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Bommeleeër: Mit Kommissar Falco am Findel
Lokales 3 Min. 19.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Mit Kommissar Falco am Findel

Die Zeugen Feyereis, Lauckes und Block.

Bommeleeër: Mit Kommissar Falco am Findel

Die Zeugen Feyereis, Lauckes und Block.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 19.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Mit Kommissar Falco am Findel

Am 134. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess befasste sich die Kriminalkammer weiter mit dem Doppelanschlag am Findel. Ins Fadenkreuz geriet dabei erneut die erste Ermittler-Generation um Jean Disewiscourt.

(str) - Am 134. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess befasste sich die Kriminalkammer weiter mit dem Doppelanschlag am Findel. Ins Fadenkreuz geriet dabei erneut die erste Ermittler-Generation um Jean Disewiscourt.

Weil er sich von den Ermittlern nicht ernst genommen fühlte, hatte sich ein Zeuge kurz nach dem Anschlag am Findel an den LW-Journalisten Joseph Lorent gewandt. Der arrangierte Robert Schommer, so der Name des Zeugen, ein Treffen mit den Ermittlern. Doch auch in Anwesenheit des Journalisten waren die Kriminalpolizisten reichlich uninteressiert, wie Lorent sich am Mittwoch erinnerte. Mitunter hätten sie den Zeugen sogar verspottet: „Dir wollt sécher Kommissar Falco spillen.“

Schommer hatte offenbar ein bis zwei Tage vor dem Anschlag unweit vom Tatort einen verdächtigen Wagen in einem Waldstück beobachtet. Der Fahrer habe eine paramilitärische Uniform und Springerstiefel getragen und sei jung, sportlich und freundlich gewesen. Im Auto habe Schommer zudem Kabel und Kisten gesehen. Er habe seiner Frau noch am Abend gesagt, „wann elo eppes um Findel geschitt, dann hunn ech de Bommeleeër gesinn“.

Bei der Kriminalpolizei sei ein Phantombild erstellt worden, doch die Ermittler hätten Schommer derart durcheinander gebracht, dass er am Ende selbst nicht mehr gewusst habe, was er gesehen habe, erklärte Joseph Lorent. In einer Aktennotiz wurde später vermerkt, dass Schommers Beobachtung zwei oder drei Monate vor dem Anschlag stattgefunden habe. Diese sei daher belanglos.

Lauckes: Mysteriöse Begegnung

Der Zeuge Daniel Lauckes hat möglicherweise zwei Täter beobachtet. Wie er am Mittwoch erläuterte, fuhr er kurz vor der Explosion von Sandweiler in Richtung Irrgarten. In Höhe des amerikanischen Soldatenfriedhofs sei ihm ein großer Mann, der eine Sturmhaube getragen habe, vor das Auto gelaufen, so Lauckes. Als er angehalten habe, um den Mann zurechtzuweisen, habe ein zweiter, mindestens 20 Zentimeter kleinerer Mann mit Mütze die Fahrbahn überquert. Näher beschreiben konnte Daniel Lauckes die Verdächtigen nicht.

Der dritte Zeuge, Jean Feyereisen, hat noch heute unter den Folgen der Sprengfalle zu leiden, die am späten Nachmittag nach dem Attentat am Findel in seiner Hand explodierte. Die mit einer Sprengkapsel präparierte Taschenlampe hatte er in einer Wiese entdeckt und aufgehoben, weil er dachte, ein Gendarm habe sie verloren.

Booby-Trap nachträglich platziert?

Wie der Zeuge am Mittwoch bemerkte, war das Gras an jener Stelle niedergetrampelt und die Taschenlampe gut sichtbar. Somit hätte die Lampe eigentlich bereits am Morgen entdeckt werden müssen. Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald warf in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob die Taschenlampe nicht etwa erst am Tag nach dem Anschlag dort platziert worden sei.

Roland Block war ein Freund von Eugène Beffort, jenem Mann, der aussagte, er habe am Morgen vor dem Anschlag Prinz Jean unweit des Tatorts gesehen. Beffort sei nie von seiner Beobachtung abgewichen, obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass „wann ee sou ee Personnage beschëllegt, e groussen Drock op een zoukënnt“. Der 2012 verstorbene Beffort habe allerdings darunter gelitten und sein Gemüt sich über die Jahre hinweg verändert.

Block bemühte sich aber auch ein Missverständnis auszuräumen: „Wann et beim Dupont op enger Linn e Produktiounsstopp gëtt, dann ass vill méi Aarbecht, wéi wann se leeft“. Ein Stopp gehe mit Überstunden wegen Wartungsarbeiten einher. Somit sei der Gedankengang der Ermittler falsch, demzufolge Beffort wohl kaum zur angegebenen Zeit zur Arbeit gefahren sei.

Wie am Mittwoch außerdem zu erfahren war, wird am kommenden Dienstag Ex-Premierminister Jean-Claude Juncker angehört.


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