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Bommeleeër: Insiderwissen auch im dunkelsten Stollen 
Die Ermittler nähern sich der Insiderspur. Immer öfters fällt dabei auch der Name von Jos Steil, dem ehemaligen stellvertretenden Chef der BMG.

Bommeleeër: Insiderwissen auch im dunkelsten Stollen 

Foto: Lé Sibenaler
Die Ermittler nähern sich der Insiderspur. Immer öfters fällt dabei auch der Name von Jos Steil, dem ehemaligen stellvertretenden Chef der BMG.
Lokales 4 Min. 22.05.2013

Bommeleeër: Insiderwissen auch im dunkelsten Stollen 

Am 35. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess stand am Mittwoch nochmals der technische Aspekt der Attentatsserie, aber auch die Insiderspur auf dem Programm. Dabei fiel erneut öfters der Name Jos Steil. 

(gs) - Am 35. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess stand am Mittwoch nochmals der technische Aspekt der Attentatsserie, aber auch die Insiderspur auf dem Programm. Dabei fiel erneut öfters der Name Jos Steil. Doch auch der Srel sowie die Namsa waren ein Thema, dies in Zusammenhang mit den Einbrüchen im Gipsstollen in Helmsingen. 

Für reichlich Gesprächsstoff vor Gericht sorgten eben diese Einbrüche in die Gipsmine der Plâtrières Irthum in Helmsingen. Dort waren unbekannte Täter einmal im Januar 1984 sowie gleich zweimal in Folge im Februar 1985 in die langen Gipsstollen und in das dort angelagerte Labor für seismologische Forschungen eingedrungen und hatten dabei größere Mengen Luxite-Sprengstoff und Sprengkapseln, Zündschnur sowie elektronisches Material entwendet. 

Dass die Täter sich in den Örtlichkeiten ausgekannt haben mussten, ist seit Anbeginn der Ermittlungen bekannt. Woher allerdings dieses Insiderwissen herrührte, ist weiterhin unklar. 

Verteidiger Me Gaston Vogel brachte in diesem Zusammenhang gestern die Namsa ins Spiel. Die „Maintenance and supply agency“, die bekanntlich als logistische Dienstleistungsorganisation für die Nato fungierte, soll sich laut Me Vogel sehr für die unterirdischen Galerien am Bocksbierg interessiert haben und auch über genaue Pläne der Mine verfügt haben.

 Darüber hinaus soll laut Me Vogel aber auch der Luxemburger Geheimdienst ein wachsames Auge auf den Gipsstollen gehabt haben. 

Verschwundenes Gästebuch

Für Me Vogel war es gestern denn auch mehr als Zufall, dass sich offenbar der Wissensstand der Täter mit den Interessen bzw. den Kenntnissen des Srel und der Namsa überschnitten. Der Verteidiger wollte in diesem Zusammenhang wissen, wer seinerzeit überhaupt Zugang zu dem Stollen hatte. 

Schließlich hätten die Täter sich in den 18 Kilometer langen Gängen auskennen müssen, um nicht nur die Sprengutensilien, sondern auch das seismologische Labor zu finden.

 Ermittler Joël Scheuer erklärte hierzu, dass auch die Kriminalpolizei sich „brennend“ für diese Frage interessiert habe. Man habe u.a. feststellen können, dass dort Besucherrundgänge stattgefunden hatten. 

Auch die „Brigade mobile de la Gendarmerie“ (BMG) sei mit dem Großherzog dort gewesen, ob vor oder nach den Einbrüchen, dies hätte nicht festgestellt werden können. Alle Besucher hätten sich denn auch in ein Gästebuch eintragen müssen. Besagtes Buch sei aber spurlos verschwunden.

Dass sich zwar wohl nicht die Täter bei ihren Einbrüchen im Gästebuch vermerkt hatten, darüber herrschte vor Gericht Einigkeit. Dass aber zumindest die Möglichkeit bestehe, dass der oder die Täter eine gewisse Zeit vor ihren Einbrüchen den Stollen aufgesucht hatten und das Buch auch aus diesem Grund hatten verschwinden lassen, leuchtete aber auch jedem ein. Die Verteidigung forderte gestern denn auch, dass die Einbrüche in Helmsingen nochmals genauer untersucht werden sollten.

Alter Bekannter

In Zusammenhang mit Helmsingen fiel auch wieder der Name von Jos Steil. Das damalige Mitglied der BMG und Kollege der beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes, soll gute Kontakte zum damaligen Leiter der seismologischen Station, Johnny Flick, gehabt haben. 

Flick soll sich denn auch nach den Einbrüchen voller Sorge an ein Mitglied der BMG gewandt haben, wobei davon ausgegangen werden kann, dass es sich um den mittlerweile verstorbenen Jos Steil handelt.

Ermittler Carlo Klein erklärte im weiteren Verlauf der Verhandlung, aber wieder in Zusammenhang mit den Einbrüchen in Helmsingen, dass Anfang der 1980er-Jahre Jos Steil einen eben solchen Voltmeter für seine Arbeit bei der BMG beantragt habe, als jener, der aus dem seismologischen Labor entwendet wurde. 

Me Lydie Lorang präzisierte in diesem Zusammenhang, dass doch wohl jeder Sprengmeister oder auch nur Elektriker über einen solchen Voltmeter verfüge, was der Ermittler bejahte.

Steils guter Freund

Zuvor hatte Me Vogel nochmals den mutmaßlich guten Kontakt Steils zu Paul Barril, damals Offizier der französischen „Gendarmerie nationale“, aufgegriffen und Ermittler Joël Scheuer befragt, ob sich ein solcher aus den Aussagen von Steils Familienmitgliedern ergeben habe.

Scheuer bestätigte dies, verwies aber auch darauf, dass die Personalie Jos Steil noch ausführlich im weiteren Verlauf des Prozesses bei der Insiderspur und speziell im Dossier „BMG“ zur Sprache kommen werde.

Auf die Insiderspur kam gestern bereits Ermittler Carlo Klein zu sprechen. Der Kriminalbeamte resümierte nochmals, weswegen man bei den Attentätern von Insidern ausgehen könne: Da wäre zum einem ihre offensichtliche Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff, zum anderen aber auch die Zeitpunkte der Anschläge, bei denen sich die Täter offenbar aufgrund ihrer guten Informationen darauf verlassen konnten, nicht den Ermittlern in die Hände zu laufen.

Kein Interesse an Technik?

Darüber hinaus war am Mittwoch vor Gericht wieder viel die Rede von den vielfach thematisierten Quecksilberschaltern und jenen Holzkisten, die, mit Zündmechanismen versehen, im Sicherheitsapparat zu Übungszwecken genutzt wurden.

Eine solche Holzkiste, die sich nachweislich in Reihen der Gendarmerie befunden hatte und für die sich die Ermittler interessierten, ist bekanntlich spurlos verschwunden. 

Auch die gestrigen Aussagen mehrerer Gendarmen – von Sûreté bis BMG –, die Ermittler Scheuer vor dem Richterpult wiedergab, konnten nichts zum Aufenthaltsort dieser Kiste beitragen. Paul Haan, Bommeleeër-Ermittler der ersten Stunde, habe gar überhaupt keine Kenntnis dieser Kiste haben wollen.

Darüber hinaus habe Haan auch nichts von Dokumentationsmaterial zu unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen in Reihen der Gendarmerie gewusst.

Der Prozess wird am Donnerstagnachmittag fortgesetzt. Dann werden die Ermittler sich mit der Erpressung der Cegedel befassen.

 


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