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Bommeleeër: Reuland nimmt BMG in Schutz
Lokales 4 Min. 27.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Reuland nimmt BMG in Schutz

Pierre Reuland: Für mich war die militaristische Spur immer die logischste.

Bommeleeër: Reuland nimmt BMG in Schutz

Pierre Reuland: Für mich war die militaristische Spur immer die logischste.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 4 Min. 27.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Reuland nimmt BMG in Schutz

Luxemburg sei nicht auf eine derartige Attentatsserie vorbereitet gewesen, erklärte Ex-BMG-Chef Pierre Reuland am Mittwoch im Zeugenstand. Er bekräftigte sein Interesse daran, dass die Attentatsserie aufgeklärt wird.

(str) - Luxemburg sei nicht auf eine derartige Attentatsserie vorbereitet gewesen, erklärte Ex-BMG-Chef Pierre Reuland am Mittwoch im Zeugenstand: „Déi Affär ass eis einfach op d'Box gefall an huet zwee Joer gedauert!“ Er sei ganz besonders daran interessiert, dass der Fall aufgeklärt werde, schließlich habe er neben den beiden Beschuldigten am meisten unter der Affäre zu leiden gehabt.

Wiederholt betonte er am Mittwoch, die Geschehnisse müssten im dem Kontext der 1980er Jahre betrachtet werden. Damals sei eben vieles anders gewesen. "Die Attentatsserie, das war zur Zeit des Kalten Krieges und auch zu einer Zeit großer wirtschaftlicher Umwälzungen", erklärte Reuland. "Die Gendarmerie war noch eine Militärverwaltung und damals mit Sicherheit keine Priorität der Regierung". Die Moral der Truppe sei schlecht gewesen, da es an allen Ecken an Personal gefehlt habe.

Colonel Wagner war für Reuland eine Vaterfigur. Er habe ihn an seine Aufgabe herangeführt. Als Ben Geiben die Gendarmerie verließ, sei Reuland als unerfahrener Offizier Chef des Sondereinsatzkommandos „Brigade Mobile“ der Gendarmerie geworden. Das sei zu Beginn nicht ganz einfach gewesen, betonte Reuland. Er habe nicht das gleiche Charisma gehabt wie Geiben. Zudem sei er mehr ein Realist gewesen und Geiben ein Visionär. Die Erwartungen an die BMG seien hoch gewesen. Sie sollte bei Geiselnahmen und Entführungen einschreiten. Doch diese Art der Einsätze habe es in Luxemburg nicht gegeben, so dass der Einheit andere Missionen zugeteilt wurden - etwa der Schutz hoher Gäste aus dem Ausland oder der großherzoglichen Familie. Dennoch sei die Einheit in Sachen Ausrüstung stets privilegiert gewesen. Man habe alles bekommen, was man brauchte.

„Täter nicht aus der BMG“

Trotz schwieriger Anfänge habe man sich doch aneinander gewöhnt und als Reuland die BMG 1988 verließ, sei das ein trauriger Abschied gewesen. Die BMG habe sehr viel Zeit miteinander verbracht. Man habe quasi zusammen gelebt, so Reuland. „Wir haben uns täglich gesehen“, erklärte er. „Wenn jemand systematisch besonders gut oder schlecht drauf, nervös oder einfach nur müde gewesen sei, dann wäre das aufgefallen“. In den 20 Monaten der Attentatsserie habe er nicht ein einziges Mal etwas Verdächtiges bemerkt. Reuland betonte weiter, es hätte nicht unentdeckt bleiben können, wenn Mitglieder der BMG während oder nach ihrem Dienst als Bombenleger am Werk gewesen wären. Bei mindestens zwei Anschlägen, etwa in Hollerich und in Kirchberg, sei die BMG zudem den ganzen Tag über gemeinsam im Einsatz gewesen

Nach der gescheiterten Geldübergabe am Theaterplatz, sei es aber sehr wohl seine Pflicht gewesen, sich die Frage nach einem Insider in seiner Truppe zu stellen, unterstrich Reuland. Dabei habe er es einfach gehabt, da die BMG eine kleine Gruppe war und man einen sehr engen Kontakt gepflegt habe. Er habe damals ausgeschlossen, dass die Täter aus den Reihen der BMG kommen und schließe es heute noch immer aus. Die Überlegungen in Sachen Insiderwissen seien eher dahin gegangen, dass der Polizeifunk abgehört würde oder jemand „beim Patt“ geplaudert habe.

Frust statt Austausch

Colonel Wagner habe selten bis nie an gemeinsamen Sitzungen teilgenommen. Er habe als Zentralfigur die Ermittlungen geleitet, sich mit jedem einzeln besprochen und dann seine Entscheidung gefällt – eine Autorität, die man nicht in Frage zu stellen hatte. „Das war einfach so“, betonte Reuland zum wiederholten Mal. Unter Colonel Harpes sei dies nicht anders gewesen. Der Frust, dass die Informationen nicht geteilt wurden, sei  aber so groß geworden, dass sich die gesamte GOR-Einheit im Dezember 1985 zusammen mit den Offizieren Reuland, Stebens und Hamen an einen Tisch setzte, um einen Forderungskatalog aufzustellen. Das Papier enthielt sowohl Ideen, wie auch jede Menge Frust. Die Zusammenfassung hätten die Offiziere dann Anfang Januar 1986 als Bericht an den Kommandanten gesendet. „Ich habe damals viele Berichte verfasst und war es gewohnt, nie eine Antwort zu erhalten“, betonte Reuland vor der Kriminalkammer. Doch diesmal war das anders.

Die Forderungen seien mit der Zeit alle umgesetzt worden. Einen Punkt habe Harpes allerdings gestrichen: Bei der Liste der möglichen Täter habe das „Milieu militaire“ in der Endfassung gefehlt. „Genau die bei weitem interessanteste Spur wird fallengelassen“, ärgerte sich der beigeordnete Staatsanwalt Oswald in der Verhandlung. „Und Sie sagen, dann war das eben so. Ich kann das nicht nachvollziehen.“

„E klenge Leutnant“

„Das war ein Befehl von Harpes“, entgegnete Reuland. „Es hätte ja auch sein können, dass diese Spur jemand anderes zugeteilt wurde.“ Alleine die Tatsache, eine schriftliche Antwort auf den Bericht bekommen zu haben, sei ein Erfolg gewesen. Da habe es keinen Spielraum für Diskussionen gegeben. „Als Leutnant war man nichtig gegenüber dem Colonel“, beteuerte Reuland. „Wer morgens dem Colonel das Leben sauer machte, konnte das noch über Jahre zu spüren bekommen.“ Er selbst sehe die militaristische Spur auch heute noch als eine der logischsten. Damals habe man sich aber eher auf Bauern und Sicherheitsunternehmen fokussiert.

Ob es einen speziellen Grund dafür gab, dass man nicht einmal ansatzweise nach Insidern gesucht habe, wollte die Richterin von Reuland wissen. „Ja, den gab es“, antwortete der Ex-Polizeichef zur allgemeinen Überraschung. „Wir konnten es uns nicht vorstellen, Teil einer Gendarmerie zu sein, in der es Bombenleger gibt. Diese Vorstellung gab es einfach nicht.“

Am Donnerstag werden die Verhandlungen mit einer weiteren Anhörung von Pierre Reuland fortgesetzt.