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Bommeleeër: Dienst nach Vorschrift
Lokales 5 Min. 07.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Dienst nach Vorschrift

Gemeinsame Verbrecherjagd: Unser Foto von Juni 1990 zeigt den damaligen Capitaine Pierre Reuland (rechts) von der Polizei Luxemburg mit Bezirkskommandant Capitaine Marc Zovilé von der Gendarmerie bei einer Suchaktion auf „Staffelter“.

Bommeleeër: Dienst nach Vorschrift

Gemeinsame Verbrecherjagd: Unser Foto von Juni 1990 zeigt den damaligen Capitaine Pierre Reuland (rechts) von der Polizei Luxemburg mit Bezirkskommandant Capitaine Marc Zovilé von der Gendarmerie bei einer Suchaktion auf „Staffelter“.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 5 Min. 07.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Dienst nach Vorschrift

Keinen leichten Stand hatte am Donnerstag der „Inspecteur général de la police“, Marc Zovilé, vor der Kriminalkammer. Sowohl von der vorsitzenden Richterin, wie auch von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung wurde er in die Mangel genommen.

(str) - Keinen leichten Stand hatte am Donnerstag der „Inspecteur général de la police“, Marc Zovilé, vor der Kriminalkammer. Sowohl von der vorsitzenden Richterin, wie auch von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung wurde er in die Mangel genommen.

Gleich zu Beginn der Sitzung fasste die vorsitzende Richterin die Anhörung Zovilés vom Vortag mit folgenden Worten zusammen: „Dir woust vu näischt, Dir hutt näischt gefrot an ëmmer nëmmen Déngscht no Virschrëft gemaach“. Zovilé war zur Zeit der Bombenanschläge Bezirkskommandant der Region Zentrum in der Gendarmerie. Die Attentate, die im Prozess behandelt werden, fanden demnach allesamt in seinem Zuständigkeitsbereich statt.

Fragen ohne Antworten

Ein Grund mehr sich für die Geschehnisse zu interessieren, befand Richterin Conter. „Et ass net, well et a mengem Bezierk war, datt ech d'Moyen'en hat, eppes ze ënnerhuelen“, verteidigte sich Marc Zovilé. Die Aufgaben seien strikt aufgeteilt worden. Die Tatsache, dass es sechs Monate dauerte, bis Personenbeschreibungen an alle Einheiten weitergeleitet wurden, habe sicher Fragen aufgeworfen. Eine Antwort habe es allerdings nicht gegeben. Das sei eben einfach so gewesen. „Et war mat menge véier oder fënnef Déngschtjoeren net dran, bei de Chef ze goen, an him ze soen, Chef, wats du do méchs ass net richteg“, unterstrich Zovilé.

Es sei auch nicht so gewesen, dass gar nichts unternommen worden sei. Nach der Episode mit der Geldübergabe am Theaterplatz habe man beispielsweise, die Einsatzzentrale zum Waldhof verlegt. „Et sollt verhënnert ginn, datt an aller Ëffentlechkeet ze gesi wier, wat mer ënnerholl hunn“, erklärte Zovilé. Spätestens nach den darauffolgenden Anschlägen hätte klar sein müssen, dass der Maulwurf mit zum Waldhof umgezogen war. „Ech ginn dovunner aus, datt déi Leit, déi d'Enquête gemaach hunn, sech och hier Gedanken doriwwer gemaach hunn“, meinte Zovilé.

Sich Gedanken gemacht

„Et ass awer méi wéi verwonnerlech, dat een sech net méi, wéi dat doten, doriwwer opreegt, datt ee regelrecht vir domm verkaf ginn ass“, fuhr Richterin Conter fort. Wenn man ein konkretes Element gehabt hätte, dann hätte man dieses auch sicher an die zuständigen Ermittler weitergeleitet, entgegnete Zovilé. „Mir hunn eis Gedanke gemaach, mä mir sinn op näischt komm.“ Man habe Lauerwachen organisiert und Autos kontrolliert. Schließlich musste der Sprengstoff von einem Ort zum anderen transportiert werden. „Dat war eis Aufgab“, so Zovilé.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Justizpalast wollte die Richterin von Zovilé wissen, wie in aller Welt es dazu kam, dass er mit der Presse durch den Tatort gelaufen sei. Dies sei auf Order des beigeordneten Staatsanwalts Hary geschehen, meinte der Zeuge. „Ass et dann do net un Iech fir Nee ze soen“, fragte ihn die Richterin. „Domat war jo all Spueresëcherung iwwerflësseg“. - „Wann de Procureur Adjoint dat zu mir seet, da maachen ech dat“, erwiderte Zovilé. „Ech hu just dat gemach, wat e mech ugestallt huet“.

Pressetour am Tatort

„Wisou sidd der mat Leit duerch en Tatort gelaf, wou der jo hutt misse wëssen, datt et bei zwee Attentater nach eng zweet Sprengung gouf“, fragte ihn Sylvie Conter. „Dir hätt jo do kënne mat an d'Luucht fléihe.“ Marc Zovilé antwortete zunächst nur mit einem Schulterzucken. Dann erklärte er, er erinnere sich, dass bei einzelnen Tatorten zunächst ein Waffenmeister das Umfeld untersucht habe. Ob das hier der Fall gewesen war, könne er allerdings nicht mehr sagen. Zudem sei man ja auch nicht gleich mit der Presse am Tatort gewesen, sondern erst eine gute Zeit später. Die Richterin hielt an ihrer Frage fest: „Wouhir wousst Dir, dat net eng zweet Bomm do war?“ Kleinlaut erklärte er schließlich: „Ech woust net op do nach eng wier.“ und dann: „Da war dat ebe sou. Wat soll ech dozou soen?“

Immer wieder Geiben

Ben Geiben sei von Operationschef Charles Bourg ins Gespräch gebracht worden, erklärte Zovilé. Der habe irgendwann mal gesagt: „Soll et net de Benny gewierscht sinn“. Zovilé habe sich aber nichts weiter dabei gedacht. Bourg habe das ohnehin recht halbherzig gesagt. Warum Geiben verdächtig sein sollte, danach habe er nicht gefragt. „Et war wuel deen eenzegen, deen déi Fähegkeeten hat“, erklärte Zovilé im Zeugenstand. „Well en einfach gutt war.“ Der beigeordnete Staatsanwalt Oswald fragte ihn daraufhin, ob Reuland, denn nicht gut gewesen sei. „Dee war net am Gespréich“, antwortete Zovilé. „Eng gewësse Kategorie vu Leit hu Problemer, fir op einfach Froen eng Äntwert ze fannen“, kommentierte die Richterin. Die Frage sei nicht gestellt worden, weil alle Geiben gekannt hätten, erwiderte Zovilé. „Mir waren alleguer der Meenung, datt hien fäheg wier, esou eppes ze maachen. Mir hunn awer alleguer net doru gegleeft. De Geiben war éischter een, deen eppes opgebaut hätt, net eppes futti gemaach.“ In den Briefings sei nicht weiter über die Spur Geiben gesprochen worden.

„Et waren der scho vill hei, déi sech keng Froe gestallt hunn, déi näischt ënnerholl hunn a sech just ëm hiert gekëmmert hunn“, stellte die vorsitzende Richterin fest. „Wann ee kuckt, wéi systematesch dat de Fall war, dann ass ee net wäit dovunner, datt et Sënn an Zweck wor, d'Bommeleeër net ze kréien. An dobäi gouf sech net schlecht ugeluecht.“ - „Dat war bei mir net de Fall“, unterstrich Zovilé. „Ech hu mäi bescht gemaach a meng Missioun erfëllt.“

„Hohoho de Biever ass KO“

Zwei E-Mails gingen am Donnerstagmorgen bei der Staatsanwaltschaft bzw. bei Me Vogel ein. In einer behauptet ein Zeuge, bei einem Dinner im Jahr 2008 im „Juegdschlass“ hätten Offiziere, darunter auch Zovilé und Schockweiler ein Lied mit folgendem Wortlaut gesungen: „Hohoho, de Biever as KO. Hihihi, de Bommeleeër kritt der ni.“ Vor der Kriminalkammer und unter Eid bestritt Zovilé den Vorwurf.

In einem zweiten Schreiben an Me Vogel erklärte ein Polizist, er sei dabei gewesen, als der verstorbene Waffenmeister der Polizei, Henri Flammang, im Leudelinger Wald aus Jux einen Holzstapel gesprengt habe. Die Richterin wies die Kriminalpolizei an, zu beiden Schreiben Ermittlungen anzustellen.

Am kommenden Montag werden die Verhandlungen mit der Anhörung von Guy Stebens fortgesetzt.