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Bommeleeër: Schockweiler und das Problem
Lokales 4 Min. 19.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Schockweiler und das Problem

Zeugenballett: Patrick Heck, Charles Bourg, Aloyse Harpes und Armand Schockweiler (v.l.n.r.).

Bommeleeër: Schockweiler und das Problem

Zeugenballett: Patrick Heck, Charles Bourg, Aloyse Harpes und Armand Schockweiler (v.l.n.r.).
Foto: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 19.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Schockweiler und das Problem

Ein regelrechtes Zeugenballett stand am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess auf der Tagesordnung. Nicht weniger als fünf Zeugen waren vorgeladen und die wurden mit ihren teils widersprüchlichen Aussagen konfrontiert.

(str) - Ein regelrechtes Zeugenballett stand am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess auf der Tagesordnung. Nicht weniger als fünf Zeugen waren vorgeladen und die wurden mit ihren teils widersprüchlichen Aussagen konfrontiert.

Zunächst standen sich Ex-Sûreté-Chef Armand Schockweiler und Ex-Untersuchungsrichter Prosper Klein im Zeugenstand gegenüber. Klein ging dabei schnell in die Offensive, Schockweiler in die Defensive. Er sei immer davon ausgegangen, dass Bommeleeër-Chefermittler Jean Disewiscourt seine Arbeit richtig gemacht habe, erklärte Schockweiler. Dazu habe auch der Kontakt zu Untersuchungsrichter Klein gehört. Seine Mission sei das nicht gewesen. Zudem sei er jung und unerfahren gewesen. Die älteren Offiziere hätten ihn auch nicht auf Fehler hingewiesen.

„En décke Fanger“

Für Prosper Klein liegt die Antwort auf die Frage, warum so viel in dieser Affäre schief gelaufen ist, auf der Hand: Die Anschlagsserie ist der einzige Kriminalfall, in dem das Gendarmerie-Kommando die Ermittlungen an sich gezogen hat. Klein räumte aber auch eigene Fehler ein. So habe er dem Spiel zu lange zugesehen. Klein zeigte sich überzeugt davon, dass der FBI-Bericht gezielt unterschlagen wurde. „Well en décke Fanger op den eegene Camp gewisen huet,“ unterstrich er.

Sabotage witterte Klein auch bei der Konfrontation mit Aloyse Harpes. Als der Untersuchungsrichter endlich die Kontrolle über die Ermittlungen hatte, wurden seine zwei besten Ermittler versetzt. Auf eigenen Wunsch, betonte Harpes. Doch Klein ließ das nicht gelten: „Den Här Harpes seet mat Sëcherheet net d'Wourecht“, betonte er. Haan und Schons hätten bei jeder Gelegenheit gesagt, sie würden nie wieder eine Uniform tragen. Schons wurde zum Stationskommandanten ernannt und Haan sollte Sekretär der Sûreté werden. Für beide ein Traumjob, meinte Harpes.

„Ech soen Iech wéi et war“, hielt dem Klein entgegen. „Dir wollt net, datt d'Wourecht sollt rauskommen. Déi Leit waren ze riicht, fir den Untersuchungriichter un der Nues eremzeféieren. Dofir hutt Dir hinnen een Echappatoire ginn!“ Wenn Harpes beteuere, sich nicht in die Ermittlungen eingemischt zu haben, dann sage er nicht die Wahrheit. "Wa mer eppes Leed deet, wann ech schonn dene Fatzbeidelen net konnt d'Handschellen uleeën, dann ass et dat ech dem Kommandant vun der Gendarmerie keng Plainte wéinst Abus de Pouvoir an Immixioun gemaach hunn", sagte Klein. „Ech hat deemols awer net dee néidege Courage“.

Die Srel-Umleitung

Einblick in die Vorgehensweise des Geheimdiensts gab am Mittwoch Srel-Chef Patrick Heck. Er habe Harpes um ein Treffen gebeten, da er vor der Geheimdienst-Kontrollkommission zur Abhörung von Harpes Stellung beziehen sollte, erklärte er. Er habe sich dafür Interessiert, ob Harpes' Telefonleitung über den Herrenberg oder über die Diekircher Post gelaufen sei, ob Harpes nie Verdacht geschöpft habe und ob er Feinde habe.

Wenn der Srel Harpes abgehört hätte, erklärte er, dann hätte man eine Wohnung in Diekirch angemietet und die Telefonleitung „umleiten“ lassen. Das habe nur die Post tun können und die habe das nur auf richterliche Anordnung getan. Man habe sich im Geheimdienst redlich Mühe gegeben, um die Aussage des Zeugen Gilbert Leurs, der ausgesagt hatte, Harpes sei abgehört worden, zu überprüfen. Man habe allerdings keinerlei Hinweise in dieser Richtung gefunden. Die Aussage weise hingegen einige Unstimmigkeiten auf.

D'Geschicht vun der rouder Geess

Auf Kollisionskurs ging Harpes am Mittwoch mit Schockweiler. Letzterer bestritt weiter von der Observierung Geibens in Luxemburg gewusst zu haben. Doch Harpes blieb dabei: Schockweiler habe ihn montags über die Geiben-Beschattung informiert.

„Dann huet den Här Schockweiler elo e Problem“, kommentierte der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald. Die Observierung sei in bestimmten Kreisen bekannt gewesen. Zudem sei die Beschattung in Luxemburg die einzig logische Konsequenz des von Schockweiler ausgestellten Rechtshilfeersuchens in Brüssel gewesen. „Wann Dir eis hei eppes anescht sot, dann ass dat d'Geschicht vun der rouder Geess, an déi kënnt der engem aneren zielen“, ärgerte sich Oswald.

Am Donnerstag wird der Prozess mit einer Konfrontation der Aussagen von Armand Kaudé, Georges Zenners und Pierre Reuland fortgesetzt.

  • Ex-Untersuchungsrichter Prosper Klein hat uns vor der Verhandlung am Donnerstag auf einen Fehler in unserer Berichterstattung hingewisen. Wir hatten geschrieben: "Klein betonte, dass es ihm heute Leid tue, dass er Harpes nicht wegen Amtsmissbrauchs Handschellen angelegt habe". Richtig hätte es lauten müssen: "Wa mer eppes Leed deet, wann ech schonn dene Fatzbeidelen net konnt d'Handschellen uleeën, dann ass et dat ech dem Kommandant vun der Gendarmerie keng Plainte wéinst Abus de Pouvoir an Immixioun gemaach hunn."

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