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Bommeleeër: "Eng Kugel an de Réck"
Lokales 4 Min. 27.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: "Eng Kugel an de Réck"

Robert Schommer und Edda Di Léonardo haben einen mutmaßlichen Bommeleeër beobachtet.

Bommeleeër: "Eng Kugel an de Réck"

Robert Schommer und Edda Di Léonardo haben einen mutmaßlichen Bommeleeër beobachtet.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 27.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: "Eng Kugel an de Réck"

Er sei von den Ermittlern für dumm verkauft worden, sagte am Mittwoch der Zeuge Robert Schommer vor der Kriminalkammer aus. Dabei wäre er womöglich ein wichtiger Zeuge gewesen.

(str) - Er sei von den Ermittlern für dumm verkauft worden, sagte am Mittwoch Robert Schommer vor der Kriminalkammer aus. Dabei wäre er womöglich ein wichtiger Zeuge gewesen.

Am Tag, als der Pferdestallbesitzer und Landwirt Schommer gemeinsam mit seiner Ehefrau einen mutmaßlichen Bommeleeër beobachtete, nutzten die beiden einen anderen Weg als üblich, um zu einem Feld unweit der Flughafenpiste zu gelangen, wo sie Stroh einsammelten. Im Wald, in Höhe des amerikanischen Friedhofs fiel ihnen dann zunächst ein Geländewagen auf – ein Suzuki, mit einer auffälligen blauen Farbe. Vom Traktor aus sahen sie auch ins Wageninnere und erblickten dort eine Munitionskiste sowie blaue und schwarze Kabel.

Unweit des Wagens kam dann ein junger Mann auf sie zu und grüßte freundlich – ein gepflegter, sportlicher Kerl, mit dunklem, kurzem, gewelltem und nach rechts gekämmten Haar. Auffallend: Der Mann trug einen Militärdrillich und Springerstiefel.

Auf den genauen Zeitpunkt der Beobachtung können sich heute weder Robert Schommer noch seine Ehefrau Edda Di Leonardo festlegen. Es müsse aber um Allerheiligen gewesen sein und kurz vor dem Anschlag am Findel. Dass man zu dieser Zeit noch Stroh einsammele, sei nicht die Regel, komme aber vor, wenn es nicht zu sehr regne.

„Kommissar Falco“

Schommer meldete sich bei den Bommeleeër-Ermittlern, wurde aber von diesen vertröstet. Erst LW-Journalist Joseph Lorent verhalf Schommer schließlich zu einer Anhörung. „Do ass dann de Geck mat mer gemaach ginn“, sagte Schommer im Zeugenstand. „Kommissar Falco“ habe man ihn genannt. Nachdem er gemeinsam mit den Ermittlern ein Phantombild erstellt habe, sei er so durcheinander gewesen, dass er überhaupt nicht mehr gewusst habe, was er nun eigentlich genau gesehen hatte. Ob dies absichtlich geschehen sei, könne er nicht sagen. Dass seine Frau nie angehört wurden sei, das sei aber seine Schuld, denn er habe den Ermittlern von Anfang klar gemacht, dass sie wohl kaum etwas anderes aussagen könne als er.

Wenige Tage später habe er den Mann an einer Tankstelle in Findel wiedergesehen. Wieder habe der Unbekannte freundlich gegrüßt. Diesmal sei er mit einem anderen blauen Auto unterwegs gewesen, einem Volkswagen Multivan. Er erinnere sich noch an die Ziffern eins und neun im Kennzeichen.

„Dat ass nei“, stellte daraufhin der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald fest. Warum er denn bei der Untersuchungsrichterin nichts von dem blauen VW ausgesagt habe, wollte Oswald wissen. Schommer wich aus: „Ech si vun där Bommeleeër-Geschicht esou enttäuscht gewierscht“.

Auch Edda Di Leonardo hatte den Mann offenbar noch einmal an der gleichen Tankstelle gesehen. An das Auto konnte sie sich am Mittwoch aber nicht mehr erinnern.

„Net de Prënz“

Schommer unterstrich in der Verhandlung, er könne das Gesicht des Mannes niemandem zuordnen, um dann formell klarzustellen, „et war net de Prënz“. Er habe selbst irgendwann einmal gedacht, es könne einer der Prinzen sein, doch als die Untersuchungsrichterin ihm Bilder gezeigt habe, habe er das formell ausschließen können. Bei einem Polizeifest in Mondorf habe er einmal beim Anblick von Prinz Guillaume gesagt, „do kënnt de Bommeleeër“. Doch das sei ein Witz gewesen.

Ex-Polizeigeneraldirektor Pierre Reuland würde dem Mann wohl eher ähneln. Es sei aber nicht Reuland gewesen.

„Eng Kugel an de Réck“

„Eigentlech wollt ech näischt soen“, sagte Schommer dann und berichtete, er sei einmal von Sûreté-Beamten bedroht worden: „Mir hunn Iech am Aen, wéinst dem Bommeleeër“, hätten sie gesagt. Dann folgte ein zweites „eigentlech wollt ech näischt soen“ und Schommer erklärte, dass ihn ein befreundeter und inzwischen verstorbener Richter, Paul Wagner, gewarnt hätte: „Ech soll de Mond halen, soss krit ech eng Kugel an de Réck.“ Zudem habe Wagner gesagt, Schommers Telefon würde überwacht. Und auch die Hintergründe der Attentate habe Wagner ihm erklärt. In der Gendarmerie habe es einen furchtbaren Streit gegeben, darum, dass zwei Sektionen geschaffen werden sollten. „An sou lang wéi et déi net ginn, gi Bomme lass“, habe Wagner gesagt. „An se kruten hier zwou Sektiounen.“

Spätnachts am Militärfriedhof

Zu Beginn der Sitzung hatte Maryse Fisch ausgesagt. Sie war mit ihrem späteren Ehemann am Abend des Findel-Anschlags nach einem Kinobesuch vom Irrgarten nach Sandweiler gefahren. Dabei beobachtete sie in Höhe des amerikanischen Soldatenfriedhofs einen großen, schlanken Mann, der die Fahrbahn in Richtung des Tatorts überquerte.

Nach der Explosion habe sie sich gleich über das „Bommentelefon“ gemeldet, doch die Ermittler hätten sich erst Jahre später gemeldet. Eine richtige Vernehmung gab es allerdings auch dann nicht.

Im Dossier taucht die Zeugenaussage lediglich als Aktennotiz von Ermittler Büchler auf und dazu noch mit falschen Angaben: In dem Bericht ist von zwei Männern die Rede, die beide ziemlich groß gewesen seien. Der Vorfall habe sich zudem schon gegen 17.45 Uhr abgespielt. In der Sitzung am Mittwoch war sich die Zeugin allerdings sicher: Es war nur ein Mann und es war am späten Abend.

Am heutigen Donnerstag werden im Bommeleeër-Prozess übrigens Prinz Guillaume und Prinz Jean sowie dessen Ehefrau Hélène Vestur angehört.


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