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Bommeleeër: Im Auftrag des Geheimdiensts
Lokales 5 Min. 21.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Im Auftrag des Geheimdiensts

Das Objekt der Begierde: Diese Tüte wurde Ende 1985 vom Geheimdienst observiert.

Bommeleeër: Im Auftrag des Geheimdiensts

Das Objekt der Begierde: Diese Tüte wurde Ende 1985 vom Geheimdienst observiert.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 5 Min. 21.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Im Auftrag des Geheimdiensts

Zwei Ex-Polizisten und ein Geheimdienstmitarbeiter standen sich am Dienstag bei einer weiteren Konfrontation im Bommeleeër-Prozess gegenüber. Alles drehte sich dabei um die Frage, ob der Srel Ben Geiben mehr als nur einmal beschattet hat.

(str) - Zwei Ex-Polizisten und ein Geheimdienstmitarbeiter standen sich am Dienstag bei einer weiteren Konfrontation im Bommeleeër-Prozess gegenüber. Alles drehte sich dabei um die Frage, ob der Srel Ben Geiben mehr als nur einmal beschattet hat.

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass am 19. Oktober 1985 Gendarmerie, Polizei und Geheimdienst auf der Lauer lagen, um Ben Geiben zu beschatten. Doch Geiben erschien nicht wie angekündigt. In der Nacht explodierte ein Sprengsatz im Gerichtsgebäude und wenige Stunden später wurde festgestellt, dass sich Geiben im Hotel Holiday Inn in Kirchberg aufhielt. Morgens erfolgte eine zweite Observierung, doch die Beschatter mussten tatenlos zusehen, wie der Top-Verdächtige nach Belgien verschwand.

Ex-Polizist Léon Mangen sagte in der Verhandlung am 8. Januar überraschend aus, dass er sich an mehr als nur eine Observierung Geibens erinnere. Er habe Geiben einmal im Restaurant Plateau Altmünster observiert. In der Sitzung am Dienstag ruderte er aber etwas zurück: Es sei sich nicht mehr sicher, ob es dabei wirklich um Ben Geiben gegangen sei oder ob Geiben nur zufällig bei einer anderen Operation anwesend war. Er habe Geiben an jenem Abend selbst nicht zu Gesicht bekommen. Er sei sich zudem nicht mehr sicher, ob dies am Wochenende des Anschlags auf den Justizpalast gewesen sei. „Et héiert ee ganz vill Saachen, virun allem zënter de Prozess leeft“, meinte er fast entschuldigend. „Do kann ee schonn emol eppes duerchanee geheien“.

Observierung am frühen Morgen

Ex-Polizist Johny Gindt hatte hingegen sehr präzise Erinnerungen an eine weitere Beschattung von Ben Geiben. Zeitlich konnte er die Observierung zwar nicht mehr präzise einordnen, es sei aber sehr wohl zu Zeiten der Anschlagsserie gewesen. An einem Wochentag – demnach nicht am Wochenende des 19. Oktober 1985 – habe er, als er gegen 8 Uhr morgens im Büro ankam, einen Anruf vom Srel bekommen. Wen er an der Strippe hatte, daran konnte er sich am Dienstag nicht erinnern. Es sei aber weder Beschattungschef Armand Kaudé noch Operationschef Jean-Nicolas Bock gewesen.

Es sei dringend und er müsse schnell zum Holiday Inn, um Geiben zu beschatten, habe der Gesprächspartner gesagt. Dann habe er Gindt noch beschrieben, wo er den Schlüssel zur Srel-Garage finden würde und welches Auto er nehmen solle. Gindt habe daraufhin auf dem Parkplatz des Hotels Position bezogen. Kurze Zeit später sei Geiben dann aufgetaucht und in einen schwarzen Mercedes eingestiegen.

Gerade als er sich an Geibens Fersen heften wollte, sei er über Srel-Funk zurückgepfiffen worden. Von der Gendarmerie, die den Auftrag zur Beschattung gegeben habe, sei der Befehl gekommen, die Observierung sofort abzubrechen. Gindt solle zusehen, dass Geiben ihn nicht bemerke.

Geiben und Steil als Bommeleeër

Was Gindt dann erzählte, ließ aufhorchen: In der Polizei und in der Gendarmerie seien bereits früh Gerüchte zirkuliert, denen zufolge Geiben und Steil die Bommeleeër seien – Geiben, weil er sich an den anderen Offizieren rächen wollte, Steil, weil er nicht zu Geibens Nachfolger ernannt wurde. Gindt unterstrich, auch heute sei er noch überzeugt, dass Geiben der Bommeleeër sei. „Ech well kee beschëllegen, ech soe just wat ech denken“, präzisierte er.

Kaudé, darüber sei geredet worden, habe Geiben wohl öfter beschatten wollen, sei aber immer ausgebremst worden. Armand Kaudé, als er wenige Minuten später Mangen und Gindt im Verhandlungssaal gegenüberstand, bestritt das auf ganzer Linie. Der Srel habe nur einziges Mal „op de Geiben geschafft“, auf Antrag der Gendarmerie am Wochenende des Anschlags auf den Justizpalast. „Ech wees näischt vun enger anerer Observatioun“, betonte Kaudé. „Wann et déi ginn hätt, hätt ech dat misse wëssen.“ Srel-Beschattungen seien immer nur auf Order von Operationschef Bock geschehen. Dass es zu einer Observation gekommen sei, ohne, dass er informiert war, hält er für unwahrscheinlich. Spätestens bei der Bezahlung von Gindt hätte er davon erfahren. „Do muss eppes duerchanee geheit ginn“, untermauerte er. „Mir waren déi Zäit vill ënnerwee.“

Kaudé unterstrich zudem, dass er die Vorgehensweise, von der Gindt berichtete, nicht nachvollziehen könne. Bei einer derartigen Observierung sei niemals nur ein Mann rausgeschickt worden. Um die Observierung hinter seinem Rücken auszuführen, hätte es größerenAufwands bedurft. Zum Ende der 75-minütigen Gegenüberstellung stand demnach Aussage gegen Aussage.

Gindt berichtete von weiteren Observierungen, die er für den Srel durchgeführt hatte. Einmal habe man tagelang einen Baum am Findel beobachtet. Bis heute wisse er noch immer nicht warum. Der beigeordnete Staatsanwalt Oswald klärte ihn auf: Bei der „Opération Panthère“ sei es darum gegangen, ein mögliches Sprengstofflager, das mit einer Plastiktüte markiert sei, zu überwachen. LW-Fotograf Lé Sibenaler hatte damals, Ende 1985, ebenfalls von der Tüte Wind bekommen und diese fotografiert. Man war aber davon ausgegangen, es könnte sich um einen geheimen Briefkasten handeln.

Küchenbrett gegen Bomben

Auch der ehemalige Hundeführer François Hentzen, der als vierter Zeuge vorgeladen war, hatte Anekdoten auf Lager: So erzählte er, dass er beim Wohnhaus von Colonel Georges Rauchs Wache schieben musste. Im Hauseingang habe Rauchs ein Küchenbrett und ein Taschenmesser hingelegt. Zweck: Im Falle eines Anschlags sollte damit die Lunte durchgeschnitten werden. Bei dem Wacheinsatz habe man sich zudem nicht getraut, den Diensthund einzusetzen – aus Angst, der könnte den Sprengsatz apportieren.

Für Verblüffung sorgte Hentzen mit einer weiteren Anekdote: Einmal sei er spätabends im BMG-Sekretariat Jos Steil begegnet. Auf die Frage „Wou komme mir dann hier?“ habe Steil ihm dann erklärt, dass er bei alten Kollegen gewesen sei. Er habe geholfen ein Phantombild eines der Bommeleeër zu zeichnen – aus heutiger Sicht ein denkwürdiges Unterfangen.


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