Bommeleeër-Prozess

Stay Behind bekommt ein Gesicht

Ehemalige „Plan“-Agenten sagen am Donnerstag als Zeugen aus

Widersprüchliche Aussagen: Georges Zenners und Guy Stebens am Mittwoch vor der Verlesung des Protokolls ihrer Gegenüberstellung.
Widersprüchliche Aussagen: Georges Zenners und Guy Stebens am Mittwoch vor der Verlesung des Protokolls ihrer Gegenüberstellung.
Foto: Guy Jallay

(str) - Am Donnerstag bekommt der Luxemburger Ableger des Nato-Geheimnetzwerks Stay Behind erstmals ein Gesicht. Im Bommeleeër-Prozess werden nämlich zwei ehemalige „Plan“-Agenten als Zeugen angehört.

Auch wenn es nach 169 Verhandlungstagen immer noch nicht gelungen ist, die Täter und Hintermänner der Bombenattentate zu überführen, so hat „der“ Prozess aber mit Sicherheit eines geleistet: Er hat einen tiefen Einblick in die Geschicke des Großherzogtums zur Zeit des Kalten Kriegs gewährt. Erstmals wurde offen und im Detail über diese bislang kaum bekannten Seiten der zeitgenössischen Geschichte diskutiert und die geheimen Pläne für den Fall einer Sowjet-Invasion erläutert.

Zu Wort kamen in diesem Zusammenhang neben mehr oder weniger glaubwürdigen Zeugen bislang nur Politiker und die Agentenführer und -ausbilder des geheimen Stay-Behind-Netwerks. Am Donnerstag werden nun erstmals zwei Mitglieder der letzten Garde dieser für den Kriegsfall vorbereiteten Resistenzler aussagen, die, wie es scheint, alles aber nur keine Kampftruppe sein sollten.

Schneider und Dillenburg als Zeugen

Vorgeladen ist am Donnerstag ebenfalls der ehemalige Srel-Mitarbeiter Frank Schneider, der gemeinsam mit seinem Kollegen André Kemmer die Hypothese aufgestellt hatte, dass Stay Behind hinter den Bommeleeër-Attentaten stecken könnte. Der vierte Zeuge, der am Donnerstag angehört werden wird, ist der ehemalige Generalsekretär der Abgeordnetenkammer Pierre Dillenburg. Er soll über mögliche „Bommeleeër-Dossiers“ im Parlament aussagen.

Die Konfrontation im Wortlaut

Die Sitzung am Mittwoch war indes weit weniger spektakulär. Es wurde nämlich lediglich das Protokoll der 87. Sitzung verlesen. Am 14. November waren Guy Stebens und Georges Zenners, beide Mitglieder der Observierungseinheit GOR, vor der Kriminalkammer wegen ihren widersprüchlichen Aussagen gegenüber gestellt worden. GOR-Leiter Stebens hatte ausgesagt, von Zenners Details über die Geiben-Beschattung erhalten zu haben – ein Umstand den Zenners bestreitet. Uneins waren sich die beiden Ex-Gendarmen auch bei der Frage, wann die Observierung vorbereitet wurde – Stebens zufolge über Tage hinweg, Zenners zufolge sehr kurzfristig. Überrascht zeigte sich die Kriminalkammer zudem darüber, dass Zenners aussagte, jeder im GOR habe von der Beschattung Bescheid gewusst. Nach der Explosion am Justizpalast habe der GOR sich im Hauptquartier getroffen und dabei auch über die Geiben gesprochen, und auch am darauf folgenden Montag sei diese thematisiert worden.

Am Ende der 169. Sitzung unterzeichneten sowohl Stebens wie auch Zenners das Verhandlungsprotokoll. Der beigeordnete Staatsanwalt Oswald beantragte in der Folge, dieses zwecks weiterer Ermittlungen an den Untersuchungsrichter weiterzuleiten.