden wir vieles anders machen“

Bei erneuten Fragen zur ungeheuerlichen Tatsache, dass dem Untersuchungsrichter vieles gar nicht mitgeteilt worden war, verwies Schockweiler wiederum auf die Verantwortung des mittlerweile verstorbenen Chefermittlers Jean Disewiscourt. „Im Nachhinein betrachtet war Disewiscourt nicht der richtige Mann für diese Ermittlung. Heute weiß ich das. Heute würden wir vieles anders machen“, so Schockweiler.

In diesem Zusammenhang sowie in allen anderen Fragenkomplexen betonte Schockweiler aber auch, dass von keiner Stelle der Befehl gekommen sei, dass auf diese Art und Weise zu verfahren sei und Informationen bewusst nicht an die Justiz weitergeleitet werden sollten. Wieso aber in allen Punkten, an denen Probleme oder mögliche Knackpunkte – z.B. bei Verdachtsmomenten zu Jos Steil als möglicher Maulwurf – aufgetaucht waren, nicht nachgehakt worden war, wusste er wiederum auch nicht zu erklären. Er wiederholte immer nur, dass „das hätte getan werden müssen“, „alles versucht“ worden sei und nicht aus „bösem Willen“ geschehen sei.

Auch Stay Behind wieder ein Thema

Am Mittwoch kam aber auch mal wieder das Thema Stay Behind zur Sprache. Me Gaston Vogel machte nämlich auf einen Beitrag der TV-Sendung „Frontal21“ aufmerksam, der die „Schattenkrieger des BND“ thematisierte. Zudem legte die Verteidigung einen Leitartikel des Präsidenten der „Association grand-ducale des anciens militaires luxembourgeois“, Rol Girres, vor. In diesem kritisiert Girres u.a. den Generalverdacht gegen alle Institutionen, auch die Armee, im Rahmen der Bommeleeër-Affäre, schreibt aber auch von Übungen mit „Special forces“ sowie Kenntnissen zum Sprengen von Pylonen.

Verlängerung bis April 2014

Rol Girres soll nun vor Gericht angehört werden, der TV-Beitrag vorgespielt werden. Dies allerdings erst, wenn sich das Gericht der Stay-Behind-Spur widmet. Wann das ist, ist unklar. Am Mittwoch wurde der Prozess erst einmal bis zum bis zum 3. April 2014 verlängert. Am Donnerstag er mit einer weiteren Anhörung von Armand Schockweiler fortgesetzt.


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