Bommeleeër-Prozess: der 168. Verhandlungstag

Srel-Vize gibt Hoffmann Schuld

Von Fehleinschätzungen und mangelndem Kooperationswillen

Die frühere Nummer zwei des Srel ließ Charles Hoffmann in einem schlechten Licht erscheinen.
Die frühere Nummer zwei des Srel ließ Charles Hoffmann in einem schlechten Licht erscheinen.
Guy Jallay

(mth) - Bei seiner Anhörung gab sich Rollinger recht auskunftsfreudig darüber, was aus seiner Sicht zur Zeit der Attentate beim Nachrichtendienst schief gelaufen sei. Neben sehr knappen Ressourcen und schlechten Beziehungen zu Justiz und Sicherheitskräften könnte demnach Charles Hoffmann für eine Reihe von Pannen verantwortlich sein.

Robert Rollinger kam 1981 zum Srel und wurde 1985 zum beigeordneten Direktor des Geheimdiensts unter Charles Hoffmann. Laut Rollinger habe es damals Diskussionen darüber gegeben, ob ein Armeeoffizier oder ein Zivilist den Dienst leiten sollte - der Jurist Rollinger zog den Kürzeren, Ex-Offizier Hoffmann wurde oberster Dienstherr des "Spëtzeldengscht". Bei der Anhörung Rollingers am Donnerstag vor Gericht wurde man daher den Eindruck auch nicht los, dass Rollinger die Gelegenheit nutzte, um auf eine gewisse Art und Weise mit seinem früheren Chef abzurechnen.

Besonders im Zusammenhang mit der fehlgeschlagenen Observation von Ex-BMG-Chef Ben Geiben im Oktober 1985, beziehungsweise der Frage, warum der diesbezügliche Bericht von Srel-Agent Armand Kaudé, in welchem dieser erhebliche Verdachtsmomente gegen BMG-Vize Jos Steil formulierte, nicht an den Untersuchungsrichter weitergeleitet wurde, ließ Rollinger durchblicken, dass Hoffmann sich zumindest einer groben Fehleinschätzung schuldig gemacht haben dürfte.

Fand Hoffmann Kaudé-Bericht "uninteressant"?

Laut Rollinger sei der besagte Bericht seines Erachtens nicht an die Justiz weitergeleitet worden, weil Hoffmann "aufgrund seines persönlichen Ermessens dies nicht für nötig hielt". Hoffmann sei wohl der Meinung gewesen, der Bericht Kaudés enthalte "keine interessanten Elemente", welche die Ermittler interessieren könnten. Charles Hoffmann hatte bei seiner Anhörung als Zeuge am vergangenen 5. Mai gesagt, er sei hinsichtlich des Berichts davon ausgegangen, "dass diese Informationen im Rahmen der normalen Ermittlungsstrukturen weitergegeben wurden".

Laut Rollinger hätte Hoffmann den Bericht jedoch bewusst nicht an die Justiz weitergeleitet. Über die Gründe für Hoffmanns angeblichen mangelnden Kooperationswillen kann nur spekuliert werden, doch auch hier ließ Rollinger seinen ehemaligen Chef in einem ungünstigen Licht erscheinen. Dass zwischen Hoffmann und Gendarmerie-Colonel Aloyse Harpes "Spannungen" bestanden hätten, war bekannt. Der frühere zweite Mann des Srel ließ jedoch am Donnerstag auch durchblicken, Hoffmann sei "vielleicht kein so guter Freund der Magistratur" gewesen, was "vielleicht vieles erkläre". Laut Rollinger habe zudem die Tatsache, dass Hoffmann Ben Geiben "sehr gut kannte" auch eine Rolle bei der Unterschlagung des Kaudé-Berichts gespielt.

Auch bezüglich des Berichts, den die US-amerikanische Bundesbehörde FBI 1986 zum Täterprofil und zu den Überresten der Sprengvorrichtungen erstellte und von dem der Untersuchungsrichter erst 2003 Kenntnis erlangte, als eine Kopie nach einer Hausdurchsuchung beim Srel gesichert wurde, lassen Rollingers Aussagen Zweifel an Hoffmanns Willen aufkommen, den Ermittlungsbehörden unter die Arme zu greifen. Der Bericht sei im Auftrag der Gendarmerie beim FBI angefordert worden, so Rollinger. Dies sei über den Srel gelaufen, da der Nachrichtendienst über die nötigen Kontakte verfügt habe. Er wisse jedoch nicht, was anschließend mit dem Bericht passiert sei, da Hoffmann "die Hand auf den Kontakten mit den Amerikanern gehabt habe".

Der Prozess wird aus organisatorischen Gründen erst am kommenden Mittwoch mit der Vorlesung des Protokolls der Gegenüberstellung Guy Stebens und Georges Zenners fortgesetzt.