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Bommeleeër: Die Selbstdemontage eines Polizisten
Lokales 5 Min. 24.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Die Selbstdemontage eines Polizisten

Marcel Weydert wird am Montag nochmals vor Gericht erscheinen und dann bereits zum vierten Mal gehört werden.

Bommeleeër: Die Selbstdemontage eines Polizisten

Marcel Weydert wird am Montag nochmals vor Gericht erscheinen und dann bereits zum vierten Mal gehört werden.
Foto: Anouk Antony
Lokales 5 Min. 24.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Die Selbstdemontage eines Polizisten

Eine traurige Figur gab am Donnerstag im Bommeleeër-Prozess der Kriminalpolizist Marcel Weydert ab. Zum einen scheint es offensichtlich, dass er sich die Kasematten-Geschichte nur ausgedacht hatte, zum anderen wurde er im Zusammenhang mit einem Brief an Marc Scheer einer handfesten Lüge überführt.

(str) - Eine traurige Figur gab am Donnerstag im Bommeleeër-Prozess der Kriminalpolizist Marcel Weydert ab. Zum einen scheint es offensichtlich, dass er sich die Kasematten-Geschichte nur ausgedacht hatte, zum anderen wurde er im Zusammenhang mit einem Brief an Marc Scheer einer handfesten Lüge überführt.

Weydert hatte am vergangenen Donnerstag selbst eine E-Mail von Marc Scheer zur Sprache gebracht. Darin ging es um ein mittlerweile allseits bekanntes Foto von Marc Scheer mit einem zweiten, hochgewachsenen Mann am Kasematten-Tatort. Scheer hatte im Juni 2012 die Tatortbilder mit einem LW-Journalisten – dem Autor dieser Zeilen – durchgesehen. Als man dann dann zu dem Kasematten-Foto kam, war Scheer sich nicht mehr sicher, ob nun Jos Wilmes auf dem Bild war, so wie die Ermittler es ihm im Verhör gesagt hatten, oder Marcel Weydert. Scheer schrieb deshalb eine E-Mail an Weydert, in der er fragte, ob er bestätigen könne, dass er auf dem Foto sei.

Verhängnisvoller Brief

Bevor Weydert am Donnerstag angehört wurde, befragte die vorsitzende Richterin zunächst Scheer. Ob Weydert ihm auf die E-Mail geantwortet habe, wollte Sylvie Conter wissen. Scheer bejahte. Weydert sei abends zu ihm nach Hause gekommen und habe ihm einen Brief übergeben. Darin habe er Scheer gebeten, nicht wieder über seine berufliche E-Mail-Adresse Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ansonsten könne er sich nicht mehr an den Inhalt erinnern, erklärte Scheer. Weydert habe sich an jenem Abend aber recht komisch benommen, so als ob das Treffen eine geheime Sache sei.

Wenige Minuten später wurde dann auch Weydert zu seiner Antwort befragt. Er habe Scheer bei Gelegenheit zuhause aufgesucht und ihm gesagt, dass es wohl so sei, wie Scheer annehme, dass er, Weydert, auf dem Foto sei. „Ech hat kee Problem ze soen, datt ech op der Foto wier“, betonte Weydert. Die Antwort irritierte die Kriminalkammer augenscheinlich. „Et geet hei net dorëm, dem Här Scheer e Gefaalen ze maachen, mä dorëm d’Wourecht ze soen“, ermahnte ihn die Richterin. Er habe sich nichts dabei gedacht, meinte Weydert und entschuldigte sich dafür, dass er vor Gericht für Verwirrung gesorgt habe. Weydert sagte dann, er wolle dem Gericht eine schriftliche Erklärung übergeben. Nach einem kurzen Blick darauf meinte Sylvie Conter, so einfach komme Weydert nicht davon, dass er sich einfach um 180 Grad drehe und sage: „De Scheer huet gemengt, ech wier dat, da war ech et alt“.

„Dir sidd Chef-Commissaire

Als der beigeordnete Staatsanwalt und die Richterin ihn auf seine detailreichen Aussagen von vergangener Woche erinnerten, meinte Weydert, er sei vergangene Woche einfach nur auf die E-Mail von Scheer fixiert gewesen. „Dir sidd Commissaire en Chef an der PJ“, versuchte die Richterin ihm ins Gewissen zu reden. „Hei geet et drëm, d’Wourecht ze soen!“ Warum er denn gedacht habe, Scheer einen Gefallen tun zu müssen, wollte die Richterin wissen. Wenn er auf dem Foto mit Wilmes verwechselt worden sei, dann könne das ja auch noch anderweitig passiert sein, meinte Weydert. „Ech konnt dee Moment net ausschléissen, datt ech dat wier. Ech hunn alles falsch gemach, wat ech konnt falsch maachen“, sagte er mit stockender Stimme.

Dann fragte ihn die Richterin, wie er denn Scheer, das mitgeteilt habe. „Ech si bei de Scheer gang an hunn him mëndlech geäntwert“, erwiderte Weydert. „Sidd der sécher?“, fragte die Richterin. Weydert hat offensichtlich unter Eid gelogen und ist dabei erwischt worden. Dann schwieg er plötzlich beharrlich. Als die Richterin weiter nachhakte, meinte er, er habe wohl auch schriftlich geantwortet, er könne sich aber nicht mehr erinnern. „Wann der hei zwee soen, se wéisste net méi, wat an dem Bréiw stoung, da fänkt dat un, eis desto méi ze interesséieren“, meinte die Richterin. Abhilfe schaffte schließlich die Ehefrau von Marc Scheer. Sie hatte den Brief zuhause wiedergefunden. Auf Anordnung der Richterin wurde das Schriftstück abgeholt und die Sitzung unterbrochen.

„Farbe bekennen“

Anschließend wurde Weydert aufgefordert, den Brief vorzutragen. In Kurz: Weydert betonte, der virtuelle Weg ihn zu kontaktieren, sei nicht die beste Wahl. Ohne das Foto könne sich nicht mehr erinnern, am Tatort des Anschlags gewesen zu sein. Das Foto beweise, dass er oft mit Wilmes verwechselt würde. Zum Schluss betonte er, es sei an der Zeit, dass Politiker und Institutionen endlich Farbe bekennen sollten, sagen wie es wirklich war und sich nicht hinter der Staatsraison verstecken.

„Et widerstriewt eis, dat mir legal näischt géint Iech ënnerhuele kënnen“, meinte die Richterin. „An dat vun engem Commissaire en Chef...“ – „Dir wëllt eis jo net zielen, datt Dir dat alles erfonnt hutt“, ergänzte Oswald. „Ech hu mech vläit onglécklech ausgedréckt“, erwiderte Weydert. „Ech sinn dovun ausgang, datt ech dat wier.“

„Ech soen Iech op de Kapp zou, datt et net war, fir dem Här Scheer e Gefaalen ze maachen“, fuhr Sylvie Conter fort. „Aus där Uersach fannt Dir och keen Enn aus der Geschicht. Firwat behuelt Dir Iech esou, wéi wann Dir eppes ze verstoppen hätt.“ Weydert rechtfertigte sich damit, dass es einen Generalverdacht gegen die Brigade Mobile gebe. „Mat ärem Behuelen, kéint een op méi komesch Gedanke kommen, wéi just déi Saach mat der BMG“, hielt dem Sylvie Conter entgegen. „En ass de Bommeleeër“, meinte daraufhin Verteidiger Me Gaston Vogel. „T’ass net vir ze laachen“, erwiderte die Richterin.

Am kommenden Montag wird die Anhörung von Marcel Weydert fortgesetzt. Dann werden wohl auch seine kryptischen Andeutungen auf die „wahren Hintergründe der Attentate“ zur Sprache kommen.


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