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Bommeleeër-Prozess: die Spannung steigt
Lokales 3 Min. 23.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: die Spannung steigt

Colonel Aloyse Harpes: Hat er sich als Gendarmerie-Kommandant in die Ermittlungen eingemischt?

Bommeleeër-Prozess: die Spannung steigt

Colonel Aloyse Harpes: Hat er sich als Gendarmerie-Kommandant in die Ermittlungen eingemischt?
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 23.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: die Spannung steigt

„A chacun sa vérité“: Die französische Redewendung trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf, wenn man auf diese Woche im Bommeleeër-Prozess zurückblickt. Markige Sprüche gab es denn auch zur Genüge vor der Kriminalkammer, vor allem aber gab es eines: Widersprüche!

(str) - „A chacun sa vérité“: Die französische Redewendung trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf, wenn man auf diese Woche im Bommeleeër-Prozess zurückblickt. Markige Sprüche gab es denn auch zur Genüge vor der Kriminalkammer, vor allem aber gab es eines: Widersprüche!

Reuland widersprach Kaudé, Zenners und Thill. Harpes widersprach Klein. Der widersprach wiederum Schockweiler... und so könnte man die Liste schier endlos weiterführen. Spannend wird auf jeden Fall die Frage, wie das Gericht schlussendlich mit jenen Aussagen umgehen wird, die einfach nicht passen wollen.

Montag: Die große Stieber-Show

Einen beeindruckenden Auftritt legte Ex-GOR-Ermittler Armand Stieber am Montag aufs Parkett. Prozessbeobachter dürften sein gutes Gedächtnis als eine willkommene Abwechslung empfunden haben. Alle Insider-Informationen, die die Attentäter im siebten Erpresserbrief offenbart hatten, seien damals über den Polizeifunk gegangen, sagte er. Einen Observierungs-Lieferwagen, in dem Stieber im Parkhaus am Theaterplatz auf der Lauer lag, hatten die Täter offensichtlich nicht bemerkt. Interessant war auch Stiebers Aussage zum Anschlag am Kirchberg: Er zeigte sich überzeugt, dass der Sprengsatz nicht wie bislang angenommen, aus einem fahrenden Auto geworfen wurde. Vielmehr sei die Bombe gelegt worden.

Stieber nahm zudem kein Blatt vor den Mund, als es um die Frage ging, warum die Attentatsserie nicht aufgeklärt wurde: Wegen des gravierenden Fehlverhaltens der Gendarmerie in Bezug auf die Geiben-Beschattung, hätten auf allen Ebenen Köpfe rollen müssen. Doch dazu habe es nicht kommen dürfen! BMG-Mann Jos Steil, sagte Stieber aus, habe sich kurz vor seinem Tod etwas von der Seele reden wollen. Doch dazu kam es nie. Bei der Frage, wer denn der Bommeleeër sei, habe er sich selbst beschrieben. „Sief frou, datts du net alles weess“, habe Steil zudem zum GOR-Mann und späteren Ermittler Jean-Claude Berscheid gesagt, erklärte dieser am Dienstag vor der Kriminalkammer.

Dienstag: Berscheid und der General

Der GOR habe acht mögliche Terrorziele ausgemacht, die es zu überwachen gegolten habe, erklärte Berscheid. Doch die Offiziere hätten das zurückgewiesen. An dreien dieser Orte habe es schließlich geknallt: am Justizpalast, am Findel und beim Gipfeltreffen in Kirchberg. Als Tatmotiv kommt für Berscheid Machtgier in Frage. Damals sei die Einführung eines Gendarmerie-Generals im Gespräch gewesen, der dann Chef über eine 800 Mann starke Truppe gewesen wäre.

Berscheid betonte zudem, der Bommeleeër-Fall sei der einzige Fall gewesen, in den sich je Offiziere eingemischt hätten. Genau das sei der Grund, warum die Affäre nicht aufgeklärt worden sei, meinte Ex-Untersuchungsrichter Prosper Klein, der am Mittwoch angehört wurde. Klein zeigte sich zudem überzeugt davon, dass der FBI-Bericht gezielt unterschlagen wurde, „well en décke Fanger op den eegene Camp gewisen huet.“

Mittwoch: Klein vs. Harpes vs. Schockweiler

Harpes sage nicht die Wahrheit, wenn er behaupte, er habe sich nicht in die Ermittlungen eingemischt, betonte Klein weiter. Das Gleiche gelte für Harpes' Darstellung von der Versetzung der Ermittler Schons und Haan. Auf Kollisionskurs ging Harpes dann am Mittwoch mit Ex-Sûreté-Chef Armand Schockweiler: Laut Harpes habe Schockweiler ihn montags über die Geiben-Überwachung informiert. Schockweiler stritt das ab. „Dann huet den Här Schockweiler elo e Problem“, schlussfolgerte, der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald.

Donnerstag: Alle gegen Pierre Reuland

Am Donnerstag waren aller Augen auf Ex-BMG-Chef Pierre Reuland gerichtet. Fünf Zeugen hatten ausgesagt, dass Reuland eine Schlüsselrolle in der Geiben-Beschattung gespielt habe – drei davon standen am Donnerstag neben Reuland im Zeugenstand. Doch Reuland bestritt vehement, überhaupt von der Observierung gewusst zu haben. Ex-Srel-Agent Armand Kaudé behauptete genau wie Ex-Polizist Alain Thill, Reuland habe die Einsatzbesprechung im Vorfeld geleitet. Ex-Polizist Zenners versicherte, er habe Reuland am Samstagnachmittag die misslungene Observierung Geibens gemeldet. Kaudé wiederum betonte außerdem, Reuland habe ihn nachts über Geibens Aufenthaltsort informiert. Zudem habe er kurze Zeit später anderen Agenten Bilder von Geiben gezeigt.

Für die vorsitzende Richterin bleibt die Geiben-Beschattung auf jeden Fall ein Kernelement im Bommeleeër-Dossier: „Wir sind noch immer der Meinung, dass an diesem Wochenende etwas passiert sein muss, oder entdeckt wurde, das alles veränderte“, schlussfolgerte sie.


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