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Bommeleeër: Royaler Sprengstoff
Lokales 3 Min. 22.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Royaler Sprengstoff

Vertreten die Anklage: der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald und Substitut Robert Welter (l.).

Bommeleeër: Royaler Sprengstoff

Vertreten die Anklage: der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald und Substitut Robert Welter (l.).
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 22.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Royaler Sprengstoff

„Een Décken“ sei in die Bommeleeër-Affäre verwickelt, hieß es bereits zur Zeit der Attentatsserie. Später wurden die Gerüchte konkreter. Im Visier: der Bruder von Großherzog Henri.

(str) - „Een Décken“ sei in die Bommeleeër-Affäre verwickelt, hieß es bereits zur Zeit der Attentatsserie. Später wurden die Gerüchte konkreter. Im Visier: der Bruder von Großherzog Henri.

Die Nachricht, dass der ehemalige Generalstaatsanwalt Camille Wampach gesagt haben soll, Prinz Guillaume sei der Bommeleeër, war ohne Zweifel der Höhepunkt der Woche im Prozess. Der Zeuge, von dem diese Information stammt, erklärte am Freitag, es habe ein Missverständnis gegeben. Wampach habe Prinz Jean gemeint und nicht Guillaume. Worauf diese Behauptung beruht und wie ernst sie zu nehmen ist, das wird die Kriminalkammer mit Sicherheit schnell zu klären versuchen – am besten noch, bevor am kommenden Donnerstag die beiden Prinzen als Zeugen angehört werden.

Die Aussage schlägt natürlich dadurch ins Gewicht, dass sie von einem Ex-Generalstaatsanwalt kommt. Allerdings hat der Bommeleeër-Prozess bereits des Öfteren gezeigt, dass das, was gehört und gesagt wird, längst nicht immer auf belastbaren Fakten beruht. Nachgegangen werden muss der Sache auf jeden Fall.

Schockweiler im Fadenkreuz

Eng könnte es ab kommende Woche für den Ex-Sûreté-Chef Armand Schockweiler werden. Es hat sich nämlich ein Zeuge gemeldet, der unterstrich, dass Spurenermittler André Glodt ihm bereits vor Jahren davon erzählt habe, dass Schockweiler Bommeleeër-Asservate an sich genommen habe. Demnach sei Glodt das nicht erst zu Prozessbeginn eingefallen. Weiterführende Ermittlungen hierzu sind zwingend geboten. Der Ausgang bleibt offen.

Sollte Schockweiler aber zum Beschuldigten im Bommeleeër-Dossier werden, könnte dies den Prozess für lange Jahre auf Eis legen. Schließlich stehen dem Offizier dann die gleichen Rechtsmittel zu, wie zuvor den Beschuldigten Scheer und Wilmes.

Erklärungen wären sicher auch vom Bommeleeër-Ermittler der ersten Stunde, Jean Disewiscourt, erwünscht. Doch der ist seit 2010 verstorben. Zuvor hatte er aber einem LW-Redakteur anvertraut, er wisse, wer der Bommeleeër sei. Er würde das Geheimnis allerdings mit ins Grab nehmen.

Bände sprachen auch die Erinnerungen von LW-Reporter Joseph Lorent, der am Mittwoch erklärte, wie Disewiscourt und dessen Kollegen einen möglicherweise wichtigen Zeugen des Findel-Anschlags zunächst nicht ernst nahmen und dann verhöhnten und verwirrten.

Nicht unwesentlich ist auch eine weitere Frage, die der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald diese Woche aufwarf: Wurde die mit einer Sprengkapsel präparierte Taschenlampe womöglich erst am Tag nach dem Anschlag am Tatort platziert?

Kieffer vs. Klein

Fragen darf man sich auch getrost zur Aussage von André Kieffer stellen. Der hatte diese Woche die Ermittler Klein und Scheuer beschuldigt, ein Anhörungsprotokoll unterschlagen zu haben. Kieffer blieb bei seiner Behauptung, konnte aber keinerlei Anhaltspunkt liefern, die seine Aussage belegen würden. Zudem ist der Grund einer derartigen Unterschlagung absolut nicht nachzuvollziehen. Dass Ermittler Carlo Klein, als er Kieffers Vorwürfe im Videoübertragungsraum verfolgte, sich nicht gleich einer Konfrontation gestellt hat, war ebenfalls keine sehr glückliche Entscheidung.

Intensiv wurde sich diese Woche auch mit der Aussage des verstorbenen Eugène Beffort befasst. Der hatte bekanntlich ausgesagt, Prinz Jean am Morgen vor dem Findel-Anschlag unweit des Tatorts gesehen zu haben. Beffort hatte Zeugen zufolge von Anfang an betont, den Prinzen gesehen zu haben. Die Ermittler haben jedoch in seinen Aussagen eine ganze Reihe von Widersprüchen ausgemacht. Auch hier bleibt der Ausgang offen.


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