Bommeleeër-Prozess: Italienischer Gladio-Ermittler soll zu Stay Behind aussagen

Die Verteidigung im Bommeleeër-Prozess will den früheren italienischen Staatsanwalt Felice Casson als Zeugen aussagen lassen.

Das Bombenattentat von Bologna am 2. August 1980 forderte 86 Todesopfer. Die neofaschistischen Urheber wurden vom italienischen Stay Behind-Ableger Gladio unterstützt.
Das Bombenattentat von Bologna am 2. August 1980 forderte 86 Todesopfer. Die neofaschistischen Urheber wurden vom italienischen Stay Behind-Ableger Gladio unterstützt.
Foto: Steve Remesch

(mth) - Die Verteidigung im Bommeleeër-Prozess bleibt konsequent auf ihrer Linie und will in den kommenden Wochen offenbar weiterhin versuchen, Belege für eine mögliche Verflechtung der geheimen paramilitärischen Organisation „Stay Behind“ in die Bombenanschläge in Luxemburg zu finden.

In diesem Zusammenhang beklagte Me Gaston Vogel, dass die Verteidigung noch immer nicht über die beim Geheimdienst Srel beantragten Unterlagen zu Stay Behind verfüge. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts über eine Aufhebung der Geheimhaltung stehe noch immer aus. Das Gericht will dennoch mögliche Verdachtsmomente im Zusammenhang mit Stay Behind in den kommenden Wochen beleuchten. Dabei dürfte sie auch dem Antrag der Verteidigung nachkommen, Jacques F. Poos als Zeugen anzuhören, der zwischen 1984 und 1999 luxemburgischer Außenminister war.

Felice Casson und der Terror der "bleiernen Jahre"

Am Mittwoch beantragte Me Gaston Vogel zudem die Anhörung des italienischen Richters Felice Casson als Zeuge, der in den 1980er Jahren die Hintergründe einer Reihe von blutigen Anschlägen während der so genannten „bleiernen Jahre“ in Italien aufdeckte. Casson konnte 1984 Vincenzo Vinciguerra als Urheber eines Bombenanschlags in Peteano im Mai 1972 überführen, bei dem drei Carabinieri starben.

Es stellte sich heraus, dass Vinciguerra, der Mitglied der neofaschistischen Organisation „Ordine Nuovo“ war, von einem weit gefächerten und ausgezeichnet organisierten Netz von Helfern in der Zivilbevölkerung, der Polizei, den Geheimdiensten und der Politik unterstützt worden war.

Neofaschisten und Stay Behind-Agenten

Casson deckte nach und nach die Verbindungen zwischen rechten Terrorgruppen und Gladio auf, dem italienischen Ableger der Stay-Behind-Organisation der Nato. Ziel der Anschläge, die ihren blutigen Höhepunkt am 2. August 1980 beim Bombenattentat auf den Bahnhof von Bologna fanden, war es, politische Spannung gegen die Linke zu erzeugen, indem etwa durch gezielte Manipulation durch Gladio-Agenten innerhalb der Sicherheitskräfte systematisch die kommunistischen Terroristen der Brigate Rosse für die Attentate verantwortlich gemacht wurden.

Casson gilt seitdem als Experte zum Thema Stay Behind und hat mehrere Bücher zu dem Thema geschrieben. Er ist weiterhin als Richter tätig und gehört als Mitglied der Mitte-links-Partei Partito Democratico dem italienischen Senat an. Welchen Beitrag Casson zur Aufklärung der Hintergründe der Anschläge in Luxemburg liefern soll, ist bisher nicht bekannt. Er dürfte zwar generelle Informationen zur Organisation und Funktionsweise von Stay Behind in Italien liefern können, aber die Frage stellt sich, inwiefern diese im Rahmen des Bommeleeër-Prozesses relevant sind.