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Bommeleeër: Geiben klagt an
Lokales 3 Min. 06.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Geiben klagt an

Ben Geiben: Opfer der Willkür ranghoher Gendarmerie-Offiziere?

Bommeleeër: Geiben klagt an

Ben Geiben: Opfer der Willkür ranghoher Gendarmerie-Offiziere?
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 06.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Geiben klagt an

Mit Spannung war die Aussage von Ben Geiben im Bommeleeër-Prozess erwartet worden. Der BMG-Gründer begann dann auch mit einer Überraschung, denn bevor er zu den Geschehnissen rund um den Anschlag auf den Justizpalast Stellung bezog, richtete er sich zunächst an Me Gaston Vogel.

(str) - Mit Spannung war die Aussage von Ben Geiben im Bommeleeër-Prozess erwartet worden. Der BMG-Gründer begann dann auch mit einer Überraschung, denn bevor er zu den Geschehnissen rund um den Anschlag auf den Justizpalast Stellung bezog, richtete er sich zunächst an Me Gaston Vogel.

Dem Anwalt von Marc Scheer warf er vor, sein Privatleben in aller Öffentlichkeit durch den Dreck gezogen zu haben. Vogel habe ihn einen Pädophilen genannt und gesagt, er habe ein dummes arrogantes Gesicht. Geiben unterstrich, er werde dem Anwalt bei weiteren ungerechtfertigten Attacken auf Augenhöhe antworten. Vogel verteidigte sich später, es habe sich dabei nicht um seine eigene Auffassung von Geiben gehandelt, er habe lediglich aus Aussagen im Dossier zitiert.

Konfrontation in Brüssel

Dann erzählt Geiben, wie er 1985 in Brüssel auf der Avenue Louise unterwegs war und ihm dann auffiel, dass ihm ein Fahrzeug mit Luxemburger Kennzeichen folgte. Geiben erkannte das Auto als einen der Dienstwagen der Sûreté. An einer roten Ampel stieg er aus seinem Wagen aus und stellte die Verfolger zur Rede. Dabei erfuhr er, dass die Ermittler wegen einem Rechtshilfeersuchen in der belgischen Hauptstadt waren und es war ihm klar, dass dieses ihm galt. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm bereits bekannt gewesen, dass er in der Luxemburger Presse als Bommeleeër-Verdächtiger galt – auch wenn sein Name noch nicht öffentlich genannt worden sei.

An den genauen Tagesablauf vom Wochenende des Anschlags auf den Justizpalast konnte sich Geiben am Dienstag nicht erinnern. Allerdings seien die Wochenenden, die er alle 14 Tage bei seinem Freund in Luxemburg verbracht habe, stets nach dem gleichen Schema verlaufen. Samstagmittags habe er bei der Familie seines heutigen Lebenspartners gespeist. Abends sei man dann schick essen gegangen.

Der Lockvogel Jos Steil

Steil sei allerdings der Einzige gewesen, der wusste, dass er an diesem Wochenende im Holiday Inn übernachten würde. Etwa zwei Stunden nach dem Dinner im „Plateau“, das Paar war inzwischen wieder im Hotel angekommen, hätten sie die Detonation gehört. Nach Mitternacht habe er seinen Freund dann nach Hause gebracht.

Es sei niemals geplant gewesen, Steil an diesem Samstag aufzusuchen, denn den Samstag habe er stets nur seinem Freund gewidmet. Damit wird immer deutlicher klar, dass Steil Geibens Beschatter gezielt aufs Eis geführt hatte. Von der misslungenen Observierung habe er erst 2004 erfahren, betonte Geiben vor der Kriminalkammer. Warum er sonntags mit Steil zum Schießstand gefahren sei, daran könne er sich heute nicht mehr erinnern. Inzwischen sei er aber zu der Erkenntnis gelangt, dass es wohl darum ging, dass möglichst viele Zeugen ihn sehen sollten.

28 Jahre nach den Ereignissen wünsche er sich, er sei damals festgenommen und durchsucht worden. Denn dann hätte er sein Alibi einwandfrei belegen können und es wäre ersichtlich geworden, dass er nichts mit den Attentaten zu tun habe. Doch das sei ganz gezielt nicht geschehen, um den Verdacht auf ihn zu lenken.

Befehl von ganz Oben

„Das war ganz klar eine Manipulation", betonte Geiben im Zeugenstand. Später führte er weiter aus: „Hier gab es zumindest ein Behördenversagen, wenn nicht ein Behördenvergehen oder gar ein Behördenverbrechen“. Ziel sei es gewesen aus ihm einen perfekten Verdächtigen zu machen und das sei er bis heute geblieben. „Wie kann ein Adjudant wie Steil den ganzen Justizapparat an diesem Tag so zur Salzsäule erstarren lassen? Der Befehl musste von einer höheren Stelle kommen“, so Geiben.

Man habe ihn um die Gelegenheit gebracht seine Unschuld zu beweisen. Auf die Frage, wen er dafür verantwortlich mache, erklärte Geiben: „Ich bin zu oft Opfer von Spekulationen geworden, um jetzt selbst zu spekulieren“. Es müsse sich allerdings um Entscheidungsträger aus der „Management-Ebene“ handeln, dem höchsten Kreis der Offiziere, betonte Geiben und bekräftigte keine Namen nennen zu wollen.

Es seien aber zwangsläufig Personen gewesen, die genug Einfluss gehabt hätten, um Ermittlungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Er habe zwar seine eigenen Ideen, aber keinerlei Beweise.

Wenn aber im weiteren Prozessverlauf die richtigen Fragen gestellt würden, dann käme die Wahrheit wohl auch ans Licht.