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Bommeleeër-Prozess: Militärmanöver werfen Fragen auf
Lokales 3 Min. 25.04.2013

Bommeleeër-Prozess: Militärmanöver werfen Fragen auf

Bommeleeër-Prozess: Militärmanöver werfen Fragen auf

Lokales 3 Min. 25.04.2013

Bommeleeër-Prozess: Militärmanöver werfen Fragen auf

Am 27. Verhandlungstag des Bommeleeër-Prozesses wiederholte die Verteidigung am Mittwoch ihre Forderung nach einer Hausdurchsuchung bei der Armee sowie nach neuen Ermittlungen und Zeugenanhörungen in Sachen Stay Behind.

 (gs) - Am 27. Verhandlungstag des Bommeleeër-Prozesses wiederholte die Verteidigung am Mittwoch ihre Forderung nach einer Hausdurchsuchung bei der Armee sowie nach neuen Ermittlungen und Zeugenanhörungen in Sachen Stay Behind.

Hintergrund sind Informationen eines anonymen Soldaten, die das Gericht am Montag via den Srel erhalten hatte. Besagter Soldat, der identifiziert und vor Gericht gehört werden soll, hatte dem späteren Armee-Chef Colonel Armand Bruck attestiert, im Frühling 1984 ein auffälliges Interesse an den Sendemasten im Raum von Beidweiler gesehen zu haben.

Am 30. Mai sowie am 2. Juni waren zwei Sprengstoffanschläge auf einen Sendemasten nahe Beidweiler verübt worden. Im gleichen Zeitraum soll in der Region Beidweiler auch ein geheimes Militärmanöver stattgefunden haben, ähnlich jenem von „Ösling 84“.

In Zusammenhang mit derartigen Manövern legte die Verteidigung dem Gericht die Kopie eines alten Fotos vor, auf dem laut Me Vogel und Me Lydie Lorang, neben Luxemburger und US-amerikanischen Militärs auch zwei Srel-Leute erkannt haben wollen – darunter jener Geheimdienstler, der als Verantwortlicher des Stay Behind in Luxemburg galt.

Stay-Behind-Spur vernachlässigt?

Die Verteidigung fühlt sich durch die Hinweise des unbekannten Soldaten, das Foto, dessen Hintergrund erstmal geklärt werden muss, sowie Aussagen von mutmaßlichen Zeugen, die RTL ausfindig gemacht hatte, in ihrer Annahme bestätigt, dass der Stay Behind auch in Luxemburg aktiv gewesen sei und auch als Urheber von Sprengstoffanschlägen in Frage komme. Die Verteidigung wurde denn auch am Mittwoch nicht müde, zu betonen, dass der Spur „Stay Behind“ nicht ausreichend nachgegangen worden sei.

Wie im Fall von Ben Geiben sei auch in Sachen Stay Behind nachlässige ermittelt worden, dies „intentionellement“, weil „entre copains“, wie Me Vogel mutmaßte.

Zum Stay Behind machte Me Vogel auch darauf aufmerksam, dass durch die jüngsten Informationen auch die Aussagen von Ehrenstaatsminister Jacques Santer sowie Ex-Srel-Direktor Charles Hoffmann widerlegt seien, gemäß derer der Stay Behind nie aktiv auf Luxemburger Terrain in Erscheinung getreten sei.

Me Vogel kündigte bereits an, an beide eine ganze Reihe von Fragen zu haben, wenn diese vor Gericht als Zeugen erscheinen.

Erinnerungslücken zuhauf

Mit „Bis hier hin und nicht weiter“ soll seinerseits im April 2006 der damalige Polizeichef Pierre Reuland die fortschreitenden Ermittlungen im Bommeleeër-Dossier kommentiert haben, als die zuständigen Beamten in der Polizeizentrale eine Durchsuchung vornehmen wollte. Diese Aussage Reulands passte insofern ins Bild, da dieser an jenem Tag, wie auch während der gesamten Ermittlungen eine spezielle Attitüde an den Tag gelegt habe, wie Ermittler Carlo Klein erklärte. Bekanntlich war Reuland 2008 aufgrund eben jenes Verhaltens im Bommeleeër-Dossier seines Posten als Polizeigeneraldirektor enthoben worden.

Ebenfalls ein fragwürdiges Gebaren zeigten die andern einstigen Offiziere der Gendarmerie-Spitze während den Bommeleeër-Ermittlungen Mitte der 2000er-Jahre. Die von Ermittler Klein am Mittwoch vorgetragenen Aussagen des ehemaligen Sûreté-Chefs Armand Schockweiler zur Spur „Ben Geiben“ standen den bereits gehörten Erklärungen von Pierre Reuland und Guy Stebens in puncto Erinnerungslücken, Widersprüchen und ausweichenden Antworten in nichts nach.

Die vorsitzende Richterin Sylvie Conter stellte in diesem Kontext denn auch laut die Frage, ob möglicherweise alle Offiziere seinerzeit eine Schulung besucht hätten, in der ihnen beigebracht worden sei, wie man auf konkrete Fragen einfach keine Antwort gibt.

Biever vs. Mille vor Gericht?

Der Bommeleeër-Prozess wird heute Nachmittag mit weiteren Elementen der Spur „Ben Geiben“ fortgesetzt. In Bezug auf die von Generalstaatsanwalt Robert Biever zurückgewiesenen Informationen, dass er Kenntnis von einer konkreten These des Srel zur Verstrickung des Stay Behind in die Attentatsserie gehabt haben soll, forderte Me Vogel übrigens am Mittwoch eine Konfrontation des Ex-Srel-Direktors Marco Mille und Biever vor Gericht.


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