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Bommeleeër: „Se wëllen en net kréien“
Lokales 3 Min. 11.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Se wëllen en net kréien“

Marie-Anne Reinert schilderte dem Gericht eine denkwürdige Begegnung ihres Vaters mit einem Gendarmen.

Bommeleeër: „Se wëllen en net kréien“

Marie-Anne Reinert schilderte dem Gericht eine denkwürdige Begegnung ihres Vaters mit einem Gendarmen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 11.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Se wëllen en net kréien“

Nur sehr kurz wurde am Dienstagnachmittag im Bommeleeër-Prozess verhandelt. Vier Zeugen sagten aus. Viel Neues kam dabei aber nicht auf den Tisch.

(str) - Nur sehr kurz wurde am Dienstagnachmittag im Bommeleeër-Prozess verhandelt. Vier Zeugen sagten aus. Viel Neues kam dabei aber nicht auf den Tisch.

Zunächst wurde Marie-Anne Reinert angehört. Ihr inzwischen verstorbener Vater war zur Zeit der Attentate der beigeordnete Chef der Flughafenfeuerwehr. Am Morgen nach dem Anschlag am Findel hatte er etwas abseits eine Fußspur entdeckt, die wie die Tochter aussagte, sehr gut erhalten war. Der Vater, so erzählte er der Familie später, habe dann einen Gendarm auf die Spur aufmerksam gemacht. Doch anstelle die Spur zu sichern, habe der Gendarm die Spur mit dem Fuß verwischt und dann gesagt: „Et deet mer leed, mä mat der doter kënne mer näischt ufänken“.

Der Vater sei über die Reaktion des Gendarmen schockiert gewesen und habe einem Offizier, Colonel Charles Bourg, den Vorfall geschildert. „Deen huet dat awer null interesséiert“, habe der Vater feststellen müssen. „Dat ass eng Sauerei“, habe er sich damals geärgert. „Wat ass dat do eppes. Se wëllen deen do guer net kréien!“

Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald betonte in der Sitzung, dass Bourg am Morgen nach dem Anschlag auch nicht auf andere Leute reagiert habe. Der ehemalige Untersuchungsrichter Prosper Klein hatte Bourg am gleichen Tatort ebenfalls auf die mangelhafte Spurensicherung hingewiesen, doch der Colonel hatte ihn schlichtweg ignoriert.

Alibi für Wilmes

Im Zeugenstand sagte am Mittwoch auch der Ex-Schwager von Jos Wilmes aus. Georges Grof bekräftigte dabei, was er 2012 bereits in einer schriftlichen Zeugenaussage zu Papier gebracht hatte: Er sei mit Wilmes und der Familie vom 27. Juli bis zum 17. August 1985 in der Schweiz im Urlaub gewesen. Von dem Urlaub existierten Fotos, betonte er, zum Teil mit Zeitstempel. Damit gibt Grof Wilmes ein Alibi für das Attentat auf das „Luxemburger Wort“ am Abend des 27. Juli 1985.

Mysteriöse Begegnung im Stadtpark

Auf Wunsch der Verteidigung war am Mittwoch ebenfalls der ehemalige beigeordnete Stationskommandant der Gendarmerie aus Bartringen vorgeladen. Jean Majerus hatte das Protokoll zur Aussagen von zwei Zeugen mitunterzeichnet, die der Gendarmerie aus Bartringen eine Beobachtung am Rande des Anschlags auf das „Octroi“-Häuschen am Glacis mitgeteilt hatten.

Besagte Zeugen Romain Ernzen und Romain Metz hatten zwei Minuten vor der Explosion einen verdächtigen Mann am Eingang des Stadtparks in der Rue Adames gesehen. Der Mann habe zunächst den Eindruck erweckt, er sei betrunken. Anschließend habe er nervös auf die Uhr geblickt.

Später sei der Mann in Begleitung von zwei Ermittlern zurückgekehrt und habe den Beamten gesagt, „das sind die Männer, die ich gemeint habe“. Die Polizisten hätten dann die Personalien von Ernzen und Metz aufgenommen. Der unbekannte Mann sei anschließend verschwunden und die Polizisten hätten sich nicht weiter für ihn interessiert.

Majerus konnte sich in der Sitzung nicht mehr an das Protokoll erinnern. Ebenso erging es dem eigentlichen Verfasser des Berichts, Mario Schmitz, der eiligst in die Sitzung einbestellt worden war.

Kohnen nicht zu erreichen

Am Rande der Verhandlung war außerdem zu erfahren, dass es der Staatsanwaltschaft noch immer nicht gelungen ist, Pierre Kohnen zu erreichen. Eigentlich war nämlich für heute Mittwoch eine Gegenüberstellung zwischen Kohnen und Colonel Michel Gretsch geplant.

Heute wird zudem das ehemalige Cegedel-Direktionsmitglied Alexis Kremer angehört, dessen schriftliche Erinnerungen an die Attentatsserie sehr aufschlussreich für die Ermittler waren.


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