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Bommeleeër: Einfache Zündmechanismen
Lokales 4 Min. 08.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Einfache Zündmechanismen

Die Sprengfalle von Asselscheuerhof: einfacher Mechanismus, tödliche Wirkung.

Bommeleeër: Einfache Zündmechanismen

Die Sprengfalle von Asselscheuerhof: einfacher Mechanismus, tödliche Wirkung.
Lokales 4 Min. 08.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Einfache Zündmechanismen

Mitunter sehr laut ging es am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess her. Me Gaston Vogel brüllte, bis ihm die Luft wegblieb. Sein Klient habe auch das Recht sich zu irren, ärgerte er sich. „Sie müssen beweisen, dass Scheer schuldig ist“, fuhr er den beigeordneten Staatsanwalt Georges Oswald an. „Es ist nicht an mir zu beweisen, dass er unschuldig ist“.

(str) - Mitunter sehr laut ging es am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess her. Me Gaston Vogel brüllte, bis ihm die Luft wegblieb. Sein Klient habe auch das Recht sich zu irren, ärgerte er sich. „Sie müssen beweisen, dass Scheer schuldig ist“, fuhr er den beigeordneten Staatsanwalt Georges Oswald an. „Es ist nicht an mir zu beweisen, dass er unschuldig ist“.

Was war passiert? Das lautstarke Wortgefecht kam aus heiterem Himmel. Der Ex-Polizist Léon Mangen stand im Zeugenstand und schilderte, wie er sich am Vorabend des Nationalfeiertags 1985 nach dem Spezialdienst in der Leibgarde des großherzoglichen Paars mit den BMG-Leuten Scheer, Schickes und Hentzen im Café „Rouden Eck“ in Bonneweg verabredet hatte. Dort habe man erst beim „zweete Patt“ erfahren, dass es in Hollerich eine Explosion gegeben habe. Für Oswald ein klarer Widerspruch zu einer Aussage, die Scheer 2008 gemacht hatte. Damals habe er gesagt, er sei auf dem Weg nach Bonneweg noch am Anschlagsort vorbeigefahren.

„Erëm e Witz?“

Scheer bestritt das in der Verhandlung am Mittwoch vehement. Er habe das 2008 wohl nicht mehr so genau gewusst. „War dat dann erëm e Witz“, kommentierte die Richterin Sylvie Conter in trockenem Ton. „Nee!“, betonte Scheer. Er wisse nicht mehr, warum er das gesagt habe. „Da war et alt erëm e Lapsus“, grummelte Oswald. Er wisse heute nicht einmal mehr, was er 2008 ausgesagt habe, beteuerte Scheer. Ebenso wisse er heute nicht mehr, ob er damals die Explosion überhaupt vernommen habe. Dass er an jenem Abend im „Rouden Eck“ war, sei ihm erst wieder eingefallen, als Mangen ihn einmal darauf angesprochen habe.

Die Richterin gab sich damit allerdings nicht zufrieden. Warum er denn 2008 eine ganz andere Geschichte erzählt habe, wenn es denn nicht so war, fragte sie mehrfach. Dann schritt Vogel ein und beendete die Diskussion mit lauter Stimme. Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, meinte Scheer: „Et ka jo sinn, dat ech deemols gemengt hunn, datt ech zu Hollerech war.“ Heute sei er aber der Auffassung, dass er erst auf dem Weg von Bonneweg nach Hause am Tatort vorbeigefahren sei.

Geiben zweimal observiert?

Bevor der Anschlag am Vorabend des Nationalfeiertags am Mittwoch zur Sprache kam, erzählte Ex-Polizist Léon Mangen von seiner Teilnahme an der Beschattung Ben Geibens am Tag nach dem Anschlag auf den Justizpalast. Gegen 9 Uhr sei er an jenem Sonntagmorgen von Srel-Agent Kaudé zur Garage des Geheimdiensts bestellt worden. Dort habe man ihm dann gesagt, dass Ben Geiben die Zielperson sei. Der befinde sich im Holiday Inn. Fragen habe er keine gestellt. Über die Ermittlungen im Dossier Bommeleeër sei damals ohnehin rein gar nichts durchgesickert. Von der gescheiterten Observierung am Tag zuvor habe er erst Monate später erfahren. Es habe auch keinen Zwischenstopp bei der Gendarmerie auf dem Weg zum Kirchberg gegeben und niemand habe ihm Bilder von Geiben gezeigt. „Mir wousste jo, wéi e géif ausgesinn“, betonte er.

Aufhorchen ließ am Mittwoch aber eine andere Aussage von Mangen: Er habe in Erinnerung, Ben Geiben mehr als einmal im Auftrag des Srel beschattet zu haben. Er erinnere sich, dass er Geiben an einem Abend beim Essen im Restaurant „Plateau Altmünster“ observiert habe. „Dat ass awer interessant“, entfuhr es Georges Oswald. Schwierigkeiten hatte Mangen allerdings, diese Beschattung zeitlich einzuordnen – ob dies nun vor dem Anschlag auf den Justizpalast war oder danach.

Villeret und Dénis

Zu Beginn der Verhandlung hatte Me Vogel Bilder von dem französischen Schauspieler Jacques Villeret gezeigt und die Ähnlichkeit mit Jos Steil hervorgehoben. Die belgische Zeugin Anne-Marie Van den Broeck hatte am Dienstag erklärt, der „Guetteur“ beim Kasematten-Anschlag habe eine starke Ähnlichkeit mit Villeret gehabt. Obwohl die Ähnlichkeit von Steil und Villeret – auf den nicht datierten Bildern – nicht von der Hand zu weisen ist, hat sich die Zeugin bei ihrer Aussage womöglich geirrt. In allen bisherigen Anhörungen hatte sie nämlich nicht von Villeret gesprochen, sondern von Jacques Dénis im Film „L'horloger de St. Paul“.

Anschließend erklärte Albert Feiereisen, der Ex-Waffenmeister der Gendarmerie, im Zeugenstand von seiner Ausbildung zum Bombenentschärfer. Dabei habe man auch gelernt, Bomben zu bauen. Dies sei von Bedeutung gewesen, um die Zündmechanismen kennenzulernen und sie dann entschärfen zu können. Die Zündmechanismen bei den Bommeleeër-Anschlägen sei stets sehr einfach gewesen – das sowohl bei den pyrotechnischen wie auch bei den elektrischen Zündungen.

Seiner Auffassung nach könnten sich die Täter das notwendige Fachwissen in einschlägiger Literatur angelesen haben.

Der Quecksilberschalter in der präparierten Taschenlampe vom Findel-Anschlag sei eine Ausnahme. „Dat ass schonn eng riskéiert Saach“, betonte er. „Ech hätt dat net gemaach. Do huet ee missen déi richteg Kenntnisser hunn“. Die vorsitzende Richterin warf die Frage auf, ob es denn möglich wäre, dass die Taschenlampe erst am Tag nach der Sprengung platziert wurde. Möglich wärs, meinte Feiereisen.

  • Am Donnerstag sind fünf Zeugen vorgeladen: Albert Peiffer, Théo Arensdorff, André Glodt, Georges Kill und Jean-Mathias Goerens.

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