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Bommeleeër: Fünf gegen Reuland
Lokales 3 Min. 28.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Fünf gegen Reuland

Reuland in der Zwickmühle: Fünf Zeugen widersprechen seinen Aussagen.

Bommeleeër: Fünf gegen Reuland

Reuland in der Zwickmühle: Fünf Zeugen widersprechen seinen Aussagen.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 3 Min. 28.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Fünf gegen Reuland

Redlich Mühe gab sich der Ex-Polizeichef Pierre Reuland am Donnerstag, das Gericht davon zu überzeugen, dass er nicht in die Observierung von Ben Geiben eingebunden war. Richtig zu glauben schien ihm die Kriminalkammer allerdings nicht.

(str) - Redlich Mühe gab sich der Ex-Polizeichef Pierre Reuland am Donnerstag, das Gericht davon zu überzeugen, dass er nicht in die Observierung von Ben Geiben am 19. Oktober 1985 eingebunden war. Richtig zu glauben schien ihm die Kriminalkammer allerdings nicht.

Denn insgesamt fünf Zeugen widersprechen Reuland. So sagte beispielsweise der Srel-Agent Kaudé aus, Reuland sei beim Briefing am Freitag vor der Beschattung anwesend gewesen. Der Polizist Zenners gab in seiner Vernehmung zudem an, er habe Reuland samstags telefonisch darüber in Kenntnis gesetzt, dass Geiben nicht gekommen sei. Kaudé wiederum betonte, Reuland habe ihn in der darauffolgenden Nacht darüber informiert, dass Geiben im Holiday Inn sei. Dazu kommen die Srel-Agenten Even und Peschong, die vorbrachten, Reuland habe ihnen in der gleichen Nacht ein Bild von Geiben gezeigt.

„Ech bestreiden dat vehement“, erklärte Reuland, als die Richterin ihn mit der Aussage Kaudé, er habe dem Briefing beigewohnt, konfrontierte. Reuland unterstrich, er sei von zwölf Tagen an denen die Spur Geiben aktuell war, zehn nicht da gewesen. Bis Freitags war er in Münster bei einem Treffen der Chefs aller europäischer Spezialeinheiten. Er habe den Gerüchten über Geiben nie Glauben geschenkt. Harpes und Schockweiler wären diejenigen gewesen, die von Geiben als Täter überzeugt gewesen waren.

Kaudés Bericht im Schlaglicht

„In Kaudés Bericht kommt mein Name nicht vor“, betonte Reuland. „Das ist der Beweis, dass ich nicht an der Observierung beteiligt war.“ In einem Bericht nach militärischem Vorbild würden immer alle Beteiligten sowie Ort und Zeitpunkt aufgelistet. „Nein“, widersprach ihm die vorsitzende Richterin Sylvie Conter. „Das bedeutet nicht, dass Sie nicht da waren. Da steht einfach nicht, dass sie da waren.“ Vielleicht habe Kaudé sich nicht ausgemalt, dass Reuland Präsenz eines Tages in Frage gestellt würde, meinte sie später. „Wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich einen Ehrenplatz in dem Bericht bekommen“, warf Reuland ein.

Der Ex-Polizeichef beharrte darauf, an diesem Wochenende nicht gearbeitet zu haben. Er sei nicht der Offizier vom Dienst gewesen. Er sei bis freitags im Ausland gewesen und habe erst montags zu arbeiten begonnen. Am Abend des Anschlags sei er auf dem Bischofsempfang gewesen und anschließend zuhause. Er habe sogar das Gefühl gehabt, wegen seinem guten Draht zu Geiben bewusst nicht über die Beschattung informiert worden zu sein.

Wer lügt?

Zenners und die anderen Zeugen müssten sich irren, unterstrich Reuland. „Hier geht es nicht um einen Irrtum“, meinte die Richterin barsch. „Entweder Sie lügen oder die anderen lügen.“ Ob er sich denn Gedanken darüber gemacht habe, fragte sie, denn schließlich habe ja genau dieser Punkt weitreichende Konsequenzen für Reulands berufliche Laufbahn gehabt. „Zu Unrecht“, merkte Reuland an.

Nach 28 Jahren könne es vorkommen, dass man sich irre, führte Reuland an. Die Zeugen hätten sich in all den Jahren ja auch vielleicht einmal darüber unterhalten. „Wenn Leute versuchen ihr Benehmen zu erklären, dann legen sie sich etwas zurecht, dass plausibel erscheint“, untermauerte Reuland. „Das gilt für mich genauso wie für andere“. Zudem habe er 2007 durch die Medien als Buhmann in der Öffentlichkeit gestanden. Substitut Robert Welter stellte in diesem Zusammenhang aber fest, dass Kaudé Reuland bereits 2004 ins Gespräch gebracht habe.

„Was Sie betrifft, haben wir verschiedene Aussagen, die nicht übereinstimmen“, ließ Sylvie Conter Reuland zum Ende der Verhandlung wissen.“Wir hören jetzt jedem zu, glauben prinzipiell keinem und sehen dann, was wir mit den einzelnen Aussagen anfangen.“


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