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Bommeleeër-Prozess: Viele Fragen zum Nicht-Nachfragen
Lokales 3 Min. 23.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Viele Fragen zum Nicht-Nachfragen

Am 19. Oktober 1985 explodierte der Sprengsatz am Justizpalast in Luxemburg-Stadt.

Bommeleeër-Prozess: Viele Fragen zum Nicht-Nachfragen

Am 19. Oktober 1985 explodierte der Sprengsatz am Justizpalast in Luxemburg-Stadt.
Archivbild: Lé Sibenaler
Lokales 3 Min. 23.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Viele Fragen zum Nicht-Nachfragen

Die chaotischen Ermittlungen zur Zeit der Attentate wurden unter der Woche vor Gericht nochmals deutlich.  Manch hoher Ordnungshüter hatte damals scheinbar den Moment verpasst, einfach mal nachzuhaken. Ein Rückblick.

(gs) - Im Bommeleeër-Prozess wurden einem unter Woche nochmals die chaotischen Ermittlungen zur Zeit der Attentate vor Augen geführt, wobei sich dabei noch immer die Frage stellt, ob das Chaos den damaligen Umständen geschuldet oder beabsichtigt war. Nachfragen war damals offenbar eher die Ausnahme als die Regel.

Da gab es damals offenbar jene, die etwas aufzudecken versuchten und dabei überall auf verschlossene Türen stießen und andere, die sich, wenn überhaupt, nur ganz wenig für die immerhin 20 aufsehenerregende Attentate umfassende Anschlagsserie zu interessieren schienen. Daneben gab es aber wohl auch noch welche, die zwar irgendwie etwas herausfinden wollten, aber nichts Greifbares in der Hand hatten, zudem aber auch jede Gelegenheit verpassten, einmal im richtigen Moment nachzuhaken.

Geheimdienstler wollten, durften aber nicht

In letztgenannte Kategorie muss man wohl den ehemaligen Geheimdienstchef Charles Hoffmann einstufen. Er und der Srel wollten nämlich eigenen Aussagen zufolge nichts lieber, als die Bommeleeër zu fassen. Der Geheimdienst sei aber laut Hoffmann damals trotz seiner Möglichkeiten nur bedingt eingebunden worden und vielmehr regelrecht „im Regen stehen gelassen“ worden.

Hoffmann musste sich vor Gericht aber auch den Vorwurf gefallen lassen, dass er nach der Observierung Geibens am Wochenende des Justizpalast-Attentats (Oktober 1985) und dem Kaudé-Bericht zu den Verdachtsmomenten gegen Steil nicht ausreichend reagiert und nicht einfach mal nachgehakt hatte. Hoffmann hatte sein (Nicht-)Handeln damit begründet, dass es eine Aktion der Gendarmerie gewesen sei und er angenommen habe, dass die zuständigen Beamten sowieso Bescheid wüssten – eine Fehlannahme.

Bourg bringt sich selbst bei Geiben-Observierung ins Spiel

Colonel Charles Bourg, einst beigeordneter Kommandant der Gendarmerie, sieht sich selbst wohl in einer Kategorie mit Charles Hoffmann. Seine Auftritte vor Gericht bringen ihn aber eher in die Nähe der zweiten Sparte. Bourg verblüffte nämlich vor allem durch ein offensichtlich stark ausgeprägtes Desinteresse an der Affäre – er selbst führte hierzu das enorme Arbeitspensum damaliger Tage ins Feld.

Zum anderen überraschte er mit neuen Aussagen, die ihn zu einem Zwischenglied in der verworrenen Kette der Geiben-Observierung werden lassen. Dumm nur, dass Bourgs Aussagen von keinem der anderen Protagonisten bestätigt werden und sowieso nur schwer nachvollziehbar sind.

"Steil will gewusst haben, wer die Bommeleeër sind"

Abermals auf ein von vornherein inszeniertes Spiel, um Geiben in den Fokus zu rücken, deuten allerdings die Aussagen Bourgs hin, dass Steil ihm bereits am Freitagnachmittag gesagt haben soll, dass Geiben nicht nach Luxemburg kommen würde. Steil hatte bekanntlich aber dessen Beschattung am Samstag dennoch anlaufen lassen.

Bourg hatte diesbezüglich aber ebenso wenig nachgehakt wie im Jahre 2003, als derselbe Jos Steil ihm – damals bereits im Ruhestand – gesagt haben soll, er wisse, wer die Bommeleeër seien. Bourg will damals weder gefragt haben, wer es denn sei, noch woher Steil dies wissen wolle. Stattdessen will er ihm geraten haben, sich an die zuständigen Behörden zu wenden.

Prosper Klein: Ein Mann klarer Worte

Den heutigen Vorsitzenden der 13. Kammer am Bezirksgericht Luxemburg, Prosper Klein, kann man hingegen ohne Bedenken der ersten Kategorie zuordnen. Als frischgebackener Untersuchungsrichter war er damals zweifelsfrei hochmotiviert an die Ermittlungen herangegangen, hatte aber schnell feststellen müssen, dass er aus Gendarmerie-Kreisen nicht viel Hilfe erwarten konnte. Vor Gericht sparte Klein, bekannt für deutliche Worte, denn auch nicht mit Kritik an den Offizieren.

Am kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll nochmals Charles Bourg aussagen. In den Folgetagen soll Pierre Reuland zu den Ereignissen um das Justizpalast-Attentat befragt werden.


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