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Bommeleeër-Prozess: Der Geiben-Jäger
Lokales 3 Min. 10.03.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Der Geiben-Jäger

Dieses Phantombild wurde anhand der Aussagen von Armand Giwer erstellt.

Bommeleeër-Prozess: Der Geiben-Jäger

Dieses Phantombild wurde anhand der Aussagen von Armand Giwer erstellt.
Lokales 3 Min. 10.03.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Prozess: Der Geiben-Jäger

Für die breite Öffentlichkeit kam erst durch die Medienberichterstattung im Jahr 2005 Bewegung in das Dossier Bommeleeër. Hinter den Kulissen liefen die Ermittlungen aber bereits 1997 – nachdem ein Zeuge Geiben direkt beschuldigt hatte.

(str) - Für die breite Öffentlichkeit kam erst durch die Medienberichterstattung im Jahr 2005 Bewegung in das Dossier Bommeleeër. Sie erhöhte zwar sicher den Aufklärungsdruck, der Auslöser für die Ermittlungen, die 2013 zum umfangreichsten Gerichtsverfahren der Luxemburger Kriminalgeschichte führten, war allerdings ein Treffen der Ermittler, der Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichterin Anfang 1997.

Das Gespräch, das sich bis spät in die Nacht zog, drehte um die mögliche Verjährung der Attentatsserie. Dabei wurde gemeinsam nach möglichen Ansatzpunkten für neue Ermittlungen gesucht – und sie wurden gefunden: Die mysteriösen Umstände des Rechtshilfeersuchens zu Ben Geiben in Brüssel und insbesondere das fragwürdige Vorgehen von Sûreté-Chef Schockweiler.

Nur kurze Zeit später, am 17. Januar 1997 ging bei der Staatsanwaltschaft ein Brief ein. Armand Giwer, ein Holzhändler, der am heutigen Montag als Zeuge vorgeladen ist, bezichtigte darin direkt Ben Geiben der „mögliche und wahrscheinliche Anstifter“ der Attentatsserie zu sein. Giwer war den Ordnungshütern als zuverlässiger Informant der Merscher Gendarmerie bekannt. Für die Ermittler galt Giwer als Hobby-Kriminalist, der offenbar von Ermittler Jean Disewiscourt bestens mit Informationen zum Dossier versorgt wurde. Giwer hatte zudem offenbar Kontakte zum Geheimdienst. Für die Bommeleeër-Ermittler stellte sich später die Frage, ob der Srel Giwer nicht benutzt haben könnte, um an Informationen zum Dossier zu gelangen.

Geibens Profil

In einem weiteren Brief vom 30. November 1998 an Robert Biever betonte Giwer, dass das „psychiatrische Profil“ der Attentäter jenem von Geiben entspreche, dass das psychologische Profil keinen Zweifel lasse, dass Geiben ein Motiv habe und, dass auch der Code „c23y78“ auf ihn hindeute. Die Vorgehensweise, die praktischen und technischen Fähigkeiten, das Wissen um die Lagerung von Sprengstoff, die Kenntnis des Terrains, die vertraulichen Informationen, die Insider-Informationen und angewandte Taktik würden keinen Zweifel zulassen. Der Anschlag auf Colonel Wagner sei der „bouquet final“, ein Feuerwerk, das „gewisse Leute“ sich bis zum Schluss aufgehoben hätten. Die Attentäter hätten sich damit den Frust von der Seele gebombt, wie ein „weißer Ritter, der auf die Fehler im System hinweisen wollte“.

Armand Giwer will auch die Anzeige „trèfle noir cherche voilier“ entziffert haben. Das Kleeblatt stehe für die Zahl 3, das Segelboot für die 1. Für Giwer eine optimale Konstellation: Ein Kopf und drei Vollstrecker. Vom französischen Geheimdienst will Giwer zudem erfahren haben, dass Bernard John Geiben, „von der Bevölkerung mit den Attentaten in Verbindung gebracht“ worden sei, er im Juni 1986 aber Alibis vorgelegt habe.

Findel: Attentat mit Vorankündigung

Holzhändler Giwer hatte zudem bereits während der Attentatsserie Untersuchungen zum geografischen Vorgehen der Täter angestellt. Dabei hatte er offenbar kurz vor dem Attentat am Findel einen Brief an Colonel Harpes verfasst, in dem er auf die Eminenz eines Anschlags am Findel hinwies. Der Brief erreichte die zuständigen Ermittler aber, wie es scheint, erst Tage nach der Explosion.

Kurz vor dem Anschlag in Heisdorf will Giwer zudem die Attentäter beobachtet haben. Er habe an jenem 30. November 1985 gegen 12 Uhr im Dommeldingerberg gemeinsam mit einem Transportunternehmer Baumstämme verladen, als sich aus der Richtung des Tatorts zwei Fahrzeuge genähert hätten. Diese hätten dann etwa 100 Meter vor dem Lastwagen angehalten, so als ob die Insassen überlegt hätten, ob sie weiterfahren sollten oder wenden. Ein Auto sei von japanischer Marke gewesen. In einem Wagen hätten zwei Personen gesessen, im zweiten nur der Fahrer. Die Insassen hätten ein militärisches oder paramilitärisches Aussehen gehabt. 2005 sprach Giwer dann konkret von Polizeibeamten. Im Nachhinein wurde ein reichlich vages Phantombild erstellt. Gegenüber dem „Luxemburger Wort“ sagte Giwer 2012, er habe womöglich den Beschuldigten Jos Wilmes erkannt. Doch der hat ein wasserdichtes Alibi: Er war mit als Personenschutz von „Jupiter“, Grand-Duc Jean, bei der Jagd in den großherzoglichen Wäldern in Fischbach.

Giwer machte zudem gegenüber der Kriminalpolizei keinen Hehl aus seiner Motivation: „Natürlich sollen Sie wissen, warum diese Angelegenheit mich derart interessiert. Ich bin Geschäftsmann und es sind zehn Millionen zu verdienen.“