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Bommeleeër: „Orchestréierungen an Instrumentaliséierungen“
Lokales 6 Min. 27.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Orchestréierungen an Instrumentaliséierungen“

Marcel Weydert wird sich am Montagnachmittag vielen Fragen stellen müssen.

Bommeleeër: „Orchestréierungen an Instrumentaliséierungen“

Marcel Weydert wird sich am Montagnachmittag vielen Fragen stellen müssen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 6 Min. 27.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Orchestréierungen an Instrumentaliséierungen“

Die Anhörung von Ex-Elitegendarm Marcel Weydert am vergangenen Donnerstag wirft mehr Fragen auf, als es bisher Antworten gab. Insbesondere Weyderts kryptische Worte aus dem Brief an Marc Scheer lassen viel Spielraum für Interpretationen.

(str) - Die Anhörung von Ex-Elitegendarm Marcel Weydert am vergangenen Donnerstag wirft mehr Fragen auf, als es bisher Antworten gab. Insbesondere Weyderts kryptische Worte aus dem Brief an Marc Scheer lassen viel Spielraum für Interpretationen.

Rückblick: Alles begann mit einem Foto. Auf dem Bild von LW-Fotograf Lé Sibenaler sind zwei Männer im Gendarmerie-Drillich zu sehen – Marc Scheer und ein großgewachsener, hagerer Mann. Im Prozess behaupteten dann sowohl Jos Wilmes wie auch Marcel Weydert jener Mann auf dem Bild zu sein. Wilmes war laut BMG-Logbuch an jenem Abend mit Scheer im Einsatz. Den Aussagen von Wilmes und Scheer zufolge waren beide sowohl in Asselscheuerhof als auch bei den Kasematten wie auch später auf Patrouille gemeinsam unterwegs.

Wilmes untermauerte seine Präsenz auf dem Bild am Donnerstag, indem er dem Gericht seine Pfeife zeigte, die er während kurzer Zeit geraucht hatte. Er habe bloß in Erinnerung gehabt, das sei erst später gewesen, sagte er. Marcel Weydert hingegen hatte an jenem Tag Urlaub. Dennoch sei er zum Tatort gerufen worden, behauptete Weydert. Scheer habe ihn am Verlorenkost abgeholt und gemeinsam seien sie zu den Kasematten gefahren.

Weydert und die Lüge

Vor der Kriminalkammer wollte Weydert seine Darstellung damit belegen, dass Scheer ihm 2012 eine E-Mail geschrieben habe, in der er seine Anwesenheit bestätigen würde. Doch tatsächlich hatte Scheer Weydert nur gefragt, ob dieser bestätigen könne, dass er auf dem Bild sei. Als die Richterin Weydert fragte, ob er Scheer geantwortet habe, meinte er, ja, mündlich. Der Kriminalkammer war allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass Weydert Scheer einen Brief geschrieben hatte. Marcel Weydert war der Lüge überführt und auch seine Schilderung des Abends, an dem die Bombe in den Kasematten explodierte, fiel plötzlich wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

In den drei Anhörungen hatte Marcel Weydert wahrlich keinen leichten Stand. Von allen Seiten wurde er mit Fragen gelöchert. Der Druck auf den Zeugen war enorm. Doch was ihn ab Montag erwartet, wird das Bisherige sicherlich in den Schatten stellen.

Der Zeuge Weydert hat sich nämlich durch die ungewöhnliche Art und Weise, wie er Kontakt zu Marc Scheer aufgenommen hat, mehr als nur verdächtig gemacht. Auf die E-Mail von Marc Scheer hatte er nicht geantwortet. Als Scheer versuchte, ihn telefonisch zu erreichen, verweigerte er das Gespräch. Dann fuhr er abends zu Scheer nach Hause und übergab ihm auf – laut Scheer – sehr geheimnistuerische Weise einen Brief. Reden wollte er auch zu diesem Zeitpunkt nicht. In der Verhandlung am Donnerstag wurde deutlich, dass der Kriminalpolizist Weydert befürchtete, von den Bommeleeër-Ermittlern abgehört zu werden. „Ech wollt évitéieren, ze telefonéieren“, sagte er.

„Hänke geloos ginn“

Für jemand, der sich nichts vorzuwerfen hat, ist dieses Benehmen sicher fragwürdig. Weyderts Erklärung leuchtet aber dennoch ein: „Well mer zënter 2006/2007 als BMG offiziell am Viséier waren“. Der Verdacht gegen die BMG sei einfach in den Raum gestellt worden und dann „si mer einfach an der Loft hänke geloos ginn.“ In den Fluren der Kriminalpolizei sei viel über die ehemaligen BMG-Mitglieder geredet worden. Später räumte er ein: „Ech hu mer vläit och zevill Gedanke gemaach“.

Nun wird Weydert aber auch Erklärungen zum Inhalt seines Schreibens geben müssen und das verspricht spannend zu werden. Zunächst einmal fällt in dem Brief die Sorge um eine mögliche Überwachung durch die Bommeleeër-Ermittler auf, eine Überwachung von der Weydert offensichtlich ausgeht. Er schrieb zudem, er hätte sich ohne das Foto wohl nicht mehr erinnern können, überhaupt an jenem Tatort gewesen zu sein – zumindest nach dem Anschlag, wie er hervorhob. Das Bild belege aber, dass er oft mit Jos Wilmes verwechselt worden sei. Er sei, nachdem das Bild in der Zeitung erschienen war, oft von Kollegen darauf angesprochen worden.

„Aus der ominéiser Zäit“

Besonders interessant erscheint jedoch der letzte Teil des Briefes: Weydert schreibt, der Zeitpunkt sei für „ominéis Personnagen aus där Zäit“ gekommen, um endlich Klartext zu reden, mit Interpretationen, Orchestrierungen und Instrumentalisierungen aufzuhören und sich nicht mehr hinter der Staatsraison zu verstecken.

Der Schluss des Briefes hatte den beigeordneten Staatsanwalt Georges Oswald in der Verhandlung am Donnerstag hellhörig werden lassen und das nicht ohne Grund. Weyderts Worte könnten nämlich in dem Sinne interpretiert werden, als dass die Bommeleeër-Anschläge von höherer Stelle in Auftrag gegeben worden sein könnten. Das wirft Fragen auf: Woher hat Weydert dieses Wissen? Wieso erzählt er Scheer davon? Ist das Täterwissen? War er auch vor dem Anschlag in den Kasematten? Wieso hat im Bezug auf den Brief gelogen? Weiß Weydert, wer die Attentäter und die Hintermänner sind? Oder spekuliert er nur?

Diese und sicher noch viele andere Fragen wird Marcel Weydert nun beantworten müssen. Seine Anhörung wird am Montag um 15 Uhr im großen Verhandlungssaal des Bezirksgerichts fortgesetzt.

Weyderts Brief im Detail:

In dem Schreiben spricht Weydert Scheer zunächst mit „du Schalk“ an – ein veraltetes Wort für einen Schelm oder einen listigen Spaßvogel.

Dann betont er, dass es ihm missfallen hat, dass Scheer versucht habe, ihn auf dem „virtuellen Weg“ über seine berufliche E-Mailadresse zu kontaktieren. Noch weniger gefällt ihm offensichtlich, dass Scheer versucht hatte, ihn per Telefon im Büro zu erreichen. Das sei wohl sehr zur Freude der Kollegen aus der Kriminalpolizei geschehen.

Weydert bestätigt, sich auf dem Kasematten-Foto wiedererkannt zu haben. Jedoch hätte er sich ohne das Bild nicht einmal daran erinnern können, überhaupt an dem Tatort gewesen zu sein – nach dem Anschlag, wie er betont. Er sei auch bereits von Kollegen auf das Foto angesprochen worden. Das Bild belege seine Aussagen aus dem Jahr 2006, als er betont hatte, öfters mit Wilmes verwechselt geworden zu sein.

Kryptisch mutet der zweite Teil des Briefes an: „Allerdéngs wier sécher bal den Zäitpunkt komm, wou bestëmmte Personnagen aus der ominéiser Zäit souwuel aus der Politik wéi och aus den Institutiounen géife Faarf bekennen an net dee Wischiwaschi vun Interpretatiounen, Orchestréierungen an Instrumentaliséierungen an sou weider, deen se bis elo vu sech ginn hunn, wann iwwerhaapt. Oder sech hannert der ominéiser Raison d’Etat verstoppen! Dat ass net näischt! Well do, wou mär elo stinn, dat kann et net sinn!“

Zum Schluss des Schreibens betont Weydert, Scheer solle ihn künftig über seine Postanschrift kontaktieren.


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