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Bommeleeër: Lauschangriff des Geheimdiensts wirft Fragen auf
Jean-Pierre Wagner und Aloyse Harpes: Wurden beide abgehört?

Bommeleeër: Lauschangriff des Geheimdiensts wirft Fragen auf

Foto: Jean Weyrich (Archiv)
Jean-Pierre Wagner und Aloyse Harpes: Wurden beide abgehört?
Lokales 30.10.2012

Bommeleeër: Lauschangriff des Geheimdiensts wirft Fragen auf

Auch mehr als 25 Jahre nach der Anschlagserie birgt die Bommeleeër-Affäre noch immer reichlich Sprengstoff. Ein Bericht wirft ein zwielichtiges Licht auf die Armee, auf den Gendarmerie-Kommandant Harpes und vor allem auf den Geheimdienst.

(str) - Einer kam, ein anderer ging und plötzlich war alles vorbei. Der Wechsel in der Gendarmeriespitze am 30. September 1985 war laut Generalstaatsanwalt Robert Biever der Wendepunkt in der Bommeleeër-Affäre. Colonel Jean-Pierre Wagner – Gendarmerie-intern immer wieder wegen mangelndem Fortschrittswillen in der Kritik – wird in Rente geschickt und Colonel Aloyse Harpes übernimmt die Leitung. Kurze Zeit später findet die Bombenserie ein jähes Ende.

Ein Radiobericht wirft nun Fragen zur Rolle auf, die der neue Gendarmerie-Chef in der Attentatsserie gespielt haben könnte, aber auch der Geheimdienst rückt ins Zwielicht.

Offenbar misstrauten Geheimdienstmitarbeiter Colonel Harpes, denn wie RTL am Dienstag berichtet, wurde dieser im Auftrag des SREL (Service de Renseignements de l'Etat Luxembourgeois) abgehört. Harpes sei seit seinem Amtsantritt im Oktober 1985 über ein Jahr lang privat und in seinem Büro bespitzelt worden, von der Kaserne am Herrenberg aus. Gleich nach dem letzten Anschlag sei die elektronische Überwachung dann plötzlich drastisch reduziert worden.

Santer: „Dat hätt ech jo gewosst“

Doch damit nicht genug: Dem Bericht nach muss die Abhöraktion auf Colonel Harpes illegal erfolgt sein. Der oberste Schirmherr des Geheimdiensts, der damalige Staatsminister Jacques Santer, betont nämlich im Interview, er habe nichts von einem derartigen Lauschangriff gewusst. Hätte die zuständige Kommission die Abhörung genehmigt, hätte er davon Kenntnis bekommen, so Santer.

Eines ist klar: Verdächtig war in der Bombenserie jeder. Misstrauen durchsetzte auch den Sicherheitsapparat. Auch Colonel Wagner hatte als Gendarmerie-Chef den Verdacht, abgehört zu werden. Am Tag vor dem Anschlag auf die Gendarmerie hatte Wagner den Geheimdienst beauftragt, sein Büro nach Wanzen abzusuchen. Gefunden wurde dabei offenbar nichts.

Am Dienstagabend erhebt RTL in einem weiteren Bericht einen sehr schweren Vorwurf gegen einen hohen damaligen Geheimdienstmitarbeiter. Dieser habe alle Dokumente zur Bommeleeër-Affäre geschreddert. Informationen von wort.lu zufolge ist der Mann einer von 13 Zeugen aus den Reihen des Geheimdienstes, die die Staatsanwaltschaft zum Prozess vorladen will.


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