Bommeleeër: Von Facebook in den Gerichtssaal

Angebliche Facebook-Aussage eines ehemaligen Kindermädchens führt zu Konfrontation

Nadine Rausch war 1985 und 1986 in den Schulferien als Kindermädchen bei der großherzoglichen Familie angestellt.
Nadine Rausch war 1985 und 1986 in den Schulferien als Kindermädchen bei der großherzoglichen Familie angestellt.
Foto: Serge Waldbillig

Ein Gespräch auf Facebook stand im Mittelpunkt des 140. Verhandlungstags im Bommeleeër-Prozess. Ein ehemaliges Kindermädchen der großherzoglichen Familie soll dabei zum Ausdruck gebracht haben, sie habe interessantes Wissen in Zusammenhang mit dem Bommeleeër-Prozess. Doch das bestritt die Zeugin vehement.

Worum geht es? Ein Mann hat sich offenbar bei der Verteidigung gemeldet und erklärt, er habe von einem ehemaligen Kindermädchen bei einem Gespräch auf Facebook interessantes im Zusammenhang mit dem Bommeleeër-Prozess erfahren.

Etwa ein bis zwei Monate nach Prozessbeginn, habe Nadine Rausch ihm erzählt, sie habe im Urlaubsdomizil der großherzoglichen Familie in Cabasson einen Streit zwischen Großherzog Jean und Prinz Jean belauscht. Dabei, so Laurent Hurt, habe sie gehört, wie der Vater zum Sohn gesagt habe, „wanns du eppes domat ze dinn hues, da rabbelt et“. Es sei um die Bommeleeër-Affäre gegangen und dabei sei auch die Rede vom Sohn von Ehrenstaatsminister Pierre Werner gewesen. Prinz Jean habe infolge des Streits seine Thronfolgerrechte abtreten müssen.

„Dat stëmmt awer net!“

Nadine Rausch bestätigte im Zeugenstand in den Jahren 1985 und 1986 in den Schulferien als Kindermädchen für die großherzogliche Familie gearbeitet zu haben. Sie bestätigte ebenfalls Laurent Hurt über Facebook kennengelernt zu haben. Sie bestritt allerdings vehement, Laurent Hurt von einem Streit zwischen Großherzog Jean und Prinz Jean im Zusammenhang mit der Bommeleeër-Affäre erzählt zu haben.

„Dat stëmmt awer net“, betonte sie unter Eid. „Ech hu Kanner versuergt. Ech war selwer nach ee Kand. Ech hunn do net irgendee Gespréich belauschtert.“ Sie erinnere sich nicht einmal, ob Prinz Jean überhaupt in Cabasson gewesen sei. Marie-Astrid sei mit ihrer Familie dabei gewesen und Henri und Maria-Teresa mit den Kindern. „Mir ware awer ni bei hinnen um Dësch.“

Gegenüberstellung vorprogrammiert

„Ech hu wuel mol Sträit matkrit, sou wéi et en all anerer Famill och gëtt“, sagte Nadine Rausch. „Mä dat hat näischt mat de Bommeleeër ze dinn.“ Sie habe Hurt auch davon auf Facebook erzählt, aber eben nicht, dass es bei der Auseinandersetzung einen Bezug zur Attentatsserie gegeben habe. Hurt hingegen habe ihr etwas von zwei verdächtigen Autos erzählt, die im Zusammenhang mit dem Bommleeër-Dossier stünden.

Für Verteidiger Me Gaston Vogel war die Sache damit klar: „Da loossen ech e kommen. Sou geet dat net“. Demnach wird es zu einer Gegenüberstellung zwischen Rausch und Hurt kommen. Bleiben beide bei ihren Aussagen, werden diese aktiert und es wird aller Wahrscheinlichkeit eine Anzeige wegen eidlicher Falschaussage gegen beide geben, aufgrund derer dann weiterführende Ermittlungen anstehen.

Präsidentensohn als Zeuge

Am Mittwoch wird der Prozess mit der Anhörung von Louis Giscard d'Estaing fortgesetzt. Der Sohn des ehemaligen französischen Präsidenten hatte Prinz Jean bescheinigt, dass dieser sich am Wochenende des Anschlags am Findel, auf einer von ihm organisierten Jagd im französischen Département Loir-et-Cher, rund 500 Kilometer vom Tatort entfernt, befand.

Zudem sind auch die ehemaligen Flughafenmitarbeiter Willi Bauer und Gérard Stoffels, sowie zwei weitere Zeugen, Serge Schimoff und Edouard Hrebicek, vorgeladen.