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Bommeleeër: Geheimdienst im Tiefschlaf
Lokales 4 Min. 07.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Geheimdienst im Tiefschlaf

Ex-Srel-Operationschef Bock: Keine Parallelermittlungen zu Polizei und Gendarmerie

Bommeleeër: Geheimdienst im Tiefschlaf

Ex-Srel-Operationschef Bock: Keine Parallelermittlungen zu Polizei und Gendarmerie
Foto: Gerry Huberty
Lokales 4 Min. 07.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Geheimdienst im Tiefschlaf

Unangenehmen Stunden für den ehemaligen Srel-Operationschef Bock vor der Kriminalkammer: Staatsanwaltschaft, Richterin und Verteidigung halten es für  unglaubwürdig, dass die Bombenattentate völlig am Geheimdienst vorbei gingen.

(str) -  Keine sonderlich angenehmen Stunden verbrachte am Mittwochnachmittag der ehemalige Srel-Operationschef Jean-Nicolas Bock vor der Kriminalkammer. Sowohl von der Staatsanwaltschaft, wie auch der vorsitzenden Richterin und der Verteidigung musste er sich wiederholt anhören, wie unglaubwürdig es doch sei, dass die Bombenattentate komplett am Geheimdienst vorbei gingen.

„Es war nicht unsere Aufgabe zu ermitteln“, versuchte sich der damalige dritte Mann im Geheimdienst zu erklären. „Polizei und Gendarmerie ermittelten, wir haben uns raus gehalten.“ Der Srel habe lediglich die Augen und Ohren aufgehalten, für den Fall, dass man in anderen Dossiers auf eine Verbindung zu den Bombenattentaten stoße. Konkret mit dem Fall und möglichen Verdächtigen wurde sich offenbar nur beim Essen und in der Kaffeepause beschäftigt – und dann auch nur aus Aktualitätsgründen.

Staatsanwalt Georges Oswald gab sich mit Bocks Antwort nicht zufrieden. „Ich glaube nicht, dass der Srel nicht ermittelt hat“,betonte er. Bei der Geldübergabe am Theaterplatz seien Geheimdienstkräfte im Einsatz gewesen. Das gehe aus einer Zeugenaussage hervor. Das sei kein Zufall gewesen. Bock betonte, seines Wissens habe es niemals eine Operation in diesem Zusammenhang gegeben. In der Verhandlung zeigte sich aber dann, dass er erst am Tag vor dem Vorfall beim Geheimdienst eingestellt wurde.

Im Auftrag der Gendarmerie

Zwei Mal sei der Geheimdienst im Zusammenhang mit den Attentaten aktiv geworden - beide Male im Auftrag der Gendarmerie, erklärte Bock. Srel-Mitarbeiter hätten an der Observierung Ben Geibens teilgenommen und im Rahmen der Objektschutzmaßnahmen das Gebäude des Staatsrats überwacht.

Von der Geiben-Observierung erfuhren die Bommeleeër-Ermittler bekanntlich erst im Jahr 2004 bei einer Hausdurchsuchung beim Geheimdienst. Der Srel-Agent Armand Kaudé hatte nach der Observierung wutentbrannt einen Bericht an den Geheimdienstchef verfasst, in dem er die Vorkommnisse schilderte und auch Verdachtsmomente gegen Jos Steil aufwarf. Jean-Nicolas Bock unterstrich gestern Nachmittag, er gehe davon aus, dass Hoffmann diesen Bericht auch an den Auftraggeber, die Gendarmerie, weitergeleitet habe. An wen, das wisse er allerdings nicht.

Für eine Überraschung sorgte Bock dann aber, als er erklärte im Bericht habe ohnehin nichts Besonderes gestanden. Staatsanwalt Oswald, sonst eher ruhig und besonnen, sprang auf und schlug mit der flachen Hand aufs Pult. „Da bestehen Verdachtsmomente gegen einen Beamten der Gendarmerie und das steht im Bericht. Und Sie sagen, das sei nichts Besonderes? Sie waren vom Gesetz her daran gebunden, Vergehen zu melden!".

„Eine Falschaussage!“

Ex-Operationschef Bock erklärte im weiteren Verlauf der Verhandlung, dass der Zeuge Gilbert Leurs niemals für den Geheimdienst gearbeitet und auch kein Geld vom Srel erhalten habe. „Ich würde sagen, das war eine Falschaussage“, kommentierte er dessen Angaben, er habe zwei Agenten in die Herrenberg-Kaserne geschleust, um Gendarmerie-Kommandant Harpes abzuhören. Eine derartige Maßnahme habe es nie gegeben.

Die beiden von Leurs genannten Mitarbeiter hätten auch wohl kaum in einen Kofferraum gepasst – der eine sei sehr groß gewachsen, der andere recht beleibt. Wenn Leurs für den Srel gearbeitet hätte, gäbe es auch ein Nachweis hierfür und den gebe es eben nicht.

Im Zusammenhang mit den Attentaten habe es überhaupt keine Abhörmaßnahmen gegeben. Auch sonst sei es während seiner Zeit als Operationschef niemals zu einem illegalen Lauschangriff gekommen. Alles sei stets legal und nur auf Order von Geheimdienstchef Hoffmann geschehen.

Bock bestritt zudem jemals dem Direktor der französischen „Renseignements généraux“, Pascale Mailhos, gesagt zu haben, die Spur Geiben sei nicht die richtige. Man habe nur sehr wenig Kontakt zum französischen Geheimdienst gehabt und einen Mann namens Mailhos kenne er nicht. „Das ist aber ganz bizarr“, meinte daraufhin Staatsanwalt Oswald.

Die vorsitzende Richterin Sylvie Conter brachte es schließlich auf den Punkt: „Entweder haben die Srel-Leute nichts getaugt und ihre Arbeit nicht gemacht oder sie wussten ganz genau, wer dahinter steckt und haben deswegen nichts unternommen.“

Hoffnung, Täter auf frischer Tat zu ertappen

Nach Jean-Nicolas Bock wurde am Mittwoch der ehemalige Gendarmerie-Bezirkskommandant der Region Zentrum, Marc Zovilé, angehört.

Der heutige „Inspecteur général“ der Polizei erklärte, dass seine Aufgabe im Rahmen der Attentatsserie darin bestanden habe, Fahrzeugkontrollen durchzuführen und Lauerwachen etwa bei Hochspannungsmasten zu organisieren. Mit den Ermittlungen habe er nichts zu tun gehabt, sei auch kaum informiert worden. Man habe einfach gehofft, die Täter auf frischer Tat zu erwischen. „Bei der großen Zahl von möglichen Zielen, eine Sache der Unmöglichkeit“, meinte Richterin Conter.

Man habe sich damals keine Gedanken gemacht, erklärte Zovilé. Fragen habe man auch kaum gestellt. Schließlich sei die Aufklärung der Attentate eine Sache der Ermittler gewesen.

„Ich wollte nicht in deren Arbeit wühlen“, meinte Zovilé vor der Kriminalkammer. Ohnehin sei man damals in der Gendarmerie strikt vertikal organisiert gewesen. Informationen seien von Oben nach Unten weitergegeben worden. Zu den Ermittlern habe man keinen Kontakt gehabt.

„Kein Interesse“

„Kein Dienst schien damals Interesse zu haben“, tadelte ihn daraufhin Richterin Conter. „Wieso haben Sie keine Eigeninitiative ergriffen? Sie waren schließlich ranghoher Offizier.“ Als Zovilé erneut betonte, man habe sich eben keine Fragen gestellt, entgegnete ihm die Richterin: „Sie machen es sich aber sehr einfach.“

Am Donnerstag wird die Kriminalkammer mit der Befragung von Marc Zovilé fortfahren. Im Anschluss soll Guy Stebens angehört werden.