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Bommeleeër: Verteidigung empört über Ermittler Klein
Lokales 3 Min. 17.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Verteidigung empört über Ermittler Klein

Me Vogel (links) stürmte am Montag nochmals fuchsteufelswild in den Saal, als er nach Sitzungsende vom mutmaßlichen Verhalten von Ermittler Klein erfahren hatte. Auch Me Lydie Lorang war "not amused".

Bommeleeër: Verteidigung empört über Ermittler Klein

Me Vogel (links) stürmte am Montag nochmals fuchsteufelswild in den Saal, als er nach Sitzungsende vom mutmaßlichen Verhalten von Ermittler Klein erfahren hatte. Auch Me Lydie Lorang war "not amused".
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 17.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Verteidigung empört über Ermittler Klein

Der Ermittler Carlo Klein hat am Montag den Bommeleeër-Prozess im Übertragungssaal verfolgt - statt vor Gericht Fragen zu beantworten. Me Gaston Vogel war nicht amüsiert und drohte mit Konsequenzen.

(gs) - Die Sitzung im Bommeleeër-Prozess am Montag hätte eigentlich eine ganz ruhige sein können. Auf der Tagesordnung standen nämlich „nur“ die Zeugenaussagen von Pierre Bartholomé und André Kieffer sowie die Verlesung der Aussage des Belgiers Lucien Thilquin, der krankheitsbedingt nicht vor Gericht erscheinen kann. Doch der Bommeleeër-Prozess wäre nicht der Bommeleeër-Prozess, würde sich nicht hinter jeder auf den ersten Blick noch so unwesentlichen Zeugenaussage eine gehörige Portion Zündstoff verbergen.

So denn auch beim Polizisten André Kieffer, der eigentlich nur von seinen Erinnerungen an die Attentate in Itzig am 28. und 29. Mai 1985 berichten sollte. Im Dossier sind Aussagen Kieffers enthalten, denen zufolge er damals als einer der Ersten am Tatort einen verdächtigen Wagen hatte wegfahren sehen. Kieffer wollte aber am Montag viel lieber von einer Vernehmung durch die Kriminalpolizei erzählen, bei der er sich eigenen Aussagen zufolge „unter Druck gesetzt“ gefühlt habe und er auf Drängen der Ermittler von der Behinderung der Untersuchung durch Pierre Reuland habe berichten sollen.

Gericht: Keine Kenntnis von drittem Verhör

Kieffers Aussage sorgte für Verwirrung bei allen Prozessparteien, fanden sie doch weder den Inhalt noch das Protokoll eines solchen Verhörs im Dossier wieder. Kieffer aber war sich sicher, nach 1988 und 2006 ein drittes Mal, und das von den Ermittlern Carlo Klein und Joël Scheuer, befragt worden zu sein. Wann genau, dies wusste Kieffer nicht zu sagen. Einerseits sprach er von „vor vier Jahren“, andererseits aber auch vom Zeitpunkt, als die Regierung „gestürzt“ worden sei – beides Zeitpunkte, die nur schwer nachzuvollziehen sind.

Das Gericht hätte hierzu gerne die Ermittler Klein und Scheuer befragt. Diese waren aber am Montag nicht im Sitzungssaal anwesend, sondern dort vertreten durch ihre Kollegen André Weis und Guy Marx. Das Gericht beschloss, zu einem späteren Zeitpunkt nochmals auf das mutmaßliche dritte Verhör des Zeugen Kieffer zurückzukommen und die beiden Ermittler sowie auch Kieffer dann nochmals zu befragen.

Eklat nach Sitzungsende

Wer aber geglaubt hatte, damit sei diese Episode beendet gewesen, der irrt. Denn nur wenige Sekunden, nachdem das Gericht die Sitzung aufgehoben hatte und die ersten Parteien den Saal verlassen hatten, stürzte Me Gaston Vogel wieder fuchsteufelswild in den Saal zurück. Schreiend und schimpfend teilte der Verteidiger Richtern und Staatsanwaltschaft mit, was er eben von Zuschauern erfahren hatte: Dass nämlich Ermittler Carlo Klein das ganze Geschehen vor Gericht im Übertragungssaal verfolgt habe, dabei stetig SMS – für Me Vogel offensichtlich mit den anderen Ermittlern – geschrieben habe und auf einmal verschwunden sei.

Me Vogel und auch Me Lydie Lorang zeigten sich empört über das Gebaren von Klein, der obwohl offenbar im Bilde, es nicht für nötig befunden habe, die Sachlage vor Gericht klären zu kommen. Me Vogel drohte lautstark mit Konsequenzen. Über diesen Vorfall wird vor Gericht denn auch mit Sicherheit noch zu reden sein.

Ein Mann und sein Metalldetektor

Neben Kieffer wurde am Montag aber auch Pierre Bartholomé befragt. Der Zeuge berichtete, wie er im Vorfeld des Anschlags auf die Gasleitung in Hollerich an Nationalfeiertag 1985 einen verdächtigen Mann beobachtet hatte, der mit einem Metalldetektor und einem Koffer aus einem Kanalschacht gestiegen war.

Derweil war der vorgelesenen Aussage von Lucien Thilquin nur Altbekanntes zu erfahren: Nämlich, dass er und seine Familie vor dem Kasematten-Attentat am 5. Juli 1985 einen Mann mit einem Funkgerät sowie drei weitere verdächtige Männer, allesamt jung und sportlich beobachtet hatten.

Dem Prinzen auf der Spur

Am Dienstag wird voraussichtlich die Spur „Prinz Jean“ ein Thema sein. In diesem Zusammenhang soll u.a. die Aussage des mittlerweile verstorbenen Eugène Beffort vorgelesen werden. Beffort wollte am Rande des Findel-Attentat (9. November 1985) in einem vor Ort fahrenden Wagen Prinz Jean erkannt haben. Am Montag wurde denn auch bekannt dass sowohl Prinz Jean als auch Prinz Guillaume am Donnerstag kommender Woche vor Gericht aussagen sollen.


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