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Bommeleeër: „Einer lügt!“
Lokales 4 Min. 13.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Einer lügt!“

„Dat schéinste Stéck“: Laut Zeuge Glodt hat Armand Schockweiler die Zündvorrichtung vom Anschlag in Hollerich nach 1996 an sich genommen.

Bommeleeër: „Einer lügt!“

„Dat schéinste Stéck“: Laut Zeuge Glodt hat Armand Schockweiler die Zündvorrichtung vom Anschlag in Hollerich nach 1996 an sich genommen.
Lokales 4 Min. 13.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „Einer lügt!“

„Wir reden nicht um den Brei“, betonte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter am Montagnachmittag bei der Zeugenkonfrontation zwischen Armand Schockweiler und André Glodt. „Wir können nur feststellen, dass einer lügt!“

(str) - „Wir reden nicht um den Brei“, betonte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter am Montagnachmittag bei der Zeugenkonfrontation zwischen Armand Schockweiler und André Glodt. „Wir können nur feststellen, dass einer lügt!“

Der Spurensicherer André Glodt hatte vergangene Woche für eine Überraschung im Bommeleeër-Prozess gesorgt. Nach einer Bemerkung der Richterin, dass die komplette Zündvorrichtung des Anschlags in Hollerich nicht mehr aufzufinden sei, hatte er spontan erklärt, Schockweiler habe diese und andere Bommeleeër-Asservate irgendwann nach 1996 beim Mess- und Erkennungsdienst abgeholt. Am Montag wiederholte er seine Aussage gegenüber der Kriminalkammer – wenn auch zögerlicher als bei seiner ersten Aussage.

Schockweiler trat um einiges entschiedener auf: „Ich bestreite das auf ganzer Linie. Ich war nach meinem Abschied aus der Gendarmerie im Jahr 1992 nie wieder beim Mess- und Erkennungsdienst.“ Er sei am Donnerstag fast vom Stuhl gefallen, als er von Glodts Aussage gelesen habe. 1996 habe er bei der Polizei ganz andere Dinge zu tun gehabt. Damals sei bereits die Reorganisation der Sicherheitskräfte vorbereitet worden. Mit dem Bommeleeër-Dossier habe er nach 1992 nichts mehr zu tun gehabt. „Ich war das nicht“, betonte er. „Da muss eine Verwechslung vorliegen!“

Schockweiler: „Ich war das nicht!“

„Es ist mir aber so, als wäre das so gewesen“, versicherte Glodt. Er habe nichts gegen Schockweiler. Letzterer wurde nicht müde, zu unterstreichen, dass er 1996 gar keinen Grund gehabt hätte, sich mit den Bommeleeër-Beweisen zu befassen. Richterin Sylvie Conter sah das anders: „Der einzige Grund, warum jemand zu diesem Zeitpunkt Beweismittel aus dem Karton nimmt, wäre, um sie verschwinden zu lassen“, betonte sie. Schockweiler zeigte sich brüskiert: „Das ist ja noch schlimmer, als das was Herr Glodt hier sagt. Ich war das nicht. Das unterschreibe ich auch!“

Glodt meinte etwas kleinlaut, dass er sich dann wohl geirrt habe. „Nein“, erwiderte ihm die Richterin. „Nur weil Herr Schockweiler etwas anderes sagt, bedeutet das nicht, dass sie sich geirrt haben.“ Die Richterin sagte Glodt und Schockweiler auf den Kopf zu, dass einer von beiden lüge. Damit müsse man sich dann zu einem späteren Zeitpunkt befassen.

Inzwischen hatte sich auch der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald eingeschaltet. Er löcherte Glodt mit Detailfragen zum Vorfall, doch der bewies ein ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen. Dennoch meinte Glodt: „Wenn ich mich irre, dann tut das mir leid.“ Er sei aber immer noch der Meinung, dass Schockweiler und niemand anderes die Zündvorrichtung abgeholt habe. Er habe sich gefreut, dass wieder Bewegung in den Fall gekommen sei. Der Schrecken des Anschlags auf das Gendarmerie-Gebäude sitze auch heute noch immer tief.

Zündkapsel aus dem Dynamit gezogen

Anschließend fuhr die Kriminalkammer mit der Anhörung von Ernest Junk fort. Die „rechte Hand“ von Gendarmerie-Waffenmeister Albert Feiereisen erinnerte sich daran, wie nachts das Telefon klingelte und die beiden dann zu den Anschlagsorten ausrückten. „Wir kamen zumeist als letzte am Tatort an“, betonte er. Bei der Sprengfalle in Asselscheuerhof habe er den Stolperdraht aus Nylon im Schein seiner Taschenlampe glänzen gesehen und Feiereisen davor bewahrt, in die Falle der Bommeleeër zu tappen. Die Entschärfung sei keine große Sache gewesen. Feiereisen habe das Entschärfer-Kostüm angezogen und dann die Zündkapsel aus dem Sprengsatz entfernt. Dann habe man alles an die Spurensicherung übergeben.

Junk betonte zudem, dass zwischen seinem Abgang aus der „Armurerie“ 1990 und seiner Rückkehr 1998 gründlich aufgeräumt worden sei. Wer das veranlasst habe, wisse er allerdings nicht. Im gleichen Zeitraum sei auch die Demonstrationskiste mit den verschiedenen Zündmechanismen verschwunden. Feiereisen hatte betont, dass diese bei seiner Pensionierung 1997 noch da war. Ernest Junk erzählte zudem von einem Buch mit Bombenbauanleitungen, das ein Freund auf einem Militaria-Markt in Arlon gekauft habe. „Wer dieses Buch hatte, konnte solche Sachen machen“, betonte er im Bezug auf die Bommeleeër-Attentate. „Kriddelech“ sei nur die präparierte Taschenlampe vom Findel gewesen. Die Attentäter hätten wohl im Laufe der Zeit dazugelernt.

Rat der Armee nicht erwünscht

Sein Rat sei nie erwünscht gewesen, bedauerte Patrick de Paoli im Zeugenstand. Der damalige Sprengmeister der Armee hätte jedoch offensichtlich gerne mit seinem Wissen weitergeholfen. Die Armee sei überhaupt im Rahmen der Attentatsserie immer außen vor gelassen worden. De Paoli unterstrich allerdings, dass seine Einheit auf Weltkriegsmunition spezialisiert gewesen sei. Unkonventionelle Sprengvorrichtungen seien erst mit den ersten Auslandsmissionen der Armee zu einem Thema geworden. Seiner Ansicht nach hatten die Bommeleeër zwar gewisse Grundkenntnisse, seien aber keine Profis gewesen. Militärischer Sprengstoff wäre zudem um einiges effektiver gewesen als das von den Tätern verwendete „Luxite“ – ein Sicherheitssprengstoff, der für die Anwendung in Steinbrüchen konzipiert worden sei. „Wer auf einen Elefanten schießt, benutzt keine Luftbüchse“, kommentierte er.

Am Dienstag werden die Verhandlungen mit der Anhörung der Ex-BMG-Mitglieder Michel Schickes, Marcel Weydert und Jean-Marie Peters fortgesetzt.


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