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Bommeleeër: Verteidigung will Großherzog Jean vor Gericht befragen
Lokales 3 Min. 24.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Verteidigung will Großherzog Jean vor Gericht befragen

Me Gaston Vogel setzt alle Hebel in Bewegung, um die Verteidigung seines Mandanten Marc Scheer (hinten links) und Jos Wilmes zu gewährleisten.

Bommeleeër: Verteidigung will Großherzog Jean vor Gericht befragen

Me Gaston Vogel setzt alle Hebel in Bewegung, um die Verteidigung seines Mandanten Marc Scheer (hinten links) und Jos Wilmes zu gewährleisten.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 3 Min. 24.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Verteidigung will Großherzog Jean vor Gericht befragen

Me Gaston Vogel will Großherzog Jean im  Bommeleeër-Prozess befragen. Dies zu dem Umständen, die zu Prinz Jeans Verzicht auf die Thronfolge geführt hatten.

(gs) -Rechtsanwalt Gaston Vogel will Großherzog Jean im Zeugenstand des Bommeleeër-Prozesses befragen. Diese Anfrage brachte der Verteidiger am Montagnachmittag mündlich vor Gericht vor.

Me Vogel möchte nämlich mehr über die Umstände wissen, als Prinz Jean, Sohn von Großherzog Jean und Bruder des aktuellen Großherzogs Henri, Mitte der 1980er-Jahre auf seine Rechte in der Thronfolge verzichtet hatte. Me Vogel verwies am Montag vor Gericht auf den Bericht der Ermittler, die kürzlich den früheren Generalstaatsanwaltschaft Camille Wampach in der Fondation Pescatore befragt hatten.

Dem Bericht zufolge soll Wampach abgestritten haben, dass es ein Gespräch mit dem Diplomaten Henri Etienne gegeben habe, in dem er Etienne gesagt habe, "der Prinz" sei der Bommeleeër. Etienne hatte dies bekanntlich so dargestellt.

„Aberkannt“ oder „verzichtet“

Wampach soll aber gegenüber den Ermittlern auch davon gesprochen haben, dass die Gerüchte um Prinz Jean als möglicher Bommeleeër aufgekommen seien, als diesem die Thronfolge „aberkannt“ worden sei. Me Vogel stört sich an dieser Formulierung, da Prinz Jean, wie bis dato immer verlautet, freiwillig auf seine Rechte „verzichtet“ haben soll. Sollte dies nicht der Fall sein, sondern sie ihm sein Vater aberkannt haben, werfe dies ein ganz andere Licht auf die ganze Angelegenheit, so die Argumentation von Me Vogel.

Das Gericht zeigte sich nun nicht direkt abgeneigt, Großherzog Jean vorzuladen, meinte aber, dass man in diesem Zusammenhang doch zuerst Prinz Jean selbst fragen könnte. Dieser soll, wie auch seine Frau und sein Bruder Prinz Guillaume, bekanntlich schon an diesem Donnerstag vor Gericht aussagen. Interessant wäre es in diesem Kontext auch Wampach persönlich zu hören.

Außerordentliche Sitzung mit Camille Wampach

Wampach selbst ist aber laut Ermittler Carlo Klein bei seinem fortgeschrittenen Alter, obwohl vollkommen klar im Kopf, körperlich zu schwach, um selbst vor Gericht auszusagen. Richterin Sylvie Conter stellte daher die Möglichkeit in Aussicht, dass die Prozessparteien bereits am Mittwochmorgen im Rahmen einer außergewöhnlichen Sitzung Wampach an seinem Wohnort aufsuchen. Diese Sitzung findet dann aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Protokoll soll dann am Mittwochnachmittag in der öffentlichen Sitzung vorgelesen werden.

Armand Schockweiler weiter im Zwielicht

Darüber hinaus bestätigte der ehemalige Spurenermittler Armand Dousement am Montag vor Gericht jene Angaben, die er der Staatsanwaltschaft bereits vergangene Woche in einem Schreiben mitgeteilt hatte: Nämlich, dass sein Kollege André Glodt ihm einmal erzählt habe, dass Ex-Sûreté-Chef Armand Schockweiler zu einem gewissen Zeitpunkt Bommeleeër-Beweismittel aus der Asservatenkammer der Gendarmerie an sich genommen und diese nie wieder zurückgegeben habe.

Wann genau Glodt ihm dies erzählt hatte, dies wusste Dousement nicht zu benennen. Glodt hatte den Vorfall Mitte der 1990er-Jahre eingeordnet, zu einem Zeitpunkt, als Schockweiler gar nicht mehr in der Gendarmerie, sondern bereits in der Polizei tätig war. Schockweiler selbst hatte das Ganze vor Gericht vehement abgestritten.

Am Montag wurden die Aussagen Glodts und Schockweilers nochmals in öffentlicher Sitzung vorgelesen. Dies wird am Dienstag fortgesetzt. Die Verbatims sollen in der Folge von beiden unterzeichnet werden. Dousement setzte seine Unterschrift bereits am Montag unter das Protokoll.

Jos Steil und die BMG in der Asservatenkammer

Des Weiteren bestätigt Dousement am Montag, dass Jos Steil sich einmal mit vier oder fünf BMG-Leuten die Bommeleeër-Asservate angesehen habe. Die Beweismittel hätten dabei die Runde gemacht und alle Anwesenden hätten sie angefasst und betrachtet. Dousement konnte auch diesen Vorfall nicht zeitlich einordnen. Auch konnte er nicht sagen, welche BMG-Mitglieder dabei zugegen waren.

Am Dienstag soll bekanntlich Ex-Premier Jean-Claude Juncker aussagen. Zudem Henri Etienne und seine Frau Nicole Poos.


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