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Bommeleeër-Prozess: Exhumierung von Johannes Kramer beantragt
Lokales 2 Min. 19.09.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Exhumierung von Johannes Kramer beantragt

Ist Andreas Kramer ein Lügner oder nicht. Diese Frage spaltet weiter die Prozessbeobachter.

Bommeleeër-Prozess: Exhumierung von Johannes Kramer beantragt

Ist Andreas Kramer ein Lügner oder nicht. Diese Frage spaltet weiter die Prozessbeobachter.
Foto: Anouk Antony
Lokales 2 Min. 19.09.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Exhumierung von Johannes Kramer beantragt

Im Bommeleeër-Prozess war am Donnerstag der Name Kramer wieder in aller Munde. Grund war eine DNA-Analyse, die Spuren des Ex-BND-Agenten Johannes Kramer zwar nicht als Verfasser der Erpresserbriefe bestimmt, dies aber auch nicht ausschließen kann.

(gs) - Im Bommeleeër-Prozess war am Donnerstag der Name Kramer und auch Stay Behind wieder in aller Munde – vor allem in jenem der Verteidigung. Grund war eine DNA-Analyse, die den ehemaligen BND-Agenten Johannes Kramer zwar nicht als Verfasser der Erpresserbriefe bestimmt, dies aber auch nicht ausschließen kann. Eine Exhumierung von Kramers Leiche könnte Abhilfe leisten.

Der Deutsche Andreas Kramer hatte bekanntlich im April vor Gericht behauptet, sein Vater habe die Attentatsserie im Rahmen des Stay-Behind-Netzwerks organisiert, dies gemeinsam mit Luxemburgern Geheimdienstlern. Ein DNA-Vergleich von Andreas Kramers Genmaterial mit jenem, das auf den Erpresserbriefen und anderen Dokumenten sichergestellt worden, sollte daher im besten Fall klären, ob sein Vater, Johannes Kramer, der Verfasser eines der Erpresserschreiben war.

Antwort: Das kann sein, muss aber nicht. Dem diesbezüglichen Gutachten ist nämlich zu entnehmen, dass eine Übereinstimmung mit den sichergestellten Spuren und der DNA von Andreas Kramer nicht auszuschließen ist.

Klarheit nur durch DNA-Abgleich mit Vater

Die verantwortliche Sachverständige Dr. Elisabet Petkovski erklärte am Donnerstag vor dem Richterpult, dass die Ergebnisse eher gegen eine Übereinstimmung sprächen. Bei einem Spurenträger könne aber eben nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Übereinstimmung gibt. Klarheit könne nur ein direkter DNA-Abgleich mit dem Vater ergeben.

Johannes Kramer ist allerdings bereits verstorben. So müsste man auf einen persönlichen Gegenstand des Ex-BND-Agenten zurückgreifen – oder gleich dessen Leiche exhumieren. Verteidiger Me Vogel formulierte sogleich einen entsprechenden Antrag auf Exhumierung und reichte diesen ein.

Wasser auf Mühlen der Stay-Behind-Theorie

Denn: So mancher mag Zweifel an der Aussagekraft des DNA-Gutachtens haben, für die Verteidigung ist es allerdings Wasser auf die Mühlen ihrer Stay-Behind-Theorie. „Wenn es der Wahrheit entspricht, dass Kramer etwas mit den Erpresserbriefen zu tun hatte, dann hängt der Stay Behind tief in der Sache drin. Der Zeuge Andreas Kramer scheint mir auf jeden Fall immer glaubwürdiger“, so Me Vogel nach der Sitzung.

Seine Kollegin Me Lydie Lorang ihrerseits machte auf einen anderen Umstand aufmerksam: „Im Spurenmaterial findet man Kramer, Steil und Geiben, aber nicht Wilmes oder Scheer. Das müsste doch eigentlich für sich sprechen.“

Exhumierung noch nicht richterlich angeordnet

Bleibt abzuwarten ob ein weiterer DNA-Vergleich zustande kommt. Und ob dafür eine Exhumierung vorgenommen wird. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits hatte keinerlei Einwände gegen eine solche. Der Ball liegt also nun beim Gericht, das am Donnerstag zumindest noch keine solche Maßnahme anordnete.

Der Prozess wird nun erst einmal am Montag fortgesetzt. Dann soll sich Kriminalpolizei-Chef Patrice Solagna zu seinem Verhalten gegenüber den Bommeleeër-Ermittlern äußern. In den Folgetagen wird voraussichtlich ein BKA-Beamter die Fallanalyse des Bundeskriminalamts erläutern.


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