Bommeleeër: Null Null Giwer in Aktion

Zeuge Giwer: „Meiner Meinung nach sind Geiben und Bourg die Drahtzieher“

Holzhändler Armand Giwer: Zehn Millionen Franken Belohnung als Motivation für eigene Bommeleeër-Ermittlungen.
Holzhändler Armand Giwer: Zehn Millionen Franken Belohnung als Motivation für eigene Bommeleeër-Ermittlungen.
Foto: Serge Waldbillig

(str) - Einen Hauch von James Bond hatte die 143. Sitzung im Bommeleeër-Prozess. Der Zeuge Armand Giwer tat sehr geheimnisvoll, was die Herkunft seiner Informationen zum Bommeleeër-Dossier anging. Zu den Hintergründen seiner angeblichen Zusammenarbeit mit dem französischen Geheimdienst verweigerte er gar die Aussage. Klare Worte fand Giwer allerdings dazu, wer seiner Auffassung nach die Drahtzieher hinter der Attenatsserie sind: Ben Geiben und Charles Bourg.

„Wie sidd Dir Här Giwer?“ Immer wieder kam die Verteidigerin von Jos Wilmes, Me Lydie Lorang, am Montag auf diese Frage zurück. Der Holzhändler aus Mersch sage, er habe vom Srel Informationen bekommen, dann von den französischen Renseignements généraux und schließlich sage er, man habe ihm einen internen Bericht von Sûreté-Chef Schockweiler an Colonel Harpes in den Briefkasten geworfen, betonte Lorang.

Er habe nichts mit der CIA zu tun, sei leider nicht Teil von Stay Behind gewesen und mit dem Srel habe er nur viermal in vierzig Jahren zu tun gehabt, sagte Giwer zu Beginn seiner Anhörung. Seine Mitgliedschaft einem ausländischen „Thinktank“, der National Military Intelligence Association, habe ihm aber die Kontaktaufnahme mit den Geheimdiensten vereinfacht. Für das Bommeleeër-Dossier habe er sich auch, aber nicht nur wegen der ausgeschriebenen Belohnung interessiert.

Anschlag mit Ansage

Dass der nächste Anschlag am Flughafen Findel geschehe, da sei er sich bereits früh sicher gewesen. Sein Wissen zum Vorgehen von Kriminellen und zu deren Psychologie habe er sich angelesen. Auf einen Brief an Colonel Harpes, in dem er vor dem anstehenden Anschlag gewarnt habe, sei keine Reaktion erfolgt. Erst nach dem Anschlag und nur dank einem Gespräch mit Minister Fischbach habe er bei den Ermittlern Gehör gefunden.

Noch vor dem Anschlag habe er sich auch an den Srel gewendet und sei auch von Charles Hoffmann empfangen worden. Der habe ihm zwar zugehört, aber nichts dazu gesagt. Vor Gericht betonte Giwer am Montag, er sei dermaßen von seiner Theorie überzeugt gewesen, dass er sich am Tag vor dem Anschlag auf einem Sandhügel unweit vom Irrgarten auf die Lauer gelegt habe. Dabei habe auf einmal ein anderer Wagen hinter ihm angehalten. Die Insassen hätten ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet und sich als Mitarbeiter des „Éclairage public“ ausgegeben.

Es sei kein Geheimnis, dass er den Ermittler Jean Disewiscourt öfters an einer Bartheke in Bartringen getroffen habe. Zudem habe er immer gut zugehört, wenn die Ermittler unter sich über den Bommeleeër geredet hätten. Mit Disewiscourt habe er jedoch niemals über die BMG oder Ben Geiben gesprochen.

c23y78: Bourg, Geiben, Hoffmann

Er habe auch den Code der Bommeleeër „c23y78“ entziffert, sagte Giwer. Allseitiges Seufzen erntete er, als er dann betonte, entweder sei der Code frei erfunden, oder er habe etwas zu bedeuten. Dann erklärte Giwer, wenn c für die 3 stehen würde und y für 25, dann ergebe das 8778. Es könne aber auch sein, dass 2 für Bourg stehe, 7 für Geiben und 8 für Hoffmann. „Se wollten hier Spuer hannerloossen“, sagte er. „Dat muss awer net sinn.“ Das wahre Erkennungszeichen sei eh nicht der Code sondern die schief aufgeklebte Briefmarke gewesen.

„Do sëtzen déi relativ onschëlleg“, meinte Giwer in Richtung von Scheer und Wilmes. „Ech verstinn net firwat se de Kapp wëllen decken.“ Dann fuhr er fort: „Et ass jo mëttlerweil jiddereen d'Accord, datt de Steil de Verbindungsmann tëschent hinnen a gewëssen Offizéier wor“.

Frust als Motiv

Das Tatmotiv sei nicht das Verlangen nach materieller Aufstockung gewesen, sondern Frust, Unzufriedenheit, Abenteuerlust und Enttäuschung. „Do war dann och en Offizéier, deen onzefridde war mat senger Carrière“, so Giwer. „Vläit ass e ganz streng opgewuess an engem 'Law & Order'- Ëmfeld. E war vläit vill ze laang zweete Mann. Et war ee Mann, deen och Uerdnung wollt schafen. E Mann, deen an zivile Kreesser oft bei Ministere war. E Perfektionist. Vläit war en och enttäuscht, datt en eng batter Nidderlag erlidden hat.“

Als die vorsitzende Richterin ungeduldig wurde und Giwer aufforderte Namen zu nennen, meinte dieser, er habe zwei Offiziere im Visier: Geiben und Bourg. Später erklärte er, Geiben habe er wegen dessen Intelligenz unter Verdacht. Zu Bourg machte er Andeutungen, als habe dieser aus Rache gehandelt, weil Harpes an seiner Stelle Gendarmerie-Kommandant geworden sei.

Wilmes und das Alibi

Am Tag des Anschlags in Heisdorf habe er die Attentäter gesehen: Drei Männer in zwei Autos im Dommeldinger Berg. Obwohl er das gegenüber dem LW bereits Anfang 2012 erklärt hatte, betonte er am Montag im Zeugenstand, es sei ihm erst im vergangenen Jahr bewusst geworden, dass einer der Männer Jos Wilmes gewesen sei. Auf einem Foto im „Journal“ habe er Wilmes erkannt – auf dem Gründungsfoto der BMG aus dem Jahr 1979, das inzwischen regelmäßig in den Medien zu sehen war.

Kurz nach dem Attentat war anhand der Aussagen von Giwer ein Phantombild erstellt worden. Darauf zu sehen sind nur die Augenpartie und ein Bürstenhaarschnitt. 1986 hatte Giwer zudem gegenüber der Kriminalpolizei erklärt, der Verdächtige, den er gesehen habe, habe sicher keinen Bart und keine Brille getragen.

„Den Här Wilmes scho gekuckt?“

Giwer wollte von all dem am Montag nichts wissen. Das Phantombild habe der Zeichner ihm nie gezeigt, „Ech hunn dee Portrait do elo fir d'éischt gesinn! Éierwuert!“, betonte Giwer. „Dee Portrait entsprëcht net deem, wat ech gesinn hunn. Ech soen, datt ech den Här Wilmes do erkannt hunn“. – „Hutt Dir den Här Wilmes scho gekuckt?“, frage Me Lydie Lorang ihn daraufhin, denn der entsprach 1985 absolut nicht der Beschreibung von Giwer.

Giwer hatte zudem 1986 ausgesagt, die Täter seien paramilitärisch gekleidet gewesen. Scheer betonte, dass sie bei Personenschutzaufgaben stets Zivilkleidung, Anzug und Kravatte getragen hätten. Zum Zeitpunkt, als Giwer Wilmes beobachtet haben will, hätten er und Wilmes gemeinsam mit den Jagd-Treibern in Fischbach in einer Scheune zu Mittag gegessen, sagte Scheer. Zwei weitere Personenschützer hatten dies bereits im Prozess bestätigt.

Das Alibi von Wilmes gebe nichts her, meinte Giwer. Man wisse ja nicht wo sich die beiden während der großherzoglichen Jagd aufgehalten hätten und auch bei der Uhrzeit seiner Beobachtung wolle er sich nun nicht mehr festlegen.

Nach der Verhandlungspause wurde Giwer die Bildakte mit den Fotos aller Sûreté und BMG-Mitglieder aus der Zeit der Anschlagsserie vorgelegt - darunter auch ein Foto von Jos Wilmes. Giwer erkannte den Mann, den er am Dommeldinger Berg gesehen haben will, allerdings nicht auf den Fotos.

Me Lorang kündigte an, Anzeige wegen Falschaussage gegen Giwer zu erstatten.

„Iech interessant maachen“

„Wann een e Service leescht, da kritt een eng Géigeleeschtung“, so erklärte Armand Giwer gestern, wie er Einblick in eine Akte des französischen Geheimdiensts bekommen habe.

„Hutt Dir eppes fir dee Geheimdéngscht gemaach?“, fragte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter.

„Ech verweigeren Iech op deem Niveau eppes ze soen“, antwortete Giwer.

Ech mengen, Dir wëllt iech hei interessant maachen“, hielt dem Sylvie Conter entgegen. „Wéi kommen déi vum franséische Geheimdéngscht dann op den Här Giwer vu Miersch?“, fragte sie.

„Ech hat si kontaktéiert, fir hinnen eppes matzedeelen“, erklärte Giwer. Im Gegenzug habe er bei einem Treffen im Hotel Royal Einblick in die Akte von Ben Geiben bekommen.

„An déi ruffen Iech dann an da weisen se Iech hiren Dossier?“, fragte Sylvie Conter. „Ech hat mer dat net sou einfach virgestallt“.

„Da wësst der lo eppes méi“, entgegnete Giwer.