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Bommeleeër: Unheimliche Begegnung am „Kanounenhiwwel“
Lokales 4 Min. 07.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Unheimliche Begegnung am „Kanounenhiwwel“

Dieses Phantombild sieht dem Späher laut Zeugin am ähnlichsten.

Bommeleeër: Unheimliche Begegnung am „Kanounenhiwwel“

Dieses Phantombild sieht dem Späher laut Zeugin am ähnlichsten.
Lokales 4 Min. 07.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Unheimliche Begegnung am „Kanounenhiwwel“

Die Belgierin Anne-Marie Van den Broeck ist eine der wichtigsten Zeugen im Bommeleeër-Prozess. Sie hat einen der Täter aus nächster Nähe gesehen und kann drei weitere beschreiben. Sie kann sich noch sehr gut an die Begegnung erinnern, doch sie hat auch 28 Jahre später noch immer Angst vor Repressalien der Attentäter.

(str) - Die Belgierin Anne-Marie Van den Broeck ist eine der wichtigsten Zeugen im Bommeleeër-Prozess. Sie hat einen der Täter aus nächster Nähe gesehen und kann drei weitere beschreiben. Sie kann sich noch sehr gut an die Begegnung erinnern, doch sie hat auch 28 Jahre später noch immer Angst vor Repressalien der Attentäter.

So wurde sie am Dienstag auch durch einen Nebeneingang abseits der Kameraleute und Fotografen in den Gerichtssaal geschleust. Eigentlich sollte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Lucien Thilquin aussagen, doch der konnte krankheitshalber nicht nach Luxemburg kommen. Dem belgischen Ehepaar ist es zu verdanken, dass heute gewusst ist, dass es nicht „den“ Bommeleeër gab, sondern mindestens vier Täter am Werk waren – alle vier junge, sportliche Männer.

Anne-Marie Van den Broeck kann sich noch ganz gut an jenen Abend des 5. Juli 1985 erinnern. Sie war mit ihrem Ehemann und ihrem neunjährigen Sohn auf der Durchreise im Großherzogtum. Mit ihrem Wohnmobil suchten sie einen Stellplatz für die Nacht. Gegen 22.30 Uhr steuerte ihr Mann, der als Handelsvertreter in der Druckereibranche öfters in Luxemburg weilte, den Parkplatz im ehemaligen Kasernenhof auf dem Heiliggeist-Plateau an. Auf einem Steinwall in unmittelbarer Nähe sahen sie einen Mann, der unentwegt in ein Walkie-Talkie sprach. Der Unbekannte war nicht sehr groß, aber kräftig gebaut. Er hatte ein rundes Gesicht und krauses dunkelbraunes Haar. Er trug eine Metallbrille mit einem hellen Rand und war mit einem kurzärmeligen Karohemd, einer Kordhose und Sportschuhen bekleidet. Seine Arme seien irgendwie zu kurz gewesen für seinen Körperbau und er habe dicke Hände gehabt, bemerkte die Zeugin am Dienstag.

Zwillinge mit Kurzhaarschnitt

Irgendwann war der Mann verschwunden. Doch dann tauchten aus dem Nichts plötzlich zwei andere junge Männer auf, die sich entschlossenenen Schrittes talwärts entfernten. Obwohl die Belgier die Männer nur von hinten beobachteten, kamen sie nicht umhin festzustellen, dass die beiden sich so ähnlich sahen, dass es sich um Zwillinge oder zumindest um Brüder handeln könnte. Die Verdächtigen waren etwa 1,80 Meter groß, sportlich und hatten kurzes blondes Haar – ein militärischer Kurzhaarschnitt, betonte die Zeugin. Bekleidet waren sie mit Jeanshosen, Pilotenjacken und Sportschuhen. Jünger als 25 Jahre seien sie gewesen.

Wenige Minuten später hörte das Paar eine Metalltür zuschlagen und sah einen vierten Mann, dessen Beschreibung den zwei vorigen ähnlich war. Die Belgier waren beunruhigt und der Ehemann beschloss dem letzten Mann, der einen kleinen Rucksack trug, zu folgen. Doch er verlor ihn schnell aus den Augen. Inzwischen waren von allen Seiten Sirenen zu hören – die Sicherheitskräfte rückten zur Sprengfalle in Asselscheuerhof aus.

Vor allem der neunjährige Sohn bekam es mit der Angst zu tun und so entschieden sich die Belgier anderwertig am Heiliggeist-Plateau einen Stellplatz zu suchen. Seit ihrer Ankunft war inzwischen eine knappe Stunde vergangen. „Et puis ça faisait boum“, erzählte die Zeugin am Dienstag im Zeugenstand. Sie konnten den Knall zwar nicht zuordnen, entschieden sich aber schließlich den Ort endgültig zu verlassen und verbrachten die Nacht in Gasperich.

Mehrfach wurde das belgische Paar inzwischen angehört – einmal unter Hypnose. Sie wurden zudem von den Ermittlern zu einem Prozess in Luxemburg bestellt. Sie sollten sich die Menschen im Verhandlungssaal ansehen. Ein Mann im Publikum stach dem Paar dabei wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Späher ins Auge. In der  Verhandlung am Dienstag konnte allerdings nicht festgestellt werden, um wen es sich dabei handelte.

Kein Täter in der Fotoakte

In der Verhandlungspause ließ die vorsitzende Richterin die Zeugin eine Fotoakte mit Tatverdächtigen durchsehen. Bei zwei Personen stellte sie eine gewisse Ähnlichkeit fest. Der erste konnte allerdings schnell wegen seiner Größe von 1,90 Meter ausgeschlossen werden. Bei dem zweiten Mann handelte es sich um Jos Steil. Doch die Zeugin war formell: Steil war auch damals schon viel zu alt, um der Späher sein zu können.

Als zweiter Zeuge wurde am Dienstag der Ex-Gendarm Marcel Bormann angehört. Er schilderte vor der Kriminalkammer, wie er von einem Zeugen auf das Licht im Wald bei Asselscheuerhof aufmerksam gemacht wurde. Dann erzählte er, dass er den richtigen Reflex hatte, sich der Lichtquelle von hinten zu nähern, wobei er dann den Sprengsatz an einem Baum entdeckte. Später erst zeigte sich, dass es sich um eine heimtückische Falle handelte.

Der dritte Zeuge, der am Dienstag angehört wurde, war jener Mann der die Bombe schließlich entschärfte: Waffenmeister Albert Feiereisen. Der erinnerte sich daran, dass Scheer und Wilmes vor ihm am Tatort waren und die ganze Zeit bei ihm geblieben seien. Scheer habe ihm noch beim Anziehen des Bombenanzugs geholfen. Feiereisen hatte dies 2012 in einer eidesstattlichen Erklärung festhalten lassen. Der Grund, warum er das bei seiner Anhörung im Jahr 2004 nicht gesagt habe, liege auf der Hand: Man habe ihn damals schlicht und einfach nicht nach Scheer und Wilmes gefragt.


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