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Bommeleeër: Reuland auf dem Grill
Lokales 4 Min. 20.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Reuland auf dem Grill

Pierre Reuland will von der Geiben-Observierung erst nach mehr als 25 Jahren erfahren haben.

Bommeleeër: Reuland auf dem Grill

Pierre Reuland will von der Geiben-Observierung erst nach mehr als 25 Jahren erfahren haben.
Foto: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 20.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Reuland auf dem Grill

Alle Augen waren am Donnerstag im Bommeleeër-Prozess auf den Ex-BMG-Chef Pierre Reuland gerichtet - und der musste so einiges einstecken. Im Kernpunkt der Verhandlung stand erneut die Observierung von Ben Geiben.

(str) - Aller Augen waren am Donnerstag im Bommeleeër-Prozess auf den Ex-BMG-Chef Pierre Reuland gerichtet und der musste in der Verhandlung so einiges einstecken. Im Kernpunkt der Verhandlung stand erneut die Observierung von Ben Geiben.

Rückblick: Der Ex-Gendarmerie-Offizier Ben Geiben gilt Anfang Oktober 1985 während 10 Tagen als Topverdächtiger in der Anschlagserie der Bommeleeër. In diesen Tagen wird ein Rechtshilfeersuchen erstellt, um Geiben, der inzwischen in Brüssel lebt in Belgien beschatten zu lassen. Zudem werden sich Gedanken darüber gemacht, Geiben nach Luxemburg zu locken, um ihn auch hier zu beschatten.

Geiben kommt schlussendlich samstags, aber die Informationen, die der Lockvogel Jos Steil an die Beschatter weitergibt sind falsch. Srel-Agenten und Polizisten liegen auf der Lauer, doch von Geiben fehlt jede Spur. Geheimagent Kaudé hat den Verdacht von Steil vorgeführt worden zu sein und verfasst später einen Bericht, in dem er auf die dubiose Rolle von Steil hinweist. Der Bericht bleibt jedoch beim Geheimdienst unter Verschluss.

Die ergebnislose Observierung wird am späten Samstagnachmittag abgebrochen. Wenige Stunden später explodiert am Justizpalast eine Bombe und im Laufe der Nacht wird der Geheimdienstler Kaudé informiert, dass der Verdächtige Geiben nun doch im Land ist. Die Agenten legen sich erneut auf die Lauer, doch die Polizisten werden offenkundig nicht benachrichtigt. Am Morgen müssen die Agenten mangels Befugnis tatenlos zusehen, wie Geiben nach Belgien verschwindet.

Fazit: Der Topverdächtige ist im Land, als eine Bombe am Büro jenes Untersuchungsrichters explodiert, der das Rechtshilfeersuchen erstellt hat. Die Beschatter werden in die Irre geführt und Geiben steht weiter als Verdächtiger im Raum – möchte man meinen. In Wirklichkeit wird die Spur Geiben aber ab Montag ohne ersichtlichen Grund einfach nicht mehr bearbeitet.

Reuland und das Briefing

Fünf Zeugen sagten inzwischen aus, dass der damalige Chef der Spezialeinheit BMG und spätere Polizeichef, Pierre Reuland, bei der Geiben-Observierung eine Schlüsselrolle gespielt habe. Doch Reuland bestreitet das seit Jahren vehement. Drei der Zeugen waren gestern vorgeladen, um ihre Aussagen mit jenen von Reuland abzugleichen.

Einer der Zeugen ist Ex-Geheimagent Armand Kaudé. Er unterstrich Reuland habe das Briefing im Vorfeld der Beschattung geleitet. „Auch wenn ich Reuland in meinem Bericht nicht erwähnt habe, bin ich mir zu 90 Prozent sicher, dass er da war“, erklärte er. Später sagte er, Reuland sei „ziemlich sicher“ da gewesen.

Er könne sich zudem daran erinnern, dass Reuland, dem erst kürzlich ernannten GOR-Chef Guy Stebens gesagt habe: „Du méchs dat schonn“. Reuland hielt Kaudé entgegen, dass wenn er da gewesen wäre, dann hätte er sicherlich eine aktive Rolle im Briefing übernommen und er wäre dann auch im Bericht erwähnt worden.

„Ich sage ganz klar, ich war nicht da und dabei bleibe ich auch", versicherte er eindringlich. Er stütze sich dabei auf seine Erinnerungen und auf sieben Dokumente, die er eingereicht habe. In jener Woche sei er fünf Tage in Münster gewesen und an zwei Tagen habe er nicht gearbeitet.

Der Ex-Polizist Georges Zenners versicherte, er habe samstags mit Reuland telefoniert, nachdem Steil ihm gesagt habe, Geiben käme nun doch nicht. Reuland habe ihm gesagt, „da briecht of!“ Er habe Reuland angerufen, weil der der höchste Offizier gewesen sei. Reuland habe beim Telefonat gewusst, um was es ging. „Sie müssen sich irren“, räumte Reuland ein. Wenn die Operation so verlaufen wäre, wie sie dargestellt wird, dann hätte Zenners montags wütend bei mir im Büro stehen müssen, weil man ihn in der Nacht nicht über Geibens Anwesenheit informiert habe. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald ließ das nicht gelten: „In Zenners' Logik hat er Reuland alles am Telefon gesagt, was er zu sagen hatte. Wenn Reuland mehr darüber wissen wollte, dann war es an ihm nachzufragen“.

„100 Prozent sicher...“

Eine dritte Intervention Reulands hat es Kaudé zufolge spätnachts nach dem Anschlag gegeben. Reuland habe ihn angerufen und gemeldet: „Kënnt Dir Är Equipe nach eng Kéier zesumme kréien? De Geiben ass am Holiday Inn um Zëmmer souansou“. Hier ist sich Kaudé zu 100 Prozent sicher. Reuland verteidigte sich, er habe keinen Grund seinen Einsatz zu verschleiern. Er unterstelle den Zeugen keine Lügen, jedoch sei es immerhin möglich, dass man sich mit den Jahren eine Version zusammengereimt habe und sich sage, aller Logik nach müsse das so gewesen sein. Er sei schließlich der Chef der BMG gewesen. „Wir sind noch immer der Meinung, dass an diesem Wochenende etwas passiert sein muss, oder entdeckt wurde, das alles veränderte“, meinte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter.

Dem Zeugen Kaudé zufolge, habe Reuland seinen Agenten noch in der Nacht Fotos von Geiben in einem blauen Album gezeigt. Auch das bestreitet Reuland. „Was wäre denn mein Interesse gewesen, zu behaupten ich sei nicht dabei gewesen, obwohl ich dabei war“, machte Reuland geltend. „Ich sage Ihnen warum“, platzte es aus Oswald heraus. „Weil Sie uns dann erklären müssten, warum die Observierung Geibens abgebrochen wurde, warum Geiben zum Zeitpunkt der Explosion nicht beobachtet wurde, wer Geiben im Hotel ausfindig gemacht hat, warum der GOR in der Nacht nicht mit dem Srel rausgeschickt wurde, warum die Spur Geiben montags nicht mehr aktuell war...“ – „Wenn ich das höre, dann werde ich hier nicht mehr als Zeuge angehört!“, konterte Reuland.

Die Verhandlungen werden über die Weihnachtsferien und bis zum Montag, dem 6. Januar ausgesetzt.


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