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Bommeleeër: Kasemattentheater vor Gericht
Lokales 4 Min. 28.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Kasemattentheater vor Gericht

Der Ex-Elitegendarm Marcel Weydert musste sich vielen Fragen stellen.

Bommeleeër: Kasemattentheater vor Gericht

Der Ex-Elitegendarm Marcel Weydert musste sich vielen Fragen stellen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 28.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Kasemattentheater vor Gericht

Hochspannung herrschte am Donnerstagnachmittag im großen Verhandlungssaal des Bezirksgerichts. Marcel Weydert blieb dabei: Er sei der Mann neben Marc Scheer auf dem Foto und nicht Jos Wilmes. Obwohl in der Sitzung vieles gegen ihn sprach, hielt er bis zuletzt an seiner Darstellung fest. „Ech misst mech selwer beléien, wann ech géif eppes anescht soen“, wiederholte er mehrfach.

(str) - Hochspannung herrschte am Donnerstagnachmittag im großen Verhandlungssaal des Bezirksgerichts. Marcel Weydert blieb dabei: Er sei der Mann neben Marc Scheer auf dem Foto und nicht Jos Wilmes. Obwohl in der Sitzung vieles gegen ihn sprach, hielt er bis zuletzt an seiner Darstellung fest. „Ech misst mech selwer beléien, wann ech géif eppes anescht soen“, wiederholte er mehrfach.

Weydert habe am Dienstag eine sehr präzise Aussage gemacht, untermauerte der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald. Er habe gesagt, er sei mit Scheer vom Büro aus zu den Kasematten gefahren. „Normalerweis hu mer eis um Büro getraff, ech kann nëmmen aussoen, datt ech mam Här Scheer bei de Kasematte war an sinn dovun ausgaangen, datt dat vum Büro aus war“, erklärte Weydert zögerlich und handelte sich sogleich eine Zurechtweisung der vorsitzenden Richterin ein: Am Dienstag habe es kein „vielleicht“, kein „normalerweise“ und kein „wahrscheinlich“ gegeben.

„Et deet eis leed Här Weydert. Mir fannen et e bëssi traureg, datt hei zwee Polizisten sinn, a soen, ech sinn et. An net ee seet, ech hu mech geiert, ech sinn et awer net,“ betonte Sylvie Conter.

Viele offene Fragen

Weydert musste sich einer Aberzahl an Fragen stellen, von denen die meisten unbeantwortet blieben. Mit welchem Wagen sind sie gefahren? Wer ist gefahren? Was war ihre Aufgabe bei den Kasematten? Wer hat sie zum Einsatz beordert? Warum wurden Sie gerufen, wenn es doch einen Bereitschaftsdienst gab? Mit wem waren Sie anschließend auf Patrouille? Mit wem war Wilmes auf Patrouille, wenn Scheer mit Ihnen unterwegs war? Warum haben sie in keiner Ihrer Vernehmungen gesagt, dass Sie bei den Kasematten waren? Was hat Scheer Ihnen denn berichtet, als Sie im Auto saßen? Hat Scheer Ihnen im Auto von der Sprengfalle erzählt?

„Et muss dach iergendee Grond gi, firwat Dir mordicus behaapt, Dir wärt do gewiescht, an awer alles drop hindeit, datt Dir net do waart an och näischt do verluer hat“, stellte Sylvie Conter fest.

„An d'oppe Messer“

„Da muss een sech d'Fro stellen, firwat den Här Scheer dann higeet an een an d'oppe Messer lafe léisst“, hielt dem Weydert entgegen. An was er sich denn konkret erinnere, wollte die Richterin wissen. Ganz konkret erinnere er sich, dass er auf dem Foto versucht habe, Scheer einen Sachverhalt zu erklären, meinte Marcel Weydert. „Lo stidd Dir beim Micro an erfannt ëmmer weider“, fertigte ihn die Richterin ab. Weydert widersprach, nein, er erfinde nichts. Er sei dort gewesen, um Informationen zu sammeln, um anschließend Patrouille zu fahren.

„Dir manövréiert Iech do an eppes eran, wou der net méi rauskommt“, ermahnte ihn die Richterin. Das einzige an das Weydert sich erinnere, sei, dass er da gewesen sei. Da sei schon etwas speziell. Es seien nur Detailfragen, an die er sich nicht mehr erinnere, verteidigte sich Weydert. Gemäß seiner Erinnerung sei er da gewesen. Anwalt Gaston Vogel drohte, er werde einen Physionomisten beauftragen, dann würde erwiesen, dass Wilmes auf dem Bild sei, „an da klaakt et fierchterlech!“

Wilmes hingegen konnte sich in der Sitzung ganz präzise an den Abend erinnern. Er und Scheer seien direkt von Asselscheuerhof zu den Kasematten gefahren. Da habe sie bereits ein Mann erwartet. Es habe eine Eisentür gegeben. Sie seien hineingegangen, Treppen hinuntergestiegen, bis zu einer weiteren Eisentür. Im Gegensatz zu Scheer sei er jedoch nicht weitergegangen. Er habe der Sache nicht getraut. In den Kasematten seien sie dann auf die weißen Plastikkanister gestoßen, so Wilmes.

Weydert als Bommeleeër?

„Wann et dem Prozess hëlleft, da soen ech eben, ech wier et net op der Foto, och wann ech mech da selwer beléien“, meinte Weydert schließig entmutigt. Oswald reagierte prompt: Weydert habe ausgesagt, er sei von seiner Familie darauf angesprochen worden, als das Bild in der Zeitung erschienen sei. „Do kënnt Dir lo net einfach soen, Dir hätt iech geiert“, unterstrich Oswald. „Oder waart Dir vläit zu engem anere Moment do?“ Die Richterin ergänzte: „Oder waart der nach ëmmer do?“ Im Saal herrschte plötzlich Totenstille. Weydert verzog das Gesicht und schüttelte schließlich den Kopf.

Am Dienstag hatte Weydert in einem weiteren Punkt Aufsehen erregt. Er hatte ausgesagt, dass er bereits am Tag vor der Geiben-Beschattung über die Observierung Bescheid wusste. Bislang war nur von einem kleinen Personenkreis gewusst, der informiert war. Am Donnerstag setzte Weydert noch einen drauf: Bereits am Vortag habe Steil ihm auch gesagt, dass Geiben nicht kommen würde. 

Vergebens auf der Lauer

Wer noch bei dem Gespräch dabei gewesen sei, daran erinnere er sich nicht. Dann wäre ja der einzig logische Schritt gewesen, die Observierung abzusagen, meinte die Richterin. Steil hätte Weydert zufolge gewusst, dass Geiben nicht aufkreuzen würde und hätte doch sechs Mann einen Tag lang auf der Lauer liegen lassen, fasste sie die Situation zusammen.

Eine Erklärung hierzu konnte Weydert nicht geben. Der Sachverhalt sei aber so in seiner Erinnerung verblieben. „Et ass wi bäi de Kasematten“, stellte die Richterin fest. „Vun dem Freideg ka keen aneren Zeien sech erënneren, datt Dir do waart. Dir krut awer mat, dat den Här Geiben net komme sollt an déi Aner souzen de ganzen Dag do, op en ze waarden“.

Am kommenden Donnerstag wird die Anhörung von Marcel Weydert fortgesetzt. Die Richterin gab ihm den Rat mit auf den Weg, sich bis dahin Gedanken über seine Aussagen zu machen.


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