Bommeleeër: Sprengstoff im Kofferraum

Neue Zeugen am Mittwoch und Donnerstag vor der Kriminalkammer

Sprengstoff hatte Jos Steil dem Zeugen René Grethen zufolge in Schimpach im Kofferraum seines Autos.
Sprengstoff hatte Jos Steil dem Zeugen René Grethen zufolge in Schimpach im Kofferraum seines Autos.

(str) – 14 Zeugen sind am Mittwoch und am Donnerstag im Bommeleeër-Prozess vorgeladen. Erscheinen werden aller Voraussicht nach aber nur neun.

Am Montag und Dienstag wurde im Bommeleeër-Prozess ausschließlich die Niederschrift der Verhandlung vom 18. Dezember verlesen – der mit vier Stunden und 40 Minuten bislang längsten Sitzung im Prozess. Dabei war es zu mehreren Gegenüberstellungen von Zeugen gekommen. Mit dabei: Prosper Klein, Armand Schockweiler, Patrick Heck, Aloyse Harpes und Charles Bourg.

Mit der Vorlesung werden die teils widersprüchlichen Aussagen „aktiert“. Dies erlaubt dann weitere juristische Schritte.

Schockweiler und das Problem

Srel-Chef Patrick Heck gab in der damaligen Sitzung Erklärungen zu seinem Besuch bei Colonel Harpes zuhause ab. Außerdem wurde in der 106. Sitzung Schockweiler schwer von Aloyse Harpes belastet: Schockweiler habe ihm am Montag nach dem Anschlag von der missglückten Geiben-Observierung berichtet. Schockweiler bestreitet aber, überhaupt von der Beschattung gewusst zu haben. „Dann huet den Här Schockweiler elo e Problem“, kommentierte Oswald damals die Aussage von Harpes.

Heck ließ nach der Verlesung nur eine Namensverwechslung berichtigen. Schockweiler unterzeichnete das Sitzungsprotokoll ohne Einwände. Harpes fügte gestern noch Präzisionen zur Nominierung der Unteroffiziere und zur Ernennung von Schons zum Stationskommanandanten hinzu. Prosper Klein hatte in der Sitzung am Montag eine Klarstellung im Zusammenhang mit seiner Aussage, der Bommeleeër-Fall sei eine „Staatsaffäre, die nicht aufgeklärt werden darf“ hinzufügen lassen. Harpes betont in diesem Zusammenhang, dass ihm niemals von einem Minister „den Tëppelchen op den i gesat gouf“.

Bourg fehlt krankheitshalber

Eigentlich sollte am Dienstag auch die Niederschrift der Aussage von Charles Bourg verlesen werden, doch Bourg kann diese Woche krankheitshalber nicht vor Gericht erscheinen. Charles Bourg wurde in der Sitzung vom 18. Dezember mit einer Aussage von Harpes im Zusammenhang mit dem Wechsel von Jos Steil von der BMG zum Gendarmerie-Kommando konfrontiert. Harpes hatte ausgesagt, dass „de Bourg de Steil gär gehat“ habe. Harpes hatte Bourg zudem bezichtigt, an dem Lauschangriff auf ihn beteiligt gewesen zu sein. Bourgs Antwort: „Doru kann ech mech net erënneren“. Eine komische Aussage, befand die vorsitzende Richterin Sylvie Conter, denn eigentlich müsse Bourg derartige Vorwürfe ja weit von sich weisen.

Facebook-Konfrontation fällt aus

Spannend sollte es eigentlich am Mittwoch werden. Geplant war nämlich eine Konfrontation zwischen Laurent Hurt und Nadine Rausch. Hurt hatte sich bei der Verteidigung gemeldet und erklärt, Rausch habe ihm auf Facebook davon erzählt, wie sie als Kindermädchen bei der großherzoglichen Familie in Cabasson einen Streit zwischen Großherzog Jean und Prinz Jean mitbekommen habe. Dabei sei es um den Bommeleeër gegangen. Im Zeugenstand bestritt Nadine Rausch sowohl ein solches Streitgespräch mitbekommen zu haben, wie auch Hurt von etwaigem erzählt zu haben. Da Frau Rausch am Mittwoch einen Arzttermin im Ausland hat, kann sie nicht vor Gericht erscheinen. Die Konfrontation soll in Kürze nachgeholt werden.

Geiben, Findel, Kirchberg...

Auf Antrag der Verteidigung ist am Mittwoch ebenfalls Charles Biltgen vorgeladen. Wie Anwältin Me Lydie Lorang im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“ erklärte, soll Ben Geiben sich gegenüber von Biltgen dazu geäußert haben, was er alles im Sicherheitsapparat verändern würde, wenn er etwas zu sagen hätte.

Der Zeuge Milan Klouda will am Flughafen, in der Nähe der Treibstofflager vier Personen gesehen haben, die über den Sicherheitszaun stiegen. Diese wurden im Anschluss als deutsche Touristen identifiziert, die angaben, dass sie den Sonnenaufgang fotografieren wollten. Laut Me Lorang hätten diese Personen weiter überprüft werden müssen. Zudem passe der Sonnenaufgang nicht zur Uhrzeit an der die Verdächtigen gesehen wurden.

Von Anwohnern der Villa Hellinckx, einem älteren Ehepaar, will die Fußpflegerin Marie-Louise Besenius erfahren haben, dass Prinz Jean in einer Hecke unweit des Tatorts gesehen worden sei.

Sprengstoff im Kofferraum

René Grethen will eine größere Menge Sprengstoff im Kofferraum des Wagens von Jos Steil gesehen haben. Um welche Art von Sprengstoff es sich handelte ist nicht bekannt.

Angehört wird auch Lt-Colonel Marcel Reiter, der zur Zeit der Anschläge beigeordneter Direktor der Polizei war. Reiter war zudem Mitglied im Groupe des Adjoints, einem Komitee, das auf Veranlassung von Minister Marc Fischbach geschaffen wurde und dessen Aufgabe darin bestehen sollte, sich gemeinsam Gedanken über die Attentate und mögliche Präventivmaßnahmen zu machen.

Franz Hermes hatte 2012 in einer eidesstattlichen Erklärung betont, dass er gemeinsam mit Marc Scheer und Jos Wilmes an der Pressebar im Konferenzzentrum saß, als der Sprengsatz am Rande des Gipfeltreffens in Kirchberg explodierte. Dem widersprach im Prozess der Ex-Ermittler Armand Stieber, der aussagte, er habe Scheer nach dem Knall aus der entgegengesetzten Richtung kommen sehen.

Keine Konfrontation ohne Gretsch

Mit Spannung war auch eine für Donnerstag geplante Zeugenkonfrontation zwischen Fernand Ruppert, Pierre Kohnen und Michel Gretsch erwartet worden. Dabei geht es um die Umstände eines Gesprächs zwischen Kohnen und Gretsch. Laut Kohnen habe Gretsch ihm dabei von Stay Behind erzählt und auch eine Mitgliederliste gezeigt. Gretsch bestreitet dies und setzt das Gespräch in Zusammenhang mit Waffen aus der illegalen Sammlung von Henri Flammang. Klarheit könnte nun Ruppert schaffen, der zusammen mit Kohnen für die Auflösung der Waffensammlung verantwortlich war. Zum Ende der zweiten Anhörung von Kohnen machte der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald in Zusammenhang mit Ruppert eine vielversprechende Andeutung: „Ech mengen do gëtt et Diskussiounen“. Allerdings wird auch diese Konfrontation nicht stattfinden, da Michel Gretsch sich für Donnerstag entschuldigt hat.

Kaffee beim Colonel

Marco Karrenberg soll zu den alltäglichen Treffen von Colonel Charles Bourg und dem verstorbenen Armee-Chef Colonel Armand Bruck aussagen. Er habe den beiden Offizieren immer den Kaffee serviert. Germain Weydert hatte als Anwohner der RTL-Sendeanlage in Beidweiler vor dem Attentat die Scheinwerfer eines verdächtigen Wagens gesehen.

Vorgeladen ist am Donnerstag auch Robert Weigel. Dabei handelt es sich um den Stationskommandant der Gendarmerie am Wohnsitz von Grand-Duc Jean in Fischbach. Weigel will offenbar etwas zu Ex-Polizeichef Pierre Reuland aussagen. Der Zeuge wurde, wie Lydie Lorang am Dienstag betonte, nicht von der Verteidigung vorgeladen.