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Bommeleeër: „Gewurschtel“ im GOR
Lokales 3 Min. 12.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Gewurschtel“ im GOR

Guy Stebens wird auch am Mittwoch noch einmal vor der Kriminalkammer aussagen.

Bommeleeër: „Gewurschtel“ im GOR

Guy Stebens wird auch am Mittwoch noch einmal vor der Kriminalkammer aussagen.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 12.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Gewurschtel“ im GOR

Der fehlende „Calepin“ von Guy Stebens und dessen Rolle in der Beschattung von Ben Geiben standen am Dienstag im „Bommeleeër“-Prozess im Mittelpunkt.

(str) - Der fehlende „Calepin“ von Guy Stebens und dessen Rolle in der Beschattung von Ben Geiben standen am Dienstag im „Bommeleeër“-Prozess im Mittelpunkt.

Zunächst wurde aber erneut Stebens befremdliche Aussage, er wolle nicht als erster einen Namen nennen, thematisiert. „Wir hatten den Eindruck, dass Ihnen da etwas rausgerutscht ist, das Sie nicht sagen wollten“, bemerkte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter. Er habe sich schlecht ausgedrückt, bemühte sich Stebens zu erklären. Er habe einfach nicht spekulieren wollen. Er wisse keine Namen.

Auch bei Stebens „Calepin“ bestand noch immer Klärungsbedarf. Der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald betonte, er könne nicht glauben, dass Stebens stets mit einem DinA3-großen Kalender unterwegs gewesen sei. „Entweder man führt Buch oder man tut es nicht“, fügte dem Richterin Conter hinzu. Wer diese Gewohnheit habe, ersetze den „Calepin“ nicht einfach für ein Jahr durch einen Kalender. Seit 2005 sei der „Calepin“ nun ein Thema und jetzt erst sei Stebens die Sache mit dem Memento eingefallen, so die Richterin. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das 1986er Buch pünktlich zum 1. Januar in Betrieb genommen wurde.

Ein Buch fehlt

Stebens räumte schließlich ein, dass die Sache mit dem Kalender eben die einzige Erklärung war, die ihm für das Fehlen des 1985er „Calepin“ eingefallen sei. Noch am Montagabend habe er mit seiner Frau das ganze Haus auf den Kopf gestellt, um das Buch zu finden.

An die Spur Geiben habe er nie geglaubt, erklärte der Zeuge im weiteren Verlauf der Verhandlung – dies aus menschlichen Gründen. Erst unter Colonel Harpes sei diese Spur aktiv bearbeitet worden. Man habe zur Zeit der Anschläge eher paramilitärische Gruppen, wie etwa eine Luxemburger Art Wehrsportgruppe oder die Reservisten-Vereinigung „Asorl“ im Verdacht gehabt. Warum das „Milieu militaire“ nach seinem Bericht vom 3. Januar 1986 aus dem Kreis der Verdächtigen gestrichen worden war, konnte Stebens nicht erklären. Er betonte aber, dass dies wohl nur auf Anweisung von allerhöchster Stelle, also von Colonel Harpes geschehen sein konnte.

Unbeantwortet blieb am Dienstag auch die Frage, warum die Insider-Spur in besagtem Bericht noch nicht einmal erwähnt wurde. Zur Zeit der Anschläge habe die Gendarmerie strikt hierarchisch funktioniert, so Stebens. In der Insider-Frage hätten nur von allerhöchster Ebene Schritte eingeleitet werden können. Er glaube aber nicht daran, dass dort jemand den Täter decken würde. „Ich war damals vielleicht ein bisschen naiv", räumte Stebens ein. „Aber als ich von der Schule gekommen bin, konnte ich ja schlecht annehmen, dass ich von Kriminellen umgeben sein würde.“

„Vollstes Vertrauen in Steil“

Im Zusammenhang mit der Beschattung Ben Geibens unterstrich Stebens am Dienstag, er habe vollstes Vertrauen in Jos Steil gehabt. Das sei zwar aus heutiger Sicht nicht die beste Idee gewesen, doch damals habe es als gute Lösung geschienen. An die Vorbereitungen der Beschattung könne er sich kaum erinnern. Er habe allerdings seit 2005 Nachforschungen betrieben, um die Geschehnisse aneinander reihen zu können. Harpes sei mit Sicherheit informiert gewesen, weil ansonsten die Zusammenarbeit mit dem Srel nicht hätte zustande kommen können. Inwieweit Pierre Reuland in die Vorbereitung der Überwachung Geibens einbezogen war, konnte Stebens nicht schlüssig beantworten.

Die Anfänge der Observierungs- und Ermittlungseinheit GOR seien von "Gewurschtel" geprägt gewesen. Man habe noch nicht gewusst, was alles zu tun und zu beachten sei. Stebens interessierte sich, wie er in der Verhandlung zugeben musste, noch nicht einmal für den Ausgang von Geibens Observierung. „Ich war an diesem Wochenende bereits mit meinen Gedanken beim anstehenden Lehrgang im Ausland", so der Zeuge.

Am Mittwoch wird er ein weiteres Mal angehört. Wann Pierre Reuland, der ursprünglich für Mittwoch vorgesehen war, erneut im Zeugenstand steht, ist noch unklar.