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Bommeleeër: Mutmaßliche Kramer-DNA nicht auf Erpresserbrief gefunden
Lokales 3 Min. 24.09.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Mutmaßliche Kramer-DNA nicht auf Erpresserbrief gefunden

Am Dienstag fand keine Verhandlung im Bommeleeër-Prozess stattfinden.

Bommeleeër: Mutmaßliche Kramer-DNA nicht auf Erpresserbrief gefunden

Am Dienstag fand keine Verhandlung im Bommeleeër-Prozess stattfinden.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 24.09.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Mutmaßliche Kramer-DNA nicht auf Erpresserbrief gefunden

Im Bommeleeër-Prozess ging es gestern um wieder um DNA-Spuren von Johannes Kramer. Darüber hinaus stand Kripo-Chef Patrice Solagna im Zeugenstand.

(gs) - Die 64. Sitzung des Bommeleeër-Prozesses hatte am Montag direkt zu Beginn eine kleine Überraschung parat. Wie das Gericht nämlich mitteilte, handelt es sich bei jenem Dokument, auf dem möglicherweise DNA-Spuren des Ex-BDN-Agenten Johannes Kramer zu finden sind, nicht um einen Erpresserbrief, sondern um ein Schreiben von Jos Steil, dem ehemaligen beigeordneten Kommandanten der „Brigade mobile de la Gendarmerie“.

Am vergangenen Donnerstag hatte bekanntlich ein DNA-Gutachten für etwas Aufregung vor Gericht gesorgt. Die verantwortliche Sachverständige hatte auf Bommeleeër-Beweismaterial Allele festgestellt, die möglicherweise in das Profil von Johannes Kramer passen, dem Ex-BND-Agenten und Vater des deutschen Zeugen Andreas Kramer.

Zur Erinnerung: Kramer Junior hatte vor Gericht ausgesagt, sein Vater habe die Attentate gemeinsam mit Luxemburger Geheimdienstlern organisiert, dies im Rahmen des Stay-Behind-Netzwerks. 

Keine Exhumierung: Johannes Kramer wurde eingeäschert

Entsprechend interessiert hatte sich vor allem die Verteidigung am Donnerstag auf das DNA-Gutachten gestürzt und gar die Exhumierung der Leiche von Johannes Kramer gefordert. Dieses Thema hat sich nun allerdings auch erledigt. Wie nun am Montag bekannt wurde, war Johannes Kramer nach seinem Tod verbrannt worden.

Darüber hinaus machte der beigeordnete Staatsanwalt nochmals auf die Komplexität der DNA-Analysen aufmerksam und schlug vor, die DNA-Expertin vor diesem neuen Hintergrund nochmals zu befragen. Eigentlich hätte nämlich die Sachverständige gar nicht dieses Schreiben Steils untersuchen sollen.

Nochmalige Befragung der DNA-Expertin

Da es sich bei diesem Brief um ein Antwortschreiben bezüglich eines Gendarmerie-Konveniats handelt, sei wohl nur schwer anzunehmen, dass darauf die DNA von Johannes Kramer zu finden sei. Infolgedessen könne die Expertin vielleicht weitere Erklärungen zu ihrem Gutachten und identischen Allelen abgeben.

Mit diesen Allelen sei dies nämlich so eine Sache. Der Fund einer solchen auf einem Beweisstück bedeute noch keine Übereinstimmung mit einem Verdächtigen. So gebe es in puncto Allelen auch Übereinstimmungen mit der DNA der Angeklagten Jos Wilmes und Marc Scheer auf einzelnen Beweismaterialen, diese aber ebenfalls keine Aussagekraft hätten, so Oswald.

"Keinen Druck ausgeübt, Dossier abzuschließen"

Zurück zur eigentlichen Tagesordnung: Am Montag musste sich der Direktor der Kriminalpolizei, Patrice Solagna, vor dem Richterpult erklären. Solagna wird von jenen Kriminalbeamten, die in der Bommeleeër-Affäre ermittelten und noch immer ermitteln, vorgeworfen, sie nicht unterstützt, sondern sogar Druck auf sie ausgeübt zu haben, auf dass sie das Dossier abschließen.

Der Kripo-Chef erklärte vor Gericht - oder versuchte dies zumindest -, dass es ihm nie darum gegangen sei, Druck auf die Ermittler auszuüben, auf dass sie das Dossier abschließen. Vielmehr sei ihm ausschließlich daran gelegen gewesen, den Betrieb der Kriminalpolizei bestmöglich zu gewährleisten.

Damals habe die PJ unter erheblichem Personalmangel gelitten. Daher habe er gewollt, dass die vier Bommeleeër-Ermittler wieder in den PJ-Sitz nach Hamm zurückkehrten, um dort eine „Hand mit anzupacken“. Auf die Anmerkung der Richterin, dass die vier doch aber weiter an dem Dossier gearbeitet hätten, sie - weil eben nur vier Personen - doch wohl auch nicht die PJ gerettet hätten, entgegnete Solagna, dass sie dennoch parallel dazu in ihren Sektionen hätten aushelfen können, was sie denn ja auch getan hätten.

Interpretationsdivergenzen

Darüber hinaus scheint es auch bei Solagna zu Interpretationsdivergenzen gekommen zu sein. So will Solagna den Ermittlern auch nicht gedroht haben, als er ihnen erklärte, dass, wenn sie allzu spät in den PJ-Sitz zurückkehren sollten, ihre Posten vielleicht schon besetzt seien. Auch will er das Gesuch Untersuchungsrichterin Ende 2006 auf Verlängerung der Ermittlergruppe nicht abgelehnt haben. Vielmehr hätten beide Seiten auf ihren Positionen beharrt. Dabei habe ihm aber wieder mal nur die Organisation der Kriminalpolizei am Herzen gelegen.

Damit war die Anhörung von Patrice Solagna auch schon beendet. Da für seine Befragung auch die Sitzung vom Dienstag reserviert war, fiel diese aus und der Prozess wird erst am Mittwoch wieder aufgenommen. Dann wird ein BKA-Beamter die Fallanalyse der deutschen Profiler darlegen.


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