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Bommeleeër: „En décke Knuppert“
Lokales 5 Min. 23.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „En décke Knuppert“

Am 27. Mai 1985 explodierte um 22.55 Uhr ein Sprengsatz in der hauptstädtischen Rue Auguste Lumière.

Bommeleeër: „En décke Knuppert“

Am 27. Mai 1985 explodierte um 22.55 Uhr ein Sprengsatz in der hauptstädtischen Rue Auguste Lumière.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 5 Min. 23.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „En décke Knuppert“

Am Mittwoch wurden zwei ehemalige BMG-Mitglieder vor der Kriminalkammer angehört. Einer von ihnen, Patrick Pfefferle, schob beim Anschlag auf die Gendarmerie-Kaserne Wachdienst am Verlorenkost. Der Zweite, war bereits Gründungsmitglied der Elitetruppe, musste aber, als Pierre Reuland BMG-Kommandant wurde, seinen Platz räumen.

(str) - Am Mittwoch wurden zwei ehemalige BMG-Mitglieder vor der Kriminalkammer angehört. Einer von ihnen, Patrick Pfefferle, schob beim Anschlag auf die Gendarmerie-Kaserne Wachdienst am Verlorenkost. Der Zweite, war bereits Gründungsmitglied der Elitetruppe, musste aber, als Pierre Reuland BMG-Kommandant wurde, seinen Platz räumen.

Pfefferle erinnert sich gerne an seine Zeit bei der BMG. Als er im Dezember 1985 in dem Sondereinsatzkommando aufgenommen wurde, sei die Stimmung dort sehr gut gewesen. Von Streit, Groll oder irgendwelchen Unzufriedenheiten habe er nichts mitbekommen. Bis 1996 gehörte Pfefferle der BMG an.

Einen Anschlag hatte er aus nächster Nähe miterlebt: Als der Sprengsatz bei der Gendarmerie-Kaserne in der Rue Auguste Lumière am Verlorenkost explodierte, schob er knapp hundert Meter davon entfernt am Boulevard d’Avranches Wachdienst in der Garage. „Ech hunn en décke Knuppert héieren“, erzählte er am Mittwoch. „Ech war frou, datt déi déck Fënster, hannert där ech souz, net gefall komm ass.“

Er sei zunächst von einer Explosion in der Garage ausgegangen, doch als er dort nach dem Rechten sah, habe er nichts feststellen können. Als er dann die Sirenen gehört und die Blaulichter sah, habe er sich schon gedacht, dass eine weitere Bombe explodiert sei. Doch was genau geschehen war, das erfuhr er erst am Morgen danach. Obwohl er Wachdienst in der unmittelbaren Nähe des Tatorts schob, habe niemand ihn zu dem Anschlag befragt – bis die Affäre neu aufgerollt wurde.

"Wann ee gehouscht hätt..."

„Dat war e bëssi e verluerene Posten“, meinte Pfefferle. „Den Telefon ass nëmme seele gaang, vläit zéng Mol an där ganzer Zäit, wou ech do war.“ Einmal pro Stunde sollte er einen Rundgang rund um den Garagenkomplex drehen, später alle 30 Minuten. Überprüft wurde das mit einer Art Stechuhr, die mit einem Schlüssel aktiviert wurde. Damit widersprach Pfefferle der Aussage seines damaligen Kollegen Fränk Birmann. Der hatte vergangene Woche aus gesagt, dass die Sicherheitsrunden rund um das gesamte Gendar- merie-Gelände am Verlorenkost führten – demnach auch am Tatort vorbei. Sicht auf den Schauplatz der Explosioun hatte er von seinem tieferliegenden Posten nicht. „Wann ee gehouscht hätt, dann hätt ech dat vläit héieren“, so Pfefferle.

„An der Garage si vill Leit zesummegelaf, et ass vill geschwat ginn“, hatte Pfefferle zu Beginn seiner Anhörung gesagt. Später betonte er auf Nachfrage, es sei zwar möglich, dass es Gerüchte über Ben Geiben gegeben habe, konkret könne er sich aber an nichts Derartiges erinnern. Geiben sei seiner Erinnerung nach nur ein einziges Mal ein Thema gewesen: Ein Kollege habe ihm einmal das Bild eines Bankräubers gezeigt und ihn gefragt, ob das nicht Geiben sei. Er habe aber keinerlei Ähnlichkeit mit Geiben feststellen könne.

„Am Aquarium fëschen“

Seinen ersten Einsatz in der BMG habe er am Wochenende vom 30. November zum 1. Dezember 1985 gehabt. Gemeinsam mit Scheer, Wilmes und Birmann war er zum Personenschutz des Großherzogs bei Jagden in Fischbach und im großherzoglichen „Gatter“ eingeteilt gewesen. Auf die Frage von Me Vogel, was denn ein „Gatter“ sei, wurde ihm erklärt, dass es sich dabei um ein eingezäuntes Jagdgelände handele. „Dat ass wéi am Aquarium ze fëschen“, scherzte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter.

An jenem Samstag war um 12.48 Uhr nicht allzuweit von den Jagden entfernt ein Sprengsatz explodiert. In Heisdorf war der Hochspannungsmast Nummer 3 mit einer Zündzeit von 64 Minuten gesprengt worden. Niemand von den vier BMG-Leuten habe sich an jenen Tagen unbemerkt entfernen können, unterstrich Pfefferle am Mittwoch. „Wann een do fortgaang wier, da wier mer dat an Erënnerung bliwwen“, betonte er. „Et war meng éischte Missioun mat der BMG. Dat wier mir komesch virkomm.“

Auch montags, beim Anschlag am Gipfeltreffen war Pfefferle mit der BMG im Einsatz. Gemeinsam mit Scheer, Wilmes und Birmann war er zum Personenschutz des französischen Präsidenten François Mitterrand eingeteilt. Als es geknallt habe, sei er mit anderen zum Ort der Explosion gelaufen. „Ech ka mech vague erënneren, an ee Lach gekuckt ze hunn“, erläuterte Pfefferle.

Peters: unfreiwilliger Abgang aus der BMG

Jean-Marie Peters, der zweite Zeuge, der am Mittwoch angehört wurde, war bereits bei der Gründung der BMG im Jahr 1978 mit dabei. „Déi Plaz aus ausgeschriwwe ginn, et konnt een sech mellen, et gouf e Sportstest gemaach an dann ass ee bäi den Här Geiben an den Colonel Wagner an den Interview geruff ginn“, erinnert er sich. Daraufhin sei entschieden worden, wer an der Ausbildung bei der belgischen Spezialeinheit „Groupe Diane“ teilnehmen durfte.

Als Ben Geiben die BMG 1982 verließ, wurde Pierre Reuland Chef und für Peters fand das BMG-Abenteuer ein jähes Ende. „Bis elo ouni valabel Excuse oder Uersaach“, betonte Peters. „Wahrscheinlech well ech e sture Kapp hat“. Die genauen Umstände blieben auch in der Verhandlung am Mittwoch unklar. Aus einem Brief geht aber hervor, dass die Strafversetzung wegen der moralischen und charakterlichen Eigenschaften von Peters erfolgt sei. Scheer erklärte auf Nachfrage: „Den Här Peters huet vläit déi eng oder aner Kéier zereckgemault. En hat vläit och méi eng bësseg Aart a Weis fir zereckzemaule wéi anerer.“

Keine Gerücht zu Geiben und Steil gehört

Gerüchte zu den Bommeleeërn habe er nie gehört. Nicht zu Geiben und schon gar nicht zu Steil. Letzterer sei ihm ein guter Freund gewesen. Man habe sich nicht nur aus der BMG gekannt sondern auch als Protex-Taucher. Neues zum Dossier beitragen konnte Peters am Mittwoch nicht.

Am Donnerstag verspricht die Sitzung allerdings spannend zu werden: Zunächst sollen zwei neue Zeugen zum „Sommet“-Attentat angehört werden. Dabei handelt es sich um die Kriminalpolizisten Medinger und Scholtes. Anschließend wird die Anhörung von Marcel Weydert fortgesetzt, der sich in der vergangenen Woche ohne nachvollziehbare Gründe in eine Sackgasse manövriert hatte.


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