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Bommeleeër: Schockweiler in der Zwickmühle
Lokales 4 Min. 10.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Schockweiler in der Zwickmühle

Armand Schockweiler: In der Verhandlung am Donnerstag nicht anwesend und doch im Mittelpunkt.

Bommeleeër: Schockweiler in der Zwickmühle

Armand Schockweiler: In der Verhandlung am Donnerstag nicht anwesend und doch im Mittelpunkt.
Foto: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 10.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Schockweiler in der Zwickmühle

Fünf Zeugen waren für Donnerstag angekündigt worden, sieben waren gekommen, vier wurden angehört. Der 111. Prozesstag brachte eine überraschende Wendung, wenn auch nicht da, wo man sie erwartet hätte.

(str) - Fünf Zeugen waren für Donnerstag angekündigt worden, sieben waren gekommen, vier wurden angehört. Der 111. Prozesstag brachte eine überraschende Wendung, wenn auch nicht da, wo man sie erwartet hätte.

Zunächst stand nämlich ein Ex-Zivilangestellter der Gendarmerie im Zeugenstand. Marc Origer befasste sich beim Mess- und Erkennungsdienst unter anderem mit Fingerabdrücken und Statistiken. Origer hatte sich spontan als Zeuge gemeldet und wurde prompt angehört. Das war sich zunächst andeutete, war explosiv: Die Beweismittel im Dossier Bommeleeër seien auf Order des damaligen Direktors der Kriminalpolizei Romain Nettgen im Sperrmüll entsorgt worden.

Doch ganz so war es dann doch nicht. Es stellte sich heraus, dass zwar Dinge wie etwa Karteien mit Fingerabdrücken entsorgt wurden, aber um Beweisstücke aus dem Bommeleeër-Dossier handelte es sich dann doch wohl eher nicht. Nettgen habe zudem lediglich angeordnet für Ordnung in dem etwa viereinhalb Meter großem Kellerraum zu sorgen. Was genau entsorgt wurde, blieb unklar. Für Verwirrung im Gerichtssaal sorgte zudem, dass der Zeuge unentwegt von „Pièces“ sprach, die weggeschafft wurden. Wie sich zeigte, meinte er damit allerdings vorrangig Dokumente und weniger Gegenstände.

Maden im Teppich

Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald stellte klar, dass es üblich sei, wertlose Asservaten nach einer rechtskräftigen Verurteilung zu vernichten. Bommeleeër-Ermittler Klein erläuterte, dass der Sektionschef stets ein Auge darauf gehalten habe, was entsorgt wurde und was nicht. Letzterer war dann auch der zweite Zeuge, der gestern angehört wurde. Der ehemalige Chef des Mess- und Erkennungsdiensts André Glodt erklärte, dass stets darauf geachtet wurde, alle Asservaten zuordnen zu können und festzustellen, ob die Strafsache abgeschlossen oder verjährt sei.

Bei einigen Objekten habe man die Herkunft nicht mehr bestimmen können. Glodt sprach auch von Kleidern, Decken und Teppichen aus Mordfällen, in denen sich Maden ausgebreitet hätten. Als sein Vorgänger Arnold Mack 1996 in Rente gegangen sei, habe man die Bommeleeër-Asservate aus dem Keller nach oben geholt und in einer Schublade verstaut. Dennoch seien Beweise verschwunden, bemerkte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter, so fehle etwa die gesamte Zündvorrichtung vom Anschlag in Hollerich.

Schockweiler und der Zünder

Dann kam der Clou: „Wann ech mech richteg erënneren, ass den Här Schockweiler d'Zündvorrichtung vun Hollerech eng Kéier siche komm“, erzählte Glodt. Danach wurde er bestimmter und erinnerte sich sogar an Gesprächsfetzen aus der Begegnung mit Schockweiler. Das Ganze sei mit Sicherheit nach der Pensionierung von Mack - also nach 1996 - geschehen. Besonders brisant: Schockweiler hatte die Gendarmerie laut Oswald zu dem Zeitpunkt bereits verlassen und war bei der Polizei. Demnach hätte er keine Ursache gehabt, sich mit Bommeleeër-Beweismitteln zu befassen. Dazu soll Schockweiler nun am kommenden Montag bei einer Gegenüberstellung mit Glodt Rede und Antwort stehen. Die Asservate sind heute nur noch in einer einzigen Hinsicht von Bedeutung: für eine DNA-Analyse – ein Verfahren, das bei der Spurensuche in den 80er Jahren noch völlig unbekannt war.

Das Geiben-Gespräch von Kill und Hary

Mit Spannung wurde am Donnerstag die Anhörung von Georges Kill erwartet. Der ehemalige Vizepräsident des Verfassungsgerichts hatte Colonel Harpes zufolge vom damaligen beigeordneten Staatsanwalt Jean-Marie Hary erfahren, dass Ben Geiben die Gendarmerie nicht aus freien Stücken verlassen habe. Kill bestätigte das vor der Kriminalkammer. Bei dem Gespräch Ende 1984 habe Kill zunächst eine Andeutung darauf gemacht, dass Geiben von der Gendarmerie eine hochkarätige Ausbildung erhielt, um dann in die Privatwirtschaft zu wechseln. „Dat wourops de uspills, dat wor net sou, wéis du mengs“, habe ihm Hary erwidert. „Deen ass net gaang, fir eppes aneres opzemaachen. De Colonel Wagner hat Schwieregkeete mat dem. E konnt en net méi protegéieren, well en an enger Saach net méi ganz legal war.“ Hary habe ihm zu verstehen gegeben, dass es sich um eine „Lénksegeschicht“ gehandelt habe. Die Worte „Pädophilie“ und „Deal“ seien nie gefallen. Er habe gegenüber der Untersuchungsrichterin davon gesprochen, dass Geiben „eng fléihe gelooss hätt“ und von „Bouwen“ geredet. Damit habe er aber Geibens Beziehung zu einem 17-Jährigen gemeint. Harpes, mit dem er vor Jahren über den Abgang Geibens geredet habe, hat dann offenbar daraus „kleng Jonge“ gemacht.

Im Anschluss beschäftigte sich die Kriminalkammer mit Jean-Mathias Goerens, der bei den 13 ersten Attentaten der zuständige Untersuchungsrichter war. Viel konnte Goerens nicht zum Dossier beitragen. Er musste sich allerdings von Me Vogel den Vorwurf gefallen lassen, dass er rein gar keine Fußstapfen im Dossier hinterlassen habe.


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