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Bommeleeër: "Ein hilfloser Haufen"
Lokales 5 Min. 05.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: "Ein hilfloser Haufen"

Charles Hamen war beim Anschlag in Kirchberg diensthabender Offizier im Kommandoposten. Vor der Kriminalkammer konnte er sich am Mittwoch nur schwach an die Attentatsserie erinnern.

Bommeleeër: "Ein hilfloser Haufen"

Charles Hamen war beim Anschlag in Kirchberg diensthabender Offizier im Kommandoposten. Vor der Kriminalkammer konnte er sich am Mittwoch nur schwach an die Attentatsserie erinnern.
Zeichnungen: Laura Schmit
Lokales 5 Min. 05.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: "Ein hilfloser Haufen"

Kaum bis gar nicht konnte sich am Mittwoch Charles Hamen an das Attentat beim Gipfeltreffen erinnern. Dabei müsste gerade ihm der Anschlag in Erinnerung geblieben sein, war er doch, als die Bombe explodierte, der Offizier vom Dienst im Kommandoposten.

(str) - Kaum bis gar nicht konnte sich am Mittwoch Charles Hamen an das Attentat beim Gipfeltreffen erinnern. Dabei müsste gerade ihm der Anschlag in Erinnerung geblieben sein, war er doch, als die Bombe explodierte, der Offizier vom Dienst im Kommandoposten.

Der heutige Operationschef der Polizei war Ende 1985 als junger Offizier dem Gendarmerie-Kommando und Anfang 1986 dem Chef der Sûreté zugeteilt. Armand Schockweiler sollte er im Bommeleeër-Dossier unterstützen. Später ersetzte er Guy Stebens an der Spitze des „Groupe d'Observation et de Recherche“.

„Mäi léiwen Här Leutnant“

Er habe zu Beginn einige wenige Ordner bekommen, sagte Hamen. Erinnern konnte er sich am Mittwoch lediglich an die Erpresserbriefe als Teil des Dossiers. Ermittelt habe er selbst nie. Seine Aufgabe sei eher organisatorischer Natur gewesen. Kontakt zum Untersuchungsrichter oder zur Staatsanwaltschaft habe er nicht gehabt, zu den Ermittlern nur selten. Ein Vorfall blieb ihm aber in Erinnerung: Er habe einmal den Bommeleeër-Ermittler Jean Disewiscourt um eine Kopie der Berichte gebeten. „Mäi léiwen Här Leutnant, sou Saache si mir net gewinnt“, habe ihm Disewiscourt geantwortet. Bekommen habe er nichts.

Viel habe er auch sonst nicht von den Ermittlungen mitbekommen. Von Geiben und Steil sei seines Wissens nie die Rede gewesen. Das Gleiche gelte für Prinz Jean und den weißen Audi. Über Insiderwissen habe man vage spekuliert, an Insider-Täter nicht einmal gedacht. Das Gendarmerie-Kommando sei damals ein langer Flur gewesen. An einem Ende habe der Chef, Colonel Harpes, sein Büro gehabt, am anderen Colonel Bourg. Er habe ziemlich in der Mitte gesessen. Geredet sei aber immer nur hinter verschlossenen Türen worden.

„Gudd Fro!“

Als die vorsitzende Richterin Sylvie Conter den Offizier fragte, gegen wen der GOR denn konkret ermittelt habe, antwortete Hamen mit einem verschmitzten Lächeln: „Gudd Fro!“ Er wisse nur noch, dass man abends quasi im Blindflug Patrouille gefahren sei.

„Mir waren alleguer en zimlech hilflosen Haufen“, meinte Hamen. „Et konnt ee sech u näischt upaaken.“ Er habe eine vage Erinnerung daran, dass Jugendliche aus Bridel kurzzeitig unter Verdacht geraten seien und, dass nach der „Revue“ Videobilder ausgewertet wurden.

Zum Anschlag beim „Sommet“ sagte Hamen, „ech wousst, datt ech do war, mä net méi a wat fir enger Funktioun. Dat hunn d'Enquêteure mer gesot“. Er habe im „Poste de commandement“ den Knall gehört, einem kleinen Raum hinten links. Er erinnere sich noch an Anzeigetafeln. Bourg sei phasenweise dort gewesen, genau wie Steil. Ob beide zum Zeitpunkt der Explosion im Kommandoraum waren, wisse er allerdings nicht mehr. Sein Dienst sei eigentlich zehn Minuten nach dem Anschlag zu Ende gewesen, erklärte Hamen. Wie lange er tatsächlich da war, wisse er aber nicht mehr.

Die Richterin tat sich offensichtlich schwer, Hamen das schwache Erinnerungsvermögen abzukaufen. Dennoch entließ sie ihn nach knapp 75 Minuten aus dem Zeugenstand.

„Sommet“: Bourg lässt Steils Alibi platzen

Er habe sich zum Zeitpunkt der Explosion gemeinsam mit Colonel Reiter in einem geschlossenen Raum im Kirchberger Konferenzzentrum befunden, sagte Colonel Charles Bourg Mittwoch im Zeugenstand aus.

Damit widersprach er Patrice Solagna, der am Dienstag unterstrichen hatte, er habe im Zusammenhang mit der Detonation nur ein Bild im Kopf und sehe darauf sowohl Colonel Bourg wie auch Jos Steil im „Hall“ stehen. Damit hatte Solagna Steil aus der Schusslinie genommen, denn der stand bislang im Verdacht jenen Wagen gefahren zu haben, aus dem mutmaßlich die Bombe geworfen wurde.

Ansonsten konnte sich Bourg an nicht viel im Zusammenhang mit dem Attentat am Gipfeltreffen erinnern. Die meisten Fragen beantwortete er mit Kopfschütteln oder Schulterzucken. Das Wichtigste sei die Weiterführung des Gipfels gewesen, betonte er. Nach drei Tagen habe man alles eingepackt und sich der nächsten Aufgabe gewidmet – eine von vielen Aussagen, mit der er auf Unverständnis stieß. „Do ass dach bestëmmt en Debriefing gemaach ginn“, betonte der beigeordnete Staatsanwalt Oswald. Nein, es sei immer gleich alles sofort besprochen worden, meinte Bourg.

Wo ist der Bericht?

Dann verwies er immer wieder auf den „Compte rendu“ des Gipfels, doch von diesem Bericht fehlt bislang jede Spur. „Et freet ee sech, ob do net eppes drasteet, wat mat dem Auto ass an, datt en dofir net fonnt gëtt“, bemerkte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter.

Falls ein Auto gestoppt oder ein Verdächtiger in Gewahrsam genommen worden sei, dann sei dies doch sicherlich im Bericht vermerkt, betonte Charles Bourg, er erinnere sich aber an nichts dergleichen.

„Et gëtt een es sou lues saat, mat deene Leit, déi nach knapps hire Numm wëssen a wou se geschafft hunn“, ärgerte sich Sylvie Conter. „Mir hunn awer och Leit, déi sech beméien, sech un eppes ze erënneren. Et gëtt just eng Kategorie vu Leit, déi sech u näischt erënnert, an dat sinn alleguer d'Gendarmeriesoffizéier. An da kréie mer hei vu Biller erzielt. Et ginn aner Plaze fir Leit, déi Biller am Kapp hunn. An da sinn déi Biller och nach falsch, wéi sech erausstellt.“

Bourg habe das Attentat vor internationaler Kulisse offensichtlich kalt gelassen, stellte Oswald fest. „Den Här Bourg war also iwwerhaapt net opgereegt. Wousst hien, datt et géing knuppen?“, fragte er. Bourg verneinte. „Och net datt keng zweet Bomm sollt kommen?“, hakte Oswald nach. Bourg verneinte abermals. Es seien die Verantwortlichen des Außenministeriums gewesen, die entschieden hätten, das Gipfeltreffen weiterzuführen.

Die meisten Fragen jedoch blieben am Mittwoch ohne Antwort und so schien zum Ende seiner rund 90-minütigen Anhörung klar, dass Charles Bourg wohl nicht zum letzten Mal als Zeuge antreten musste.

Wehrsportgruppe am Tatort?

Me Vogel hat indes angekündigt, am Donnerstag einen Antrag zu einer Luxemburger Wehrsportgruppe einzureichen. Diese Spur sei komplett vernachlässigt worden. Dabei sei der Geheimdienst von der Sûreté informiert worden, dass vier Mitglieder der Wehrsportgruppe kurz vor dem Kasematten-Anschlag in der Nähe des Tatort beobachtet worden seien. Vogel teilte der Presse in der Verhandlung am Mittwoch ein diesbezügliches Dokument aus.


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