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Bommeleeër: „Kriminelle Inkompetenz“
Lokales 3 Min. 02.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Kriminelle Inkompetenz“

Armand Schockweiler wird sich auch am Dienstag viele Fragen gefallen lassen müssen, dies u.a. zum Rechthilfeersuchen in Bezug auf Ben Geiben.

Bommeleeër: „Kriminelle Inkompetenz“

Armand Schockweiler wird sich auch am Dienstag viele Fragen gefallen lassen müssen, dies u.a. zum Rechthilfeersuchen in Bezug auf Ben Geiben.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 02.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Kriminelle Inkompetenz“

Armand Schockweiler, zur Zeit der Attentate Leiter der Sûreté, reihte sich am Montag vor Gericht in die Riege von Offizieren ein, die sich – sofern man nichts Böses dabei denkt – nicht wirklich für die Attentatsserie interessiert zu haben scheinen.

(gs) - Armand Schockweiler, zur Zeit der Attentatsserie Leiter der Sûreté reihte sich am Montag vor Gericht ein in die Riege von Gendarmerieoffizieren, die sich – sofern man nichts Böses dabei denkt – nicht wirklich für die Attentatsserie interessiert zu haben scheinen.

„Ich gehe davon aus. Das hätte man tun müssen. Es ist wohl vergessen worden“: Neben einem Schulterzucken waren dies die wiederkehrenden Elemente der Zeugenaussage von Armand Schockweiler am Montag im Bommeleeër-Prozess. Wie die meisten seiner Vorgänger im Zeugenstand will nämlich auch Schockweiler – nach eigenen Angaben zwar nicht Chefermittler, aber laut Hierarchie immerhin Chef über alle Ermittlungen und Ermittler – nicht viel nachgefragt haben, wenn es um die Bommeleeër-Affäre ging.

Dies u.a. was die Personalie Jos Steil anbelangt. So erklärte Schockweiler zwar, dass in Bezug auf das Insiderwissen der Täter ab einem gewissen Zeitpunkt Steil als möglicher Maulwurf gehandelt worden sei. Dennoch konnte Steil ungehindert in der Gendarmerie weiterarbeiten und gar ins Kommando befördert werden, ohne dass etwas geschah, geschweige denn konkret gegen ihn ermittelt wurde. „Es war eben nur ein Gerücht“, so der Versuch Schockweilers, die Untätigkeit der Gendarmerie-Führung zu erklären.

Annehmen statt nachfragen

Auf einfache Fragen, was denn im Allgemeinen konkret ermittelt wurde oder was z.B. unternommen wurde, um mögliche Insider zu enttarnen, wusste auch Schockweiler dem Gericht keine zufriedenstellende Antwort zu geben. Entweder verwies er, wie andere – einst hochrangige – Zeugen darauf, dass er den Ermittlern nicht in ihre Arbeit habe reinreden wollen, oder er meinte, dass damals bestimmt etwas gemacht worden sei, er sich aber nicht an Details erinnern könne. Lässt man seine gesamte Anhörung Revue passieren, „nahm“ Schockweiler tatsächlich ständig „an“, dass etwas getan worden war – auch wenn er nicht wusste was, und dann auch nie nachgefragt hatte.

In etwa die gleichen Antworten lieferte Schockweiler auch in Bezug auf das Verhältnis der Gendarmerie zur Justiz und dem Umstand, dass der Untersuchungsrichter offensichtlich über vieles nicht in Kenntnis gesetzt worden war. So stimmte Schockweiler am Montag dem Gericht zu, dass der Untersuchungsrichter vor der Weitergabe von sichergestelltem Spurenmaterial an das FBI hätte informiert werden müssen, er bemerkte aber schlicht, das sei dann wohl vergessen worden. Bekanntlich waren nicht alle Materialien nach Luxemburg zurückgekehrt.

Die Gendarmerie - einfach nur überfordert?

Anders als seine Offizierskollegen im Zeugenstand hatte aber Schockweiler eine Antwort parat, als ihn die vorsitzende Richterin Sylvie Conter fragte, wieso in dieser Affäre aber auch alles schief gelaufen war, und Beamte, die in anderen Dossiers gute Arbeit leisteten, „auf einen Schlag und alle zusammen inkompetent“ geworden zu sein scheinen. Schockweiler mutmaßte, dass die Bommeleeër-Affäre vielleicht zu „groß“ und man in der Gendarmerie vielleicht einfach überfordert gewesen sei.

Dies wollte vor Gericht nun aber auch niemand so recht annehmen. Me Gaston Vogel sprach vielmehr von „krimineller Inkompetenz“, Richterin Conter fragte, ob damals alle „ihr Gehirn ausgeschaltet“ hatten. „Oder haben Sie den Befehl erhalten, dass nichts herauskommen darf, fragt die Richterin schließlich geradeheraus. „Nein, sicher nicht!“, betonte Schockweiler.

Journalist im Zeugenstand

Neben Schockweiler war am Montag auch der ehemalige Polizist Guy Schmit vorgeladen. Dieser hatte in einem Brief an die Staatsanwaltschaft von einem Lied berichtet, das u.a. Armand Schockweiler und Marc Zovilé während einer Abendgesellschaft im „Juegdschlass“ gesungen haben sollen: „Hohoho, de Biever ass KO, hihihi de Bommeleeër kréien se ni.“ Nach anfänglichem Zögern erklärte Schmit, dass RTL-Journalist Marc Thoma ihm diese Anekdote erzählt habe.

Thoma, daraufhin vor das Richterpult bestellt, verwies auf den Quellenschutz und dass „ein Informant im Spiel“ sei. Marc Thoma wird nun am Dienstag in den Zeugenstand zurückkehren und dort unter Eid aussagen. Zwischenzeitlich will er mit seinem Informanten Rücksprache halten.


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